Der Raum ist voll. Marketing, IT, Geschäftsführung – alle sitzen am Tisch. Die Agenda ist klar: Welches Shopsystem bringt uns ans Ziel? Der Launch muss schnell gehen, internationale Märkte stehen auf der Roadmap, ERP und PIM warten auf Anbindung. Und dann die Frage, die alle umtreibt: „Nehmen wir ein System, das out of the box viel mitbringt – oder bauen wir uns etwas Passgenaues?"
In genau diesem Moment stehst du vor einer der kritischsten Entscheidungen für dein E-Commerce-Business – und oft hilft dabei ein Blick darauf, wie eine Shopware Agentur solche Projekte typischerweise aufsetzt. Dein Shop ist weit mehr als ein Verkaufskanal – er ist das Fundament für Umsatz, Conversion und Kundenerlebnis. Die falsche Wahl kostet dich nicht nur Budget und Zeit, sondern im schlimmsten Fall auch Traffic, Conversions und Marktanteile.
Sylius vs Shopware: Der Unterschied in einem Satz
Bevor wir tief in Details eintauchen, lass uns eines klarstellen: Shopware ist eine vorkonfigurierte E-Commerce-Plattform mit umfangreichem Admin-Bereich, vielen Standardfunktionen und einem großen Plugin-Ökosystem. Marketing und Commerce können hier schnell eigenständig arbeiten.
Sylius hingegen ist ein E-Commerce-Framework – eine Sammlung von Komponenten, die dir maximale Flexibilität gibt, aber deutlich mehr Entwicklungsarbeit erfordert. Kurz gesagt: Shopware ist die Konfektion, die schnell passt. Sylius ist der Maßanzug, den du dir nach deinen Anforderungen schneidern lässt – vorausgesetzt, du hast das richtige Team dafür.
Was bedeutet „Open Source" wirklich für deinen Alltag?
Beide Systeme sind Open Source – der Quellcode ist offen und grundsätzlich kostenfrei verfügbar. Doch Achtung: „kostenlos starten" bedeutet nicht „günstig betreiben". Kosten entstehen durch Implementierung, Design, Templates, Plugins, Integrationen, Tests, Hosting, Performance-Optimierung, Wartung, Updates und Support. Wer hier nicht von Anfang an realistisch plant, erlebt später böse Überraschungen.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Unterscheidung zwischen Shopsystem und Framework. Ein Shopsystem wie Shopware bringt sofort nutzbare Workflows, Admin-Oberflächen und Commerce-Features mit. Ein Framework wie Sylius gibt dir Bausteine, mit denen du dir genau die Lösung baust, die du brauchst – was aber mehr technisches Know-how und Entwicklungszeit voraussetzt.
Wann ist der Vergleich Sylius vs Shopware überhaupt relevant?
Nicht jedes E-Commerce-Projekt braucht die Tiefe dieser Entscheidung. Wenn du schnell und unkompliziert starten willst, wenig Individualisierung brauchst und vor allem Zeit sparen möchtest, sind SaaS-Lösungen wie Shopify oft die bessere Wahl. Shopify ist schnell aufgesetzt, wartungsarm und bietet eine solide Basis – allerdings mit Einschränkungen bei Flexibilität und Datenhoheit.
Wenn du dir dafür externe Unterstützung holen willst, kann eine Shopify Agentur helfen, den Start wirklich sauber (Tracking, Templates, Apps, Prozesse) aufzusetzen.
Wenn du hingegen ein großes Enterprise-Setup suchst oder stark auf Adobe-Ökosystem setzt, kann Magento bzw. Adobe Commerce interessant sein – allerdings mit deutlich höherer Komplexität und Kosten.
Der Vergleich Sylius vs Shopware wird dann spannend, wenn du:
- komplexere Anforderungen hast wie B2B-Logik, Marktplatz-Modelle oder spezielle Pricing-Strukturen
- zwischen Geschwindigkeit und Passgenauigkeit abwägen musst
- eine bestehende Systemlandschaft integrieren willst mit ERP, PIM, CRM oder Legacy-Systemen
- einen Relaunch planst und SEO, Daten sowie URLs sauber managen musst
Für wen passt welches System? Die Schnellentscheidung
Stell dir zwei typische Personen vor, die vor dieser Entscheidung stehen: Sarah, Projektleiterin im Marketing, die schnell Kampagnen, Landingpages und Promotions umsetzen will – ohne auf Entwickler warten zu müssen. Und Philipp, IT-Architekt, der Wert auf saubere Integrationen, Skalierbarkeit und technische Freiheit legt.
Für Sarah ist Shopware oft die bessere Wahl: Sie bekommt ein System, das ihr viel Autonomie gibt und Marketing-Teams schnell arbeiten lässt. Für Philipp kann Sylius spannend sein, wenn das Projekt komplexe Prozesse oder tiefe Legacy-Integrationen erfordert – vorausgesetzt, das Team bringt entsprechende Kompetenz mit.
So schnell kannst du starten: Time-to-Market im Vergleich
Wenn du innerhalb von 6 bis 10 Wochen live gehen willst, mit Standardkatalog, Content-Landingpages und fertigen Checkout-Prozessen, spricht viel für Shopware. Die Plattform bringt viele Commerce-Features out of the box mit: Produktverwaltung, Variantenlogik, Kategorien, CMS-Elemente, Promotion-Engine, Checkout, Zahlungs- und Versandintegration, Kundenverwaltung und SEO-Grundlagen. Das Setup ist vergleichsweise schnell, und Marketing kann vieles direkt im Admin umsetzen.
Sylius hingegen erfordert mehr initiale Entwicklungsarbeit. Du baust dir quasi deinen Shop auf Basis von Commerce-Komponenten zusammen. Das lohnt sich, wenn deine Anforderungen speziell sind: hochindividuelle Pricing-Logik, komplexe Rechte- und Freigabeprozesse, spezielle Katalogstrukturen oder tiefe Integration in bestehende Systeme. Wenn du ein Dev-Team mit entsprechender Erfahrung hast, kann Sylius langfristig die passgenauere Lösung sein – der initiale Aufwand ist aber deutlich höher.
So arbeiten deine Teams im Alltag: Marketing und Content
Einer der größten Unterschiede zwischen Shopware und Sylius liegt in der täglichen Arbeit. Shopware ist stark auf Usability ausgelegt: Marketing- und Content-Teams können Kategorien pflegen, Landingpages bauen, Kampagnen erstellen, SEO-Felder bearbeiten, Promotions konfigurieren – oft ohne technische Unterstützung. Der Admin-Bereich ist intuitiv, die Workflows sind durchdacht, und viele wiederkehrende Aufgaben lassen sich per Drag-and-Drop oder Formulare erledigen.
Bei Sylius hängt die Bedienbarkeit stark davon ab, wie dein Projekt aufgesetzt ist. Welches CMS nutzt du? Welches Frontend? Welche Redaktions-Workflows hast du implementiert? Viele Änderungen, die bei Shopware per Klick gehen, benötigen bei Sylius häufiger Entwickler-Support. Das ist kein Nachteil, wenn dein Team entsprechend aufgestellt ist – aber du musst es einkalkulieren.
Frag dich: Kann Marketing ohne Entwickler Landingpages und Kampagnen bauen? Wie schnell sind Content- oder SEO-Änderungen live? Diese Antworten zeigen dir, welches System besser zu deiner Teamstruktur passt.
Shopware im Detail: Editionen, Funktionen und was du wissen musst
Shopware bietet verschiedene Varianten für unterschiedliche Bedürfnisse. Die Community Edition ist kostenfrei und bietet bereits eine solide Basis für kleinere Projekte. Für professionelle Anwendungen gibt es kostenpflichtige Pläne: Rise für wachsende Unternehmen, Evolve für etablierte Shops mit höheren Anforderungen und Beyond für Enterprise-Setups mit Multi-Store, erweiterten B2B-Features und Premium-Support.
Was bringt Shopware typischerweise mit?
- Erlebniswelten / CMS: Landingpages und Content-Bereiche per Drag-and-Drop gestalten
- Rule Builder: Regeln für Preise, Versand, Zahlungen ohne Code definieren
- Flow Builder: Automatisierungen und Prozesse visuell erstellen
- Multi-Store-Verwaltung: Mehrere Shops, Sprachen, Währungen aus einem Backend
- SEO-Grundlagen: Meta-Tags, URLs, Canonical-Tags direkt im Admin pflegen
Was bedeutet fast immer Zusatzaufwand bei Shopware? B2B-Features wie Firmenkonten, Budgets, Freigabeprozesse und kundenspezifische Preislisten sind oft nur in höheren Editionen oder über kostenpflichtige Plugins verfügbar. PIM/ERP-Integrationen erfordern meist Custom-Entwicklung oder kommerzielle Middleware-Lösungen. Headless-Frontends sind technisch möglich, bedeuten aber zusätzlichen Entwicklungsaufwand – der klassische Shopware-Ansatz ist template-basiert und weniger headless-orientiert als moderne Composable-Commerce-Setups.
Funktionsumfang: Standard vs. Erweiterbarkeit
Ein zentraler Punkt beim Vergleich Sylius vs Shopware ist der Funktionsumfang. Shopware bringt viele Standardfunktionen mit und hat einen großen Plugin-Marktplatz. Du kannst schnell auf fertige Lösungen für Payment, Versand, Marketing-Automation, Tracking, ERP-Anbindung oder SEO-Tools zurückgreifen. Die typische Strategie: Nutze den Standard, erweitere gezielt mit Plugins und entwickle nur dort individuell, wo du echten Wettbewerbsvorteil generierst.
Sylius verfolgt einen anderen Ansatz: Der Kern ist schlank, Erweiterungen erfolgen durch Bundles, Packages oder individuelle Entwicklung. Der Vorteil: kein Feature-Overhead, keine ungenutzten Funktionen. Der Nachteil: mehr Projektaufwand, stärkere Abhängigkeit von Engineering.
Die Entscheidungsfrage lautet: Welche Anforderungen sind business-kritisch und müssen stabil und upgradefähig sein? Was darf Plugin sein – und was muss maßgeschneiderte Entwicklung sein?
SEO und Marketing: Wie schnell kannst du iterieren?
Für viele Online-Händler ist SEO der wichtigste Kanal. Bei Shopware sind die SEO-Grundlagen im Admin pflegbar: Meta-Titel und -Beschreibungen, URL-Strukturen, Canonical-Tags, Indexierungs-Einstellungen, Medien-Optimierung. Wenn dein Team schnell testen, iterieren und Kampagnen fahren will, bietet Shopware hier klare Vorteile. Du kannst Landingpages bauen, Kategorien anlegen, Inhalte veröffentlichen – alles ohne auf Entwickler zu warten.
Bei Sylius hängt SEO stark vom gewählten Frontend- und CMS-Stack ab. Du hast maximale Freiheit, spezialisierte Lösungen zu kombinieren – aber du musst diese Lösungen auch implementieren und pflegen. Wer verantwortet SEO operativ? Wie wichtig sind Landingpages und schnelle Tests? Wie wird das URL- und Redirect-Konzept beim Relaunch abgesichert? Diese Fragen solltest du frühzeitig klären.
Integrationen und Systemlandschaft
Kein Shopsystem steht allein. ERP, PIM, CRM, Payment, Versand, Marktplätze, BI, Tracking – die Liste der Integrationen ist lang. Hier zeigen sich echte Unterschiede zwischen Shopware und Sylius.
Shopware bietet oft viele Standard-Integrationen und Plugins. Du kannst schnell auf bewährte Lösungen zurückgreifen – musst aber sicherstellen, dass Qualität, Security, Updates und Kompatibilität gewährleistet sind. Ein großer Hebel bei Shopware sind der Rule Builder und der Flow Builder: Damit lassen sich Regeln und Prozessautomatisierung ohne Custom-Code umsetzen – ideal für wiederkehrende Marketing- oder Service-Prozesse.
Sylius ist stark, wenn du eine komplexe oder Legacy-Systemlandschaft hast und eine flexible Integrationsschicht brauchst. Integrationen sind hier typischerweise maßgeschneidert: stabil, passgenau, aber aufwendiger. Ein Beispiel: Wenn dein ERP komplexe Produkt- oder Preismodelle hat, kann Sylius als flexibler Commerce-Core genau das abbilden, was du brauchst – ohne Kompromisse durch Standard-Plugins.
Skalierbarkeit und Zukunftssicherheit: Was kommt in 12–24 Monaten?
Skalierbarkeit im E-Commerce bedeutet nicht nur mehr Traffic. Es geht um größere Kataloge, mehr Bestellungen, mehr Integrationslast, mehr Länder, Sprachen, Währungen, mehr Rollen, Freigaben, Marken und Stores. Beide Systeme – Shopware und Sylius – können skalieren, aber die Herangehensweise unterscheidet sich.
Shopware bringt viele Skalierungs-Features mit: Multi-Store-Setups, Sprach- und Währungsverwaltung, Rollen- und Rechtesysteme. Wenn dein Geschäftsmodell wächst, kannst du oft auf bestehende Funktionen aufbauen. Bei Sylius musst du Skalierung bewusst planen und entwickeln – dafür hast du maximale Kontrolle.
Denk bei der Systemwahl nicht nur an heute, sondern an deine Roadmap: Welche Anforderungen kommen sehr wahrscheinlich in den nächsten 12 bis 24 Monaten? B2B-Funktionen? Neue Märkte? PIM-Integration? Marktplatz-Modell? Je klarer du das heute siehst, desto besser kannst du entscheiden.
Community, Ökosystem und Support
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Verfügbarkeit von Wissen, Partnern und Fachkräften. Shopware ist besonders im DACH-Raum stark vertreten. Es gibt zahlreiche Agenturen, Freelancer, Plugins, Schulungen und eine aktive Community. Probleme lassen sich oft schnell lösen, Best Practices sind dokumentiert, Integrationen sind verfügbar. Das beschleunigt Projekte und reduziert Risiken.
Sylius ist international solide aufgestellt, in Deutschland, Österreich und der Schweiz aber noch weniger verbreitet. Das bedeutet: Recruiting und Partnerwahl müssen genauer geprüft werden. Wenn du ein Team mit entsprechender Kompetenz hast oder eine Agentur findest, die Sylius beherrscht, ist das kein Problem – aber du musst es aktiv sicherstellen. Frag dich: Wie schnell finde ich Hilfe – intern oder extern?
Kosten und Budget: Was kommt wirklich auf dich zu?
Die Gesamtkosten sind entscheidend – nicht die Lizenzkosten. Bei Open-Source-Systemen entstehen Kosten durch Implementierung, Design, Frontend, Plugins, Integrationen, Tests, Hosting, Performance-Optimierung, Wartung, Updates, Monitoring und Team oder Agentur.
Ein grober Korridor: „Schnell startklar" bei Shopware spart oft initiale Build-Zeit, kann aber durch Plugin-Kosten und Update-Konflikte langfristig teurer werden. „Maßgeschneidert" bei Sylius kostet initial mehr Engineering, kann aber langfristig besser passen, wenn Standardprozesse nicht reichen.
Typische Kostenfallen:
- Plugin-Wildwuchs bei Shopware: Update-Konflikte, Security-Risiken, Qualitätsprobleme
- Individualcode ohne Upgrade-Strategie bei beiden: steigende Wartungskosten, technische Schulden
- Unterschätzte Integrationskosten bei beiden: Datenmapping, Fehlerbehandlung, Monitoring
Ein Praxis-Tipp: Erstelle eine Must-have-, Should-have- und Later-Liste. Nur so werden Angebote und Projekte vergleichbar – und du vermeidest Scope Creep und Budgetüberschreitungen. Realistische Budget-Korridore für einen typischen Shopware-Launch ohne große Customizing: 20.000–50.000 Euro. Für Sylius mit maßgeschneiderter Entwicklung: 50.000–150.000 Euro und mehr, je nach Komplexität.
Relaunch und Migration: Wo die teuersten Fehler passieren
Wenn du von einem bestehenden System auf Shopware oder Sylius wechselst, ist der Relaunch oft der kritischste Teil des Projekts. Hier passieren die teuersten Fehler – und hier entscheidet sich, ob du Traffic, Rankings und Umsatz verlierst oder nahtlos weiter wächst.
Was muss migriert werden? Produkte, Varianten, Attribute, Medien, Kundenkonten, Passwörter, Newsletter-Opt-ins DSGVO-konform, Bestellungen, Rechnungen, Retouren, B2B-Konten, Preislisten, Kundengruppen, Content-Seiten, Kategorien, Landingpages, Blog-Inhalte. Das ist viel – und jeder Datenpunkt kann Risiken bergen.
SEO- und URL-Risiko absichern
Der größte Stolperstein bei Relaunches ist SEO. Wenn URLs brechen, Redirects fehlen oder Tracking nicht sauber übertragen wird, verlierst du Rankings, Traffic und Conversions. Ein sauberes URL-Mapping und ein durchdachtes 301-Redirect-Konzept sind Pflicht. Canonical-Tags, Indexierungsstrategien, XML-Sitemaps, Robots-Regeln – all das muss vor und nach dem Go-live geprüft werden.
Tracking und Consent-Management wie Google Analytics, Tag Manager oder Cookie-Banner müssen neu aufgesetzt und getestet werden. Pre- und Post-Go-live SEO-Checks sind unerlässlich: Crawl, Statuscodes, Duplicate Content, interne Verlinkung, Ladezeiten.
Cutover und Go-live-Plan
Der Cutover – der Moment, in dem das alte System abgeschaltet und das neue live geht – ist ein kritischer Punkt. Typische Fragen: Daten-Freeze vs. Delta-Migration? Parallelbetrieb oder Read-only-Phase? Wie sieht der Rollback-Plan aus, wenn etwas schiefgeht?
Eine Go-live-Checkliste ist unverzichtbar: Payment funktioniert, Versandlogik ist korrekt, Steuern werden richtig berechnet, E-Mails werden zugestellt, Performance ist stabil, Monitoring und Logging sind aktiv. Typische Stolpersteine: Medien oder URLs brechen, Redirects zu spät eingespielt, Tracking fehlt, E-Mail-Zustellung gestört, Steuer- oder Versandlogik im Checkout fehlerhaft.
Vergleichstabelle: Sylius vs Shopware auf einen Blick
| Kriterium | Shopware | Sylius | Besser für wen? |
|---|---|---|---|
| Time-to-Market (MVP in 6–10 Wochen) | Schnell – viele Features out of the box | Langsamer – mehr Build-Aufwand | Shopware bei Zeitdruck |
| Bedienbarkeit Marketing/Content | Sehr gut – intuitiver Admin | Projektabhängig – oft Dev-Support nötig | Shopware für autonome Teams |
| Standardfunktionen (Katalog, Checkout, Promotions) | Umfangreich vorhanden | Schlanker Kern – Erweiterung nötig | Shopware bei Standard-Commerce |
| Customizing-Flexibilität (Prozesse, Pricing, B2B) | Gut – Plugins + Custom möglich | Maximal – volle Kontrolle | Sylius bei Spezialanforderungen |
| Integrationen/API (ERP, PIM, CRM) | Viele Standard-Plugins verfügbar | Maßgeschneidert | Sylius bei Legacy/Komplexität |
| Automatisierung/Workflows | Rule/Flow Builder – ohne Code | Custom – individuell entwickelt | Shopware für schnelle Automationen |
| Community/Docs/Partner (DACH) | Sehr stark – großes Ökosystem | International gut – DACH ausbaufähig | Shopware für schnellen Support |
| Internationalisierung/Multi-Store | Out of the box gut | Flexibel – aber Setup-Aufwand | Shopware bei Standard-Setups |
| Typische Team-Skills | Marketing-lastig – weniger Dev nötig | Dev-lastig – Tech-Kompetenz | Je nach Team-Setup |
| Typische Projektrisiken | Plugin-Wildwuchs, Update-Konflikte | Unterschätzter Aufwand, fehlende Skills | Beide – unterschiedliche Risiken |
Schritt-für-Schritt-Entscheidungshilfe: So findest du das richtige System
Hier ist dein Fahrplan, um die Entscheidung zwischen Sylius und Shopware strukturiert zu treffen:
- Businessmodell einordnen: B2C, B2B, D2C, Marktplatz? Je komplexer, desto wichtiger wird Flexibilität.
- Team-Realität prüfen: Hast du Dev-Ressourcen intern oder über eine Agentur? Soll Marketing autonom arbeiten können?
- Must-have-Liste erstellen: Katalog, Varianten, Preise, Rollen, Freigaben, SEO, Content, Promotions – was muss Tag 1 da sein?
- Integrationslandkarte zeichnen: ERP, PIM, CRM, Payment, Versand – welche Systeme müssen angebunden werden?
- Relaunch-Umfang definieren: Daten, Inhalte, SEO, URLs, Redirects, Tracking – wie komplex ist der Umzug?
- Internationalisierung planen: Welche Märkte, Sprachen, Währungen kommen in 12–24 Monaten?
- Budget realistisch schätzen: Nicht nur Build, auch laufende Kosten wie Hosting, Wartung, Updates, Support
- MVP definieren: Was muss in 6–10 Wochen stehen? Welche Messkriterien legst du an?
- Agentur-Auswahl: Referenzen, Vorgehensmodell, Übergabe, Update-Strategie, Integrationskompetenz
- Entscheidung dokumentieren: Annahmen, Risiken, nächste Schritte, Exit-Plan
Agentur- und Dienstleister-Auswahl: Worauf du achten solltest
Die Wahl der richtigen Agentur oder des richtigen Dienstleisters kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Bewertungsfragen, die du stellen solltest:
- Referenzen im ähnlichen Geschäftsmodell: Hat die Agentur Erfahrung mit B2B, International, hoher Integrationslast?
- Vorgehensmodell: Discovery, MVP, Iteration – wie wird Scope kontrolliert?
- Übergabe: Wer kann später warten und weiterentwickeln? Wie sieht die Dokumentation aus? Wie ist die Codequalität?
- Update-/Security-Strategie: Wie wird das System aktuell gehalten? Gibt es SLA/Supportmodelle?
- Umgang mit Plugins bei Shopware: Governance, Qualitätsprüfung, Updateprozess
- Integrationskompetenz: ERP/PIM-Anbindung, sauberes Error-Handling, Monitoring
Praxisbeispiele: Wann welches System die bessere Wahl ist
Case A – Marketing-getrieben: Ein Fashion-Retailer will schnell Kampagnen, Landingpages und saisonale Aktionen umsetzen. Das Marketing-Team soll eigenständig arbeiten, ohne auf Entwickler zu warten. Standard-Commerce-Prozesse reichen aus. Hier spielt Shopware seine Stärken aus: schneller Rollout, intuitiver Admin, viele Content- und Workflow-Features.
Case B – IT-getrieben/Legacy: Ein Industrieunternehmen hat ein bestehendes ERP-System mit komplexen Produkt-, Preis- und Rechtestrukturen. Kunden haben individuelle Konditionen, Freigabeprozesse sind mehrstufig, die Kataloglogik ist speziell. Hier ist Sylius als flexibler Commerce-Core die bessere Wahl – maßgeschneidert, sauber integriert, wartbar.
Case C – Wachstum/International: Ein schnell wachsendes D2C-Unternehmen expandiert in mehrere Länder, Sprachen und Währungen. Mehrere Marken sollen unter einem Dach verwaltet werden. Die Frage ist: Welches System skaliert organisatorisch und technisch einfacher? Shopware bietet hier oft schnellere Standard-Lösungen, Sylius maximale Flexibilität – die Entscheidung hängt vom Team und der Komplexität ab.
Case D – B2B: Ein Großhändler braucht kundenspezifische Preise, Firmenkonten, Budgets, Freigaben und Rollen. Hier musst du abwägen: Reichen Shopware-Standard oder Edition-Features – oder brauchst du maßgeschneiderte Individualentwicklung mit Sylius?
Risiken und typische Stolpersteine bei beiden Systemen
Bei Shopware lauern folgende Risiken: Zu viele Plugins ohne Governance führen zu Wartungsaufwand, Update-Risiken und Performance-Problemen. Edition- oder Plugin-Abhängigkeiten werden oft zu spät verstanden, was zu Scope- oder Kostenüberraschungen führt. Integrationen per Plugin ohne Monitoring erzeugen operative Instabilität.
Bei Sylius wird der Implementierungsaufwand häufig unterschätzt, wenn ein fertiges Shopsystem erwartet wird. Content- und Marketing-Workflows müssen bewusst geplant werden. Fehlende frühe Performance-Tests führen zu bösen Überraschungen kurz vor Go-live.
Allgemein gilt: Wenn Anforderungen, Migration oder SEO nicht sauber erhoben werden, führt das zu falschen Vergleichen, falschen Entscheidungen und Relaunch-Verlusten.
Konkrete Tipps für deine Projektvorbereitung
Bevor du dich für Shopware oder Sylius entscheidest, solltest du folgende Punkte klären:
- Prozesse skizzieren: Order-to-Cash, Retouren, Support, Fulfillment, B2B-Freigaben – wie laufen sie heute, wie sollen sie laufen?
- Datenmodell klären: Varianten, Attribute, Katalogstruktur, Preislogik, Kundensegmente – was ist business-kritisch?
- Verantwortlichkeiten definieren: Wer pflegt Produkte, Content, SEO, Promotions, Regeln, Automationen?
- Governance festlegen: Release-/Update-Strategie, Plugin-Policy bei Shopware, Code-Standards bei Sylius
- Messbarkeit sicherstellen: KPIs definieren wie Conversion, AOV, Ladezeit, SEO-Sichtbarkeit, Time-to-publish
Fazit: Sylius vs Shopware – welches System passt zu dir?
Es gibt kein „bestes System" – es gibt nur das beste System für deinen Kontext. Shopware ist die richtige Wahl, wenn du schnell starten willst, Marketing und Content viel selbst machen sollen, Standards und ein starkes Ökosystem wichtig sind. Du bekommst eine Plattform, die out of the box viel mitbringt, intuitiv bedienbar ist und eine große Community hat.
Sylius passt, wenn du maximale Prozess-Flexibilität brauchst, entsprechende Kompetenz verfügbar ist und Integrationen, Legacy-Systeme oder ein maßgeschneiderter Commerce-Core im Fokus stehen. Du bekommst ein Framework, das dir volle Kontrolle gibt – aber auch mehr Verantwortung und Aufwand.
Deine nächste Aufgabe: Fülle die Checkliste aus mit Team, Ziele, Must-haves, Integrationen, Migration, SEO, Internationalisierung. Dann: Demos oder Workshops mit beiden Systemen. Definiere einen MVP mit klaren Messkriterien wie Time-to-Market, Updatefähigkeit, Integrationsstabilität, Content-Workflows. Und triff dann die Entscheidung – nicht aus dem Bauch, sondern auf Basis von Fakten, Risiken und realistischen Erwartungen. Dein Shop ist das Herz deines E-Commerce – wähle weise, plane gründlich und setze auf Partner, die dich langfristig begleiten können.
