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Shopware Laravel kombinieren: Entscheidungshilfe & Praxis

von René Kremer

Shopware Laravel kombinieren: Entscheidungshilfe & Praxis
24:21

Es ist Montagmorgen, und du sitzt vor deinem Rechner. Dein Shopware-Shop läuft stabil, die Conversion-Rate stimmt – doch die neue B2B-Anforderung bringt dein Team ins Grübeln. Der Kunde braucht kundenspezifische Freigabeprozesse, komplexe ERP-Anbindungen und ein eigenes Portal zur Vertragsverwaltung. Die Frage steht im Raum: Bauen wir das direkt in Shopware? Entwickeln wir ein Plugin? Oder brauchen wir eine eigene Service-Schicht daneben – zum Beispiel mit Laravel als Prozess- und Integrations-Hub und Unterstützung durch eine erfahrene Shopware Agentur?

Genau an diesem Punkt wird die Kombination Shopware Laravel relevant. Nicht als Ersatz, sondern als durchdachte Erweiterung: Shopware bleibt der Commerce-Motor für Katalog, Checkout und Bestellabwicklung. Laravel übernimmt die Orchestrierung von Workflows, Integrationen zu Drittsystemen und individuelle Backoffice-Funktionen, die über Standard-Plugins hinausgehen. Diese Arbeitsteilung schafft Klarheit, reduziert Risiken bei Updates und ermöglicht skalierbare, wartbare Lösungen.

In diesem Artikel erfährst du, wann die Kombination Shopware Laravel die beste Wahl ist, welche Architektur-Modelle sich bewähren und wie du Entscheidungen zwischen Plugin, Service oder Hybrid sauber triffst – inklusive Aufwand, Risiken und Betrieb. Dabei schauen wir uns auch an, wann Shopware-Standard-Lösungen, Apps oder Middleware-Plattformen die bessere Wahl sind und wie du Kosten realistisch kalkulierst.

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Brauche ich das überhaupt? 3 Starter-Szenarien zur Einordnung

Bevor du tief in Architektur und Technik einsteigst, solltest du dir eine zentrale Frage stellen: Brauche ich die Kombination Shopware Laravel überhaupt? In vielen Fällen reichen Shopware-Standard-Funktionen plus Apps aus dem Store völlig aus. Hier sind drei typische Starter-Szenarien zur schnellen Einordnung:

Szenario 1: Standard-Onlineshop ohne komplexe B2B-Prozesse

Du betreibst einen B2C-Shop mit klassischem Produktkatalog, Standard-Checkout, normalen Zahlungsmethoden und Versand über DHL oder DPD. Deine Kunden bestellen direkt, ohne Freigaben oder kundenspezifische Preise. Produktdaten kommen aus einem einfachen CSV-Import oder werden direkt in Shopware gepflegt.

Empfehlung: Shopware-Standard plus Apps aus dem Store reichen aus. Du brauchst keine eigene Laravel-Integration. Nutze vorhandene Shopware-Plugins für Payment, Versand und Marketing. Kosten: überschaubar, Wartung: minimal.

Szenario 2: Einfache ERP-Anbindung mit Standard-Datenabgleich

Du willst Produkte, Bestände und Bestellungen zwischen Shopware und einem ERP-System synchronisieren. Die Prozesse sind standardisiert: Produkte werden einmal täglich importiert, Bestände stündlich aktualisiert, Bestellungen nach Zahlungseingang ans ERP übertragen. Es gibt keine komplexen Freigabeprozesse oder kundenindividuelle Regeln.

Empfehlung: Nutze eine Middleware-Lösung wie Make.com, Alumio oder Integrify. Diese Plattformen bieten fertige Konnektoren für Shopware und gängige ERP-Systeme. Du sparst Entwicklungszeit und musst keine eigene Infrastruktur betreiben. Kosten: ca. 500–2.000 Euro pro Monat plus Setup. Wartung: gering, Updates: automatisch.

Szenario 3: Komplexe B2B-Anforderungen mit individuellen Workflows

Du benötigst kundenspezifische Preise, mehrstufige Freigabeprozesse, Vertragsverwaltung und Integration zu mehreren Drittsystemen gleichzeitig (ERP, PIM, CRM, eigenes Versandsystem). Standard-Apps decken nur 50–60 Prozent deiner Anforderungen ab. Du brauchst volle Kontrolle über Prozesse, Fehlerbehandlung und eigene Backoffice-Masken.

Empfehlung: Hier lohnt sich die Kombination Shopware Laravel. Shopware übernimmt Commerce, Laravel steuert Prozesse und Integrationen. Du gewinnst Flexibilität, Kontrolle und Wartbarkeit – aber auch höheren initialen Aufwand und laufende Betriebskosten. Typische initiale Kosten: 40.000–150.000 Euro. Laufend: 5.000–20.000 Euro pro Monat für Wartung und Betrieb.

Shopware-Ökosystem verstehen: Apps, Plugins, Integrationen und wann Laravel ins Spiel kommt

Bevor du in die Kombination Shopware Laravel einsteigst, solltest du das Shopware-Ökosystem verstehen. Shopware 6 bietet drei Haupt-Erweiterungswege, die unterschiedliche Anforderungen abdecken:

Shopware Apps: Cloud-basiert, update-sicher, ohne Deployment

Shopware Apps laufen extern, kommunizieren über die Admin API und Store API und benötigen keinen Zugriff auf den Shopware-Core. Sie sind ideal für Standard-Integrationen wie Payment-Provider, Versanddienstleister oder Marketing-Tools. Apps werden im Shopware Store angeboten und können ohne Deployment installiert werden.

Vorteile: Keine Wartung auf Shop-Seite, update-sicher, schnelle Installation.

Nachteile: Begrenzte Individualisierung, oft monatliche Lizenzkosten, abhängig von Anbieter-Support.

Typischer Einsatz: Standard-Integrationen ohne Sonderlogik wie DHL-Versand, Klarna-Payment oder Newsletter-Tools.

Shopware Plugins: Code-basiert, volle Kontrolle, mehr Wartungsaufwand

Plugins erweitern Shopware direkt im Code, nutzen Extension-Points und können tief in den Shop eingreifen. Sie sind die richtige Wahl, wenn Standard-Apps nicht passen oder wenn du eigene Checkout-Logik, Custom-Felder oder spezifische UI-Anpassungen brauchst.

Vorteile: Volle Kontrolle, keine externen Abhängigkeiten, einmalige Lizenzkosten oder Custom-Development.

Nachteile: Wartung bei Shopware-Updates erforderlich, Risiko bei unsauberer Implementierung, höherer Entwicklungsaufwand.

Typischer Einsatz: Individuelle Shop-Logik, Custom-Checkout, spezifische Datenmodelle, die eng mit Shopware verzahnt sind.

Middleware und iPaaS: Fertige Integrations-Plattformen

Plattformen wie Make.com, Zapier, Integrify oder Alumio bieten vorgefertigte Konnektoren für Shopware, ERPs, PIMs und CRMs. Sie sind ideal, wenn du mehrere Systeme verbinden willst, aber keine eigene Entwicklung aufbauen möchtest.

Vorteile: Schnelle Time-to-Market, viele Standard-Konnektoren, oft UI-basierte Konfiguration.

Nachteile: Laufende Kosten pro Datenvolumen, weniger Kontrolle bei komplexen Workflows, Vendor-Lock-in.

Typischer Einsatz: Standard-Datenabgleiche (Produkte, Bestände, Bestellungen), wenn Budget für Custom-Entwicklung fehlt oder Time-to-Market Priorität hat.

Wann kommt Laravel ins Spiel?

Die Kombination Shopware Laravel ist dann sinnvoll, wenn:

  • Standard-Apps und Plugins deine Anforderungen nicht zu 80–100 Prozent abdecken
  • Du mehrere Drittsysteme koordinieren musst (ERP, PIM, CRM, Versand) mit eigener Fehlerbehandlung und Prozess-Transparenz
  • Du eigene Backoffice-Masken brauchst (Vertragsverwaltung, Regelpflege, Freigabeübersichten)
  • Komplexe B2B-Workflows erforderlich sind, die über Standard-Rollenkonzepte hinausgehen
  • Du langfristig Ownership und Kontrolle über Integration und Prozesse behalten willst

Laravel ist dann die eigene Integrations- und Prozess-Schicht, die zwischen Shopware und Drittsystemen sitzt. Sie übernimmt Orchestrierung, Fehlerbehandlung und Business-Logik – während Shopware sich auf Commerce konzentriert.

Shopware Laravel im Alltag: Plugin, Service oder Hybrid – so entscheidest du

Sobald klar ist, dass Standard-Lösungen nicht ausreichen, musst du entscheiden: Plugin, eigenständiger Laravel-Service oder eine Hybrid-Lösung? Diese Entscheidung hat direkte Auswirkungen auf Kosten, Betrieb und Wartbarkeit.

Für wen ist die Kombination Shopware Laravel geeignet?

Die Kombination Shopware Laravel ist dann die richtige Wahl, wenn du Shopware als Shop-Basis behalten willst, aber Prozesse und Integrationen planbar und update-sicher erweitern musst. Typische Szenarien sind:

  • B2B-Anforderungen: Kundenspezifische Preise, Freigabeprozesse, Rollenkonzepte jenseits der Standardlogik
  • ERP-, PIM- oder CRM-Integration: Mehrere Drittsysteme müssen koordiniert, synchronisiert und überwacht werden
  • Eigene Backoffice-Masken: Vertragsverwaltung, Regelpflege, Freigabeübersichten
  • Komplexe Workflows: Hintergrund-Aufgaben, automatische Wiederholungen bei Fehlern, Prozess-Transparenz

Eher nicht geeignet ist Shopware Laravel, wenn ein Standard-Plugin, eine Shopware-App oder eine Middleware dein Problem zu 80–100 Prozent löst und du keine Sonderlogik betreiben willst. Auch wenn dein Team realistisch nur ein System zuverlässig betreiben kann, ist weniger Teile oft die bessere Entscheidung.

5-Minuten-Entscheidung: Plugin, Service oder Hybrid?

Um schnell Klarheit zu bekommen, stelle dir diese fünf Fragen:

  1. Betrifft es den Checkout oder Warenkorb in Echtzeit (ohne zusätzliche Verzögerung)? → eher Shopware-Plugin
  2. Muss Logik mehrere Drittsysteme koordinieren (ERP, PIM, CRM, Versand), inkl. automatischer Wiederholung bei Fehlern und Prozessübersicht? → eher Laravel-Service
  3. Brauchst du eigene Masken für Regelpflege, Freigaben oder Verträge (Backoffice)? → eher Laravel (plus ggf. kleiner Shopware-Adapter)
  4. Gibt es ein Plugin, eine Shopware-App oder eine Middleware-Lösung, die fachlich passt und update-sicher ist? → eher Plugin/App/Middleware statt eigenes System
  5. Kannst du Betrieb und Ownership für zwei separate Systeme sicherstellen? → wenn nein: Plugin/App oder Middleware bevorzugen

Diese fünf Fragen helfen dir, die Weichen früh zu stellen und Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Zielbild und Nutzen in fünf Sätzen

Das Zielbild der Kombination Shopware Laravel lässt sich so zusammenfassen:

  • Shopware = Commerce-Kern (Katalog, Checkout, Bestellabwicklung)
  • Laravel = individuelle Prozess- und Integrations-Schicht (Workflows, Regeln, Drittsysteme, Portale)
  • Ziel: weniger Custom-Code im Checkout, weniger Core-Anpassungen, bessere Wartbarkeit
  • Ergebnis: stabilere Updates, klarere Verantwortlichkeiten, bessere Performance unter Last
  • Faustregel: Shop-nahe Logik in Shopware, prozess-nahe Logik in Laravel

Mini-Beispiel mit messbarem Impact

Stell dir vor, im Checkout wird live das ERP gefragt: Darf ich bestellen? und Welche Lieferzeit? Wenn das ERP statt 150 Millisekunden plötzlich 1–2 Sekunden braucht, wird der Checkout spürbar langsamer und Abbrüche steigen. Eine Entkopplung (Shopware nimmt Bestellung an, Prüfung folgt danach) reduziert das Risiko, kostet aber zusätzliches Setup und Betrieb in Laravel.

Als Faustregel gilt:

  • Plugin/App: meist am günstigsten und am schnellsten, solange Standard-Extension-Points reichen
  • Middleware (Make.com, Alumio etc.): sinnvoll bei Standard-Syncs ohne eigene UI, wenn Time-to-Market wichtiger ist als volle Kontrolle
  • Shopware + Laravel: lohnt sich typischerweise, wenn mehrere Integrationen zusammenkommen und du dafür eine saubere Prozess-Schicht inkl. UI brauchst (dafür mehr Build- und laufender Betriebsaufwand)
Entwickler erklärt Integrationskonzept zwischen Shopware und Laravel mit Anbindung an ERP, PIM und CRM über APIs und Workflows.

Kosten und Betrieb realistisch einschätzen: Was kommt auf dich zu?

Die Kombination Shopware Laravel ist keine Einmal-Investition, sondern bringt laufende Kosten und Betriebsaufwand mit sich. Für Entscheider ist es wichtig, diese Posten früh zu kennen.

Initiale Entwicklungskosten

Die Entwicklung einer Shopware Laravel-Integration umfasst:

  • Discovery & Architektur-Design (Datenführerschaft, API-Contracts, Fehlerszenarien): 10–30 Personentage
  • Shopware-Adapter (API-Zugriffe, Webhooks, Event-Subscriber): 5–15 Personentage
  • Laravel-Service (Hintergrund-Aufgaben, Warteschlangen, Fehlerbehandlung, Backoffice): 20–60 Personentage
  • Integrationen zu Drittsystemen (ERP, PIM, CRM): je 10–30 Personentage pro System
  • Testing, Staging, Go-live (Lasttests, Monitoring, Runbooks): 10–20 Personentage

Typische Gesamtkosten für ein MVP (Minimum Viable Product) liegen zwischen 40.000 Euro und 150.000 Euro, abhängig von Anzahl der Integrationen, Komplexität der Workflows und Team-Größe.

Laufende Betriebskosten

Nach dem Go-live kommen monatliche Kosten hinzu:

  • Hosting: Shopware + Laravel + Datenbank + Hintergrund-Worker (ca. 200–1.000 Euro pro Monat, abhängig von Traffic und Redundanz)
  • Monitoring: Tools wie Sentry, Datadog, Laravel Horizon (ca. 50–300 Euro pro Monat)
  • Support & Wartung: Bugfixes, kleine Anpassungen, Updates (ca. 5–20 Personentage pro Monat = 5.000–20.000 Euro pro Monat)
  • Betrieb & On-Call: Incident-Management, Monitoring-Alerts, Eskalation (abhängig von SLA und Team-Setup)

Zum Vergleich: Eine Middleware-Lösung (z. B. Alumio) kostet ca. 500–2.000 Euro pro Monat Lizenz plus Setup (10.000–30.000 Euro einmalig), hat aber weniger Flexibilität und mehr Vendor-Lock-in.

Versteckte Kosten: Updates, Skalierung, Weiterentwicklung

Weitere Kostenblöcke, die oft unterschätzt werden:

  • Shopware-Updates: Jedes Major-Update (z. B. 6.5 → 6.6) kann Anpassungen im Adapter erfordern (5–15 Personentage)
  • Laravel-Updates: Laravel-Major-Upgrades (z. B. 10 → 11) erfordern Dependency-Checks und Tests (5–10 Personentage)
  • Skalierung: Wenn Traffic steigt, müssen Hintergrund-Worker, Datenbank und Caching angepasst werden (Performance-Tuning: 10–30 Personentage)
  • Neue Integrationen: Jedes neue Drittsystem (z. B. weiteres ERP, neuer Versanddienstleister) kostet 10–30 Personentage

Entscheidungsmatrix: Wann lohnt sich Laravel?

Als Faustregel nach Komplexität und Team-Kapazität:

  • 1–2 Integrationen, Standard-Datenabgleich: Middleware bevorzugen, keine eigene Laravel-Infrastruktur
  • 3–5 Integrationen, teilweise individuelle Workflows: Middleware oder einfache Laravel-Integration (nur API-Calls, keine komplexen Hintergrund-Aufgaben)
  • Über 5 Integrationen oder hochindividuelle B2B-Prozesse: Eigene Laravel-Schicht lohnt sich, wenn langfristig Kontrolle und Flexibilität wichtig sind
  • Team kann nur ein System betreiben: Plugin/App oder Middleware, keine Zwei-System-Architektur

Architektur für Shopware Laravel: 3 Referenz-Setups, die sich bewähren

Sobald die Entscheidung für die Kombination Shopware Laravel gefallen ist, brauchst du ein klares Architektur-Modell. Drei Setups haben sich in der Praxis bewährt – je nach Komplexität, Team-Größe und Anforderungen.

Modell A: Shopware-first + Laravel Integrationshub (häufigster Sweet Spot)

Das am häufigsten eingesetzte Modell: Shopware bleibt für Checkout, Bestellerzeugung und Kundenerlebnis verantwortlich. Laravel übernimmt Synchronisierung, Workflows, Regeln, Drittsysteme und Monitoring.

Vorteile:

  • Shopware bleibt schlank und update-sicher
  • Laravel kann unabhängig versioniert und deployed werden
  • Klarheit: Shop-Logik vs. Prozess-Logik

Typische Anwendungsfälle:

  • B2B-Konditionen: Laravel berechnet Preise, publiziert sie nach Shopware
  • ERP-Integration: Laravel holt Bestände, verarbeitet Aufträge, schreibt Status zurück
  • Freigabeprozesse: Laravel verwaltet Genehmigungen, Shopware zeigt Ergebnis im Frontend

Modell B: Entkoppelt über Events und Warteschlangen (stabil bei vielen Abhängigkeiten)

Shopware löst Ereignisse aus → Warteschlange → Laravel verarbeitet → schreibt zurück. Dieses Modell ist besonders robust, wenn viele Drittsysteme involviert sind und Ausfälle einzelner Services den Shop nicht blockieren dürfen.

Vorteile:

  • Entkoppelt: Shopware bleibt responsiv, auch wenn Laravel-Jobs länger laufen
  • Skalierbar: Hintergrund-Worker können horizontal skaliert werden
  • Robust: Wiederholung bei Fehlern, Fehlerbehandlung und Dead-Letter-Queues (Warteschlangen für finale Fehler) inklusive

Typische Anwendungsfälle:

  • Bestellung abgeschlossen-Event → Laravel verarbeitet ERP-Buchung, Versandlabel-Erstellung, CRM-Update
  • Produkt-Import: Laravel verarbeitet große CSV-Dateien, schreibt via Admin API zurück
  • Status-Updates: ERP meldet Lieferstatus → Laravel aktualisiert Bestellung in Shopware

Modell C: Headless mit Laravel als Backend-for-Frontend (nur wenn es wirklich Gründe gibt)

Hier wird Laravel zum zentralen Backend, das mehrere APIs bündelt und aggregiert – für ein Custom-Frontend (z. B. Vue.js, React oder Mobile-App). Shopware liefert über die Store API Commerce-Daten, Laravel ergänzt um Logik und Drittsystem-Daten. Wenn du dabei ein echtes Headless-Setup planst, lohnt sich ein Blick auf Vue Storefront mit Shopware als Referenzansatz.

Wichtig: Dieses Modell macht nur Sinn, wenn Frontend-Anforderungen es erzwingen – nicht weil modern. Headless bedeutet deutlich mehr Aufwand (50–100 Prozent mehr Entwicklungszeit), mehr Komplexität und mehr Wartung.

Vorteile:

  • Volle Frontend-Kontrolle (Design, UX, Performance)
  • API-Aggregation: Laravel bündelt Shopware, ERP, PIM, CRM in einer einheitlichen API

Typische Anwendungsfälle:

  • Multi-Brand-Strategien mit eigenem Design-System
  • Mobile-Apps mit nativen Funktionen
  • Internationale Rollouts mit country-spezifischen Features

Shopware Laravel Schritt für Schritt: Datenführerschaft, Integration, Betrieb

Die Architektur steht – jetzt geht es an die konkrete Umsetzung. Der Erfolg der Kombination Shopware Laravel hängt von drei Faktoren ab: klare Datenführerschaft, robuste Integration und verlässlicher Betrieb.

Schritt 1: Datenführerschaft je Domäne festlegen

Pro Domäne musst du definieren: Wer ist Single Source of Truth? Diese Entscheidung ist fundamental für Konsistenz und Konfliktlösung.

Typische Domänen und ihre Führerschaft:

Domäne Typische Führerschaft Hinweis
Produktstammdaten PIM oder ERP Shopware empfängt, zeigt an
Bestände & Lieferzeiten ERP oder WMS Shopware cached für Performance
Bestellungen Shopware (Checkout-Quelle) Status ggf. ERP/WMS
Preise & Konditionen Zentral (Laravel/ERP) oder Shopware Aber nicht überall

Konfliktfälle definieren: Was passiert bei abweichenden Beständen? Wer gewinnt bei Preis-Konflikten? Diese Regeln müssen vor dem Go-live stehen.

Schritt 2: Minimal-Integrations-Setup definieren

Die Integration zwischen Shopware und Laravel erfolgt über klar definierte Schnittstellen. Shopware bietet zwei Haupt-APIs:

  • Store API: Für Sales-Channel- und Frontend-nahe Zugriffe (kundennah, kanalbezogen)
  • Admin API: Für Backoffice- und Integrationszugriffe (Produkte, Orders, Kundenverwaltung, Synchronisierung)

Zusätzlich solltest du Webhooks und Events nutzen: Shopware löst ein Ereignis aus (z. B. Bestellung abgeschlossen), Laravel reagiert via Webhook, verarbeitet und schreibt Ergebnisse zurück.

Synchronisierungs-Strategien:

  • Pull: Laravel holt sich Daten aktiv aus Shopware (z. B. alle 5 Minuten)
  • Push: Shopware sendet Ereignisse an Laravel (Webhook)
  • Hybrid: Kombination aus beidem, je nach Domäne

Für die API-Integration empfiehlt sich die Nutzung des Shopware PHP SDK. Dieses SDK bietet einen sauberen PHP-Client für API-Zugriffe, reduziert Boilerplate-Code und sorgt für konsistentere Requests. Du profitierst von eingebautem Fehlerhandling, Pagination-Support und Wiederholungs-Mechanismen – gerade bei komplexen Integrationen ein echter Vorteil.

Schritt 3: Fehlerszenarien planen (Downstream-Ausfälle, Retries, Fallback)

Was passiert, wenn das ERP nicht erreichbar ist? Wenn die Warteschlange voll läuft? Wenn ein Webhook nicht ankommt? Diese Szenarien müssen vor dem Go-live durchdacht sein.

Bewährte Reliability-Patterns (Zuverlässigkeitsmuster):

  • Schutz vor Doppelverarbeitung: Idempotenz-Keys verwenden (das bedeutet: ein Ereignis wird nur einmal verarbeitet, auch wenn es mehrfach ankommt)
  • Wiederholungs-Strategien: Exponentielles Backoff (bei Fehler erst nach 1 Sekunde, dann 2, dann 4 Sekunden wiederholen), Dead-Letter-Queues für finale Fehler
  • Nachvollziehbarkeit: Vorgangs-ID durchgängig nutzen (Bestellung → Verarbeitung → externe Calls)
  • Fallback-Logik: Wenn ERP nicht antwortet, wird Bestellung trotzdem angenommen und später synchronisiert

Schritt 4: Update- und Release-Plan (Shopware + Laravel + Contract-Tests)

Zwei Systeme bedeuten zwei Release-Zyklen. Deshalb brauchst du einen klaren Prozess – und für die Shop-Seite solide Grundlagen wie bei einem Shopware-Check (Technik, Setup, Risiken) helfen dabei spürbar.

  • Versionierte API-Contracts: Jede Änderung an Payloads, IDs oder Mapping muss dokumentiert und getestet sein
  • Staging-Umgebung: Beide Systeme parallel testen, bevor du produktiv gehst
  • Rollback-Plan: Was tun, wenn Shopware-Update fehlschlägt? Oder Laravel-Deployment?

Shopware-Updates sollten über Extension-Points laufen, nicht über Core-Hacks. Laravel-Updates profitieren von klarer Adapter-Schicht und automatisierten Tests für kritische Flows.

Schritt 5: Monitoring ab Tag 1 (Dashboards, Alerts, Error-Budgets)

Ohne Monitoring läufst du blind. Minimal-Setup für die Kombination Shopware Laravel:

  • Warteschlangen-Monitoring: Wie viele Jobs warten? Wie viele schlagen fehl?
  • Webhook-Status: Werden Events empfangen? Gibt es Timeout-Fehler?
  • Synchronisierungs-Jobs: Laufen Produkt-, Bestands- und Preis-Syncs durch?
  • Fehlerraten: API-Calls, Datenbank-Queries, externe Services

Tools wie Laravel Horizon, Sentry oder Datadog helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen. Definiere Error-Budgets: Ab welcher Fehlerrate wird eskaliert?

Schritt 6: Go-live Checklist

Vor dem Go-live solltest du diese Punkte abhaken:

  • Lasttest durchgeführt (Checkout, API-Calls, Warteschlangen-Verarbeitung)
  • Rollback-Plan dokumentiert und getestet
  • Rechte und Zugriffe konfiguriert (Admin API, Webhooks, Warteschlangen-Worker)
  • Backup-Strategie definiert (Datenbank, Config, Deployments)
  • Runbooks erstellt: Was tun bei… (ERP down, Warteschlange staut, Preise falsch, Webhook-Fehler)

Fazit: Shopware Laravel als Werkzeugkasten für individuelle E-Commerce-Prozesse

Die Kombination Shopware Laravel ist keine Modeerscheinung, sondern eine durchdachte Antwort auf reale E-Commerce-Herausforderungen. Shopware bleibt der Commerce-Motor für Katalog, Checkout und Bestellabwicklung. Laravel wird die Werkstatt für Prozesse, Integrationen und individuelle Backoffice-Funktionen – gekoppelt über APIs, Webhooks und Warteschlangen.

Du hast jetzt einen Entscheidungsweg, der Plugin, App, Middleware, Service und Hybrid sauber trennt. Du kennst die drei bewährten Architektur-Modelle, weißt, wie du Datenführerschaft definierst und worauf es bei Performance, Updates und Betrieb ankommt. Du hast realistische Kosten- und Timeline-Anhaltspunkte und verstehst, wann Shopware-Standard-Lösungen, Middleware oder eine eigene Laravel-Integration die beste Wahl sind.

Deine nächsten Schritte als Entscheider

Wenn du jetzt konkret weitermachen willst:

  1. Anforderungen clustern: Schreibe alle Anforderungen auf und teile sie in shopnah (z. B. Checkout-Anpassungen, Produktdarstellung) vs. prozessnah (z. B. ERP-Integration, Freigabeprozesse, Vertragsverwaltung)
  2. Standard-Lösungen prüfen: Gibt es Apps, Plugins oder Middleware, die mindestens 80 Prozent deiner Anforderungen abdecken? Wenn ja: nutze sie
  3. Datenführerschaft definieren: Lege für jede Domäne (Produkte, Preise, Bestände, Bestellungen) fest, welches System die führende Quelle ist
  4. Passende Architektur wählen: Nutze die drei Referenz-Setups aus diesem Artikel als Vorlage und passe sie an deine Situation an
  5. Rollen, Timeline und Budget festlegen: Definiere, wer Shopware-Verantwortung hat, wer Laravel betreut und wie viel initiale und laufende Kosten realistisch sind
  6. Mit MVP starten: Beginne mit einer klaren, kleinen Version (z. B. eine Integration, ein Workflow), stabilisiere sie, lerne daraus und skaliere dann

Die Kombination Shopware Laravel gibt dir die Flexibilität, die du brauchst – ohne den Commerce-Kern zu gefährden. Sie trennt Verantwortlichkeiten, reduziert Update-Risiken und ermöglicht wartbare, skalierbare Lösungen. Genau das, was modernes E-Commerce braucht. Wenn du als Grundlage noch tiefer in Shopware-Optionen einsteigen willst, helfen dir auch die wichtigsten Shopware-Eigenschaften bei der Einordnung.

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