Der Konferenzraum ist voll. Marketing möchte in acht Wochen kampagnenfähige Landingpages live haben, die IT-Leitung besteht auf sauberen Schnittstellen zum ERP, und die Geschäftsführung hat „in zwölf Wochen live" als fixe Deadline kommuniziert. Alle nicken, alle notieren – und niemand fragt, was genau „live" bedeutet. Gehören Rechtstexte dazu? Muss das Consent-Management funktionieren? Wer kümmert sich um die Steuerlogik für EU-Länder? Und was passiert, wenn der Zahlungsdienstleister zwei Wochen vor Go-live noch Testdaten braucht?
Genau hier entscheidet sich, ob dein Shopware Projekt eine stabile Umsatzmaschine wird – oder ein Dauer-Provisorium mit nächtlichen Hotfixes und frustrierten Kunden. Ein professionelles Projekt ist mehr als „Shop aufsetzen". Es bedeutet, Geschäftsziele in eine betreibbare E-Commerce-Plattform zu übersetzen, rechtliche und operative Basics von Anfang an mitzudenken und Verantwortlichkeiten so zu klären, dass Entscheidungen nicht hängen bleiben – oft gemeinsam mit einer erfahrenen Shopware Agentur.
Was ist ein Shopware Projekt – und welche Projektarten gibt es?
Ein Shopware Projekt umfasst weit mehr als nur die Installation einer Software. Es ist die strategische Umsetzung eines Geschäftsziels in eine digitale Verkaufsplattform – mit allem, was dazugehört: Konzeption, Technik, Content, Daten, Integrationen, Betrieb und die oft unterschätzten rechtlichen sowie operativen Grundlagen. Je nach Ausgangslage und Zielsetzung unterscheiden sich Shopware Projekte erheblich.
Neuaufbau eines B2C- oder D2C-Shops
Du startest von null und baust einen komplett neuen Online-Shop auf. Hier geht es darum, Marke, Sortiment, Zielgruppe und Geschäftsmodell in eine digitale Customer Journey zu übersetzen. Typische Herausforderungen: Produktdatenstruktur definieren, Zahlarten und Versandlogik festlegen, SEO-Fundament legen, Tracking sauber aufsetzen.
B2B-Shop mit spezifischen Anforderungen
B2B bedeutet: Rollen und Rechte, Freigabeprozesse, kundenspezifische Preise, Zahlungsziele, Mindestmengen, Angebotsprozesse. Die Komplexität liegt oft in der Abbildung interner Geschäftsprozesse und der Integration in bestehende ERP- oder CRM-Systeme.
Migration von Shopware 5 auf Shopware 6
Du betreibst bereits einen Shop auf Shopware 5 und möchtest auf die moderne Architektur von Shopware 6 wechseln. Zentrale Themen: Datenmigration (Produkte, Kunden, Bestellhistorie), Theme-Neuentwicklung oder -Anpassung, Plugin-Evaluierung, URL-Erhalt und Redirect-Konzept für SEO, Tracking-Migration.
Relaunch oder Modernisierung
Dein Shop läuft, aber Design, User Experience oder Conversion-Rate entsprechen nicht mehr den Anforderungen. Ein Relaunch fokussiert auf verbesserte Nutzererfahrung, moderne Gestaltung, optimierte Checkout-Prozesse und oft auch auf die Einführung neuer Sales Channels oder Internationalisierung.
Weiterentwicklung und Optimierung
Bestehende Shops werden kontinuierlich weiterentwickelt: Performance-Optimierung, Personalisierung, Automatisierung von Marketing-Prozessen, Integration neuer Marktplätze oder Erweiterung um Abo-Commerce. Hier geht es um iterative Verbesserung statt Big Bang.
Was all diese Projektarten verbindet: Sie erfordern eine klare Zielsetzung, saubere Planung und ein belastbares Betriebsmodell. Erfolgskriterien sind messbar – etwa Umsatz, Conversion-Rate, durchschnittlicher Warenkorbwert, organische Sichtbarkeit, Ladezeit (Core Web Vitals), Fehlerquote oder die Total Cost of Ownership.
Shopware passt – oder eben nicht: Eine frühe Entscheidungshilfe
Bevor du tiefer in Konzeption und Umsetzung einsteigst, lohnt sich eine ehrliche Prüfung: Ist Shopware die richtige Plattform für dein Vorhaben? Die Antwort hängt von deinen Zielen, Ressourcen und Erwartungen ab. Ein guter Einstieg ist ein strukturierter Shopware-Check.
Shopware passt gut, wenn …
- du eine flexible, erweiterbare Plattform suchst, die mit deinem Geschäft wachsen kann
- du den Shop aktiv weiterentwickeln und an veränderte Anforderungen anpassen möchtest
- dir Datenschutz, DACH-Compliance und ein planbarer, stabiler Betrieb wichtig sind
- du Marketing und Commerce verzahnen willst: CMS-Landingpages, Kampagnensteuerung, Merchandising
- du Wert auf ein starkes Ökosystem legst: Plugins, Themes, Integrationen, Community, Partner
Shopware ist oft weniger passend, wenn …
- du morgen live willst, ohne Konzept, ohne Team, ohne Plan für Weiterentwicklung und Betrieb
- du extrem individuelle Sonderprozesse erwartest, aber kein Budget für saubere Spezifikation und Entwicklung mitbringst
- du komplett ohne technische Betreuung arbeiten möchtest – keine Updates, kein Monitoring, keine Security-Patches
- dein Geschäftsmodell so exotisch ist, dass eine Standardplattform grundsätzlich nicht passt
Merksatz: Shopware ist nicht nur Software – es ist ein Produkt, das du betreiben und weiterentwickeln musst. Wer das unterschätzt, wird nach dem Go-live böse überrascht.
Shopware als Plattform: Die Grundlagen, die deine Entscheidungen beeinflussen
Shopware 6 ist eine moderne, API-first ausgelegte E-Commerce-Plattform, die auf Erweiterbarkeit, Flexibilität und Performance ausgelegt ist. Zwei strategische Entscheidungen stehen früh im Raum und beeinflussen Architektur, Kosten und Betrieb massiv.
Betriebsmodell: Cloud vs. self-hosted
Shopware lässt sich als Cloud-Lösung oder self-hosted auf eigener Infrastruktur betreiben. Cloud bedeutet: schnellerer Start, weniger Infrastruktur-Aufwand, automatische Updates, aber etwas weniger Freiheit bei bestimmten Betriebsdetails. Self-hosted bietet maximale Kontrolle, individuelle Hosting-Setups und volle Anpassbarkeit – verlangt aber DevOps-Know-how, Monitoring, Backup-Strategien und Update-Management.
API-first, Headless und Sales Channels – wann brauchst du das wirklich?
Shopware 6 ist API-first konzipiert, was bedeutet: Alle Shop-Funktionen sind über APIs zugänglich. Das ermöglicht Headless Commerce – die Trennung von Frontend (z. B. eine React-App, eine Mobile App) und Backend. Sinnvoll ist das, wenn du stark abweichende Frontends, mehrere Plattformen (Web, App, Kiosk) oder sehr individuelle User-Experience-Anforderungen hast. Für einen klassischen D2C-Shop mit Standard-UX und begrenztem Budget ist Headless meist Overkill und treibt Kosten sowie Komplexität unnötig hoch.
Sales Channels ermöglichen es, verschiedene Verkaufskanäle aus einem System heraus zu bedienen: unterschiedliche Länder, B2B und B2C parallel, Marktplätze, Point-of-Sale. Das ist relevant, wenn du Omnichannel-Strategien verfolgst oder international skalieren möchtest.
Ziele und Prioritäten sauber definieren – bevor der erste Code geschrieben wird
Ohne klare Ziele wird jedes Projekt zum Blindflug. Unterschiedliche Stakeholder haben unterschiedliche Erwartungen – die musst du früh zusammenführen und priorisieren.
Business-Ziele
Was soll der Shop geschäftlich leisten? Umsatzziele, Margenverbesserung, Internationalisierung, Aufbau eines D2C-Kanals, Digitalisierung von B2B-Prozessen, Reduktion von Abhängigkeiten von Marktplätzen.
Nutzerziele
Was brauchen deine Kunden? Schnelles Finden von Produkten, Vertrauen durch transparente Informationen, reibungsloser Checkout, einfache Retouren, personalisierte Empfehlungen.
Operative Ziele
Was soll der Shop intern leisten? Reduktion von manuellem Pflegeaufwand, Automatisierung von Workflows, Entlastung des Supports, weniger Retouren durch bessere Produktinformationen.
Tech-Ziele
Was muss die Plattform technisch können? Updatefähigkeit, Wartbarkeit, stabile Integrationen, Performance (Core Web Vitals), Skalierbarkeit bei Traffic-Peaks.
Formuliere diese Ziele messbar und schreibe sie auf eine Seite – das ist dein Briefing-Fundament für Angebote, Abnahmen und Projektsteuerung.
Scope und MVP: Was muss zum Go-live – und was kann später kommen?
Die häufigste Falle in jedem Shopware Projekt: Der Scope wächst unkontrolliert. „Wäre doch toll, wenn …" wird zur Projektbremse. Die Lösung: MVP – Minimum Viable Product. Das MVP schützt Zeit und Budget, ohne Geschäftsrisiken zu erzeugen.
Phase 1: Go-live Must-haves
Was gehört zwingend in den ersten Launch?
- Produktdaten und Varianten sauber strukturiert, Suche und Filter funktionsfähig
- Checkout stabil, alle relevanten Zahlarten und Versandoptionen integriert
- Steuerlogik korrekt (Netto/Brutto, EU-Länder, USt-IDs)
- Rechtstexte und Consent-Management (AGB, Widerruf, Datenschutz, Cookie-Banner)
- Tracking-Basics (Purchase-Event, Consent-konforme Auslösung)
- SEO-Fundament (Indexierbarkeit, Titles, Meta-Descriptions, Canonicals, bei Relaunch: Redirects)
- E-Mail-Kommunikation (Bestellbestätigung, Versandmails, funktioniert und kommt an)
Phase 2: Optimierung und Erweiterung
Was kann später kommen, ohne den Start zu gefährden?
- Personalisierung und Recommendations
- Komplexe Promotion-Regeln
- Multilager-Verwaltung
- Abo-Commerce
- Guided Shopping
- Erweiterte B2B-Features (z. B. Angebotsprozesse)
Eine bewährte Priorisierungsmethode: Impact vs. Komplexität vs. Risiko. Alles, was hohen Impact hat, wenig komplex ist und kein Go-live-Risiko birgt, kommt in Phase 1. Alles andere wird im Backlog für Phase 2 geparkt.
Go-live-kritische Basics: Rechtlich und operativ sauber aufgestellt
Viele Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an unterschätzten rechtlichen und operativen Anforderungen. Hier die häufigsten Go-live-Killer.
Recht und Compliance
- Rechtstexte: AGB, Widerrufsbelehrung, Datenschutzerklärung müssen vorhanden und aktuell sein
- Consent-Management: Cookie-Banner, Tracking erst nach Zustimmung auslösen
- Double-Opt-in für Newsletter
Steuern und Preise
- B2C/B2B-Logik (Netto/Brutto-Anzeige)
- USt-ID-Prüfung bei B2B
- EU-Länder: unterschiedliche Steuersätze
- Rundungen und Nachkommastellen
Versand und Fulfillment
- Versandzonen und Versandkosten
- Integration von Versanddienstleistern (DHL, UPS, etc.)
- Sperrgut, Teillieferungen, Lieferzeiten
- Retourenprozess
Zahlarten
- Risiko-Management (Chargebacks, Fraud)
- 3D Secure
- Klarna, PayPal, Kreditkarte – Fallback bei Störungen
E-Mail und Transaktionskommunikation
- Bestellbestätigungs-Mails
- Versandbenachrichtigungen
- Storno- und Retourenmails
- Branding und Vorlagen
- Zustellbarkeit (SPF, DKIM)
Merke: Unklare Steuer-, Versand- oder Zahlartenlogik stoppt Projekte häufiger als Designfragen.
Editionen und Leistungsumfang: Welche Shopware-Variante passt?
Shopware bietet verschiedene Editionen, die sich in Feature-Umfang und Support-Level unterscheiden.
Community Edition
Kostenlos, Open Source, ideal für Entwickler und kleinere Shops mit technischem Know-how. Du trägst die volle Verantwortung für Betrieb, Updates und Support.
Kommerzielle Editionen
Erweiterte Features wie B2B-Module, Workflow-Management, leistungsstarke Suche, erweiterte CMS-Funktionen, Abo-Commerce, Multilager und professioneller Support durch Shopware.
Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Community | Kommerziell |
|---|---|---|
| Kosten | Keine Lizenz | GMV- oder AOV-basiert |
| Features | Basis | Erweitert (B2B, Workflows, etc.) |
| Support | Community | Professionell durch Shopware AG |
| Eignung | Klein, tech-affin | Mittelstand bis Enterprise |
Cloud vs. self-hosted: Die strategische Weichenstellung
Diese Entscheidung beeinflusst Kosten, Betrieb, Skalierung und Flexibilität massiv.
| Kriterium | Cloud | Self-hosted |
|---|---|---|
| Time-to-market | Schneller Start | Setup-Aufwand |
| Betrieb/DevOps | Managed | Eigene Verantwortung |
| Skalierung | Automatisch | Manuelle Planung |
| Kosten | Planbar, aber laufend | Variabel, Kontrolle |
| Flexibilität | Eingeschränkt | Maximal |
| Updates | Automatisch | Manuell geplant |
Projektphasen eines Shopware Projekts: Step-by-step
Phase 0: Discovery / Vorprojekt
Ist-Analyse, Zieldefinition, Risikobewertung, grobe Architektur, MVP-Scope festlegen. Ergebnis: belastbares Briefing, grober Projektplan, Liste der Aufwandstreiber.
Phase 1: Konzeption
Shop-Struktur, Customer Journey, Checkout-Logik, Versand/Zahlarten/Steuern, rechtliche Anforderungen, Content- und SEO-Konzept (bei Relaunch: Redirect-Plan).
Phase 2: UX/UI und Theme
Mobile first, Komponentenbibliothek, Templates, Accessibility-Basics, Markenkonformität.
Phase 3: Implementierung
Core-Setup, Plugins, Custom-Features, Integrationen (ERP, PIM, Payment, Versand), Datenmodell, Testdaten.
Phase 4: Qualitätssicherung
Testplan: funktional, Integration, Performance, SEO, Tracking/Consent, Payment/Versand, E-Mail. Staging-Umgebung, Abnahme, Rollback-Plan.
Phase 5: Go-live und Stabilisierung
Cutover, Monitoring aktivieren, Hypercare-Phase, Bugfix-Fenster, Supportkanäle definieren.
Phase 6: Kontinuierliche Optimierung
Backlog-Management, Release-Zyklen, A/B-Tests, Wartung/Updates, Reporting.
Steuerungsmodell: Agil, klassisch oder hybrid?
E-Commerce-Projekte sind selten komplett planbar. Requirements entwickeln sich, Märkte ändern sich, Kampagnen müssen schnell umgesetzt werden. Deshalb hat sich ein hybrider Ansatz bewährt.
- Feste Meilensteine für Konzept, Go-live, Abnahmen
- Agiles Backlog für kontinuierliche Entwicklung zwischen den Meilensteinen
- Transparenter Status, Change-Management, Scope-Kontrolle
Pflicht: Definition of Done (implementiert + getestet + dokumentiert + updatefähig) und klare Freigabeprozesse.
Rollen und Verantwortlichkeiten: Damit Entscheidungen nicht hängen bleiben
Auf Kundenseite
- Product Owner: Entscheidungsverantwortung, Priorisierung
- Marketing/Content: Inhalte, Kampagnen, SEO
- IT/Integrationen: ERP, PIM, CRM, Schnittstellen
- Legal/Compliance: Review von Rechtstexten, Consent
- Operations/Fulfillment: Versand, Lager, Retouren
Auf Dienstleisterseite
- Projektleitung: Steuerung, Kommunikation, Risiko-Management
- Tech Lead: Architektur, Code-Qualität
- Frontend/Theme: UX, UI, Responsive
- Backend: Logik, Integrationen, Performance
- QA: Testing, Abnahme
- SEO/Tracking: technisches SEO, Analytics
Entscheidungswege müssen klar sein: Wer entscheidet was bis wann? Wer gibt frei?
Make-or-Buy: Plugins vs. Custom-Entwicklung
Für viele Features stellt sich die Frage: fertiges Plugin oder individuelle Entwicklung?
Buy (Plugin): Sinnvoll für Commodity
Standard-Zahlarten, Standard-Versanddienstleister, typische Marketing-Promotions, Analytics-Integrationen.
Build (Custom): Sinnvoll für Differenzierung
Sonderprozesse, UX-Besonderheiten, Kernlogik, Wettbewerbsvorteile, komplexe B2B-Anforderungen.
Plugin-Risiken
- Update-Konflikte mit Shopware-Core oder anderen Plugins
- Security-Lücken
- Performance-Probleme
- Abhängigkeit vom Plugin-Anbieter
Plugin-Policy
Definiere eine maximale Plugin-Anzahl, prüfe Updatefähigkeit, teste auf Staging, kläre Verantwortlichkeiten.
Schnittstellen und Systemlandschaft: Der typische Zeitfresser
Kein Shop ist eine Insel. Typische Systeme, die integriert werden müssen: ERP, PIM, CRM, Payment, Versanddienstleister, Marktplätze, BI/Analytics.
Vorgehen
- Source of Truth definieren: Wer ist für welches Datenobjekt führend? (Produkt, Preis, Bestand, Kunde, Order)
- Datenflüsse skizzieren: Welche Daten fließen wohin, wann, in welcher Richtung?
- Error-Handling: Was passiert, wenn eine Schnittstelle ausfällt? (Retries, Queues, Logging)
- Monitoring: Wie erkennst du Schnittstellenfehler frühzeitig?
- API-Spezifikation: Abnahmekriterien, Testdaten, Sandbox-Umgebungen
Häufige Fallen
- „Schnittstelle machen wir später" – wird kurz vor Go-live kritisch
- Sonderlogiken ohne Dokumentation – steigende Wartungskosten
- Fehlende Verantwortlichkeit auf Anbieterseite – niemand fühlt sich zuständig
Content und Commerce: Marketing-Tempo ohne Chaos
Shopware 6 bietet starke CMS-Funktionalität für Landingpages, Kampagnen, Blog und Medien. Damit das funktioniert, braucht es einen Redaktionsprozess.
- Rollen und Rechte: Wer darf was veröffentlichen?
- Draft/Review: Vier-Augen-Prinzip für kritische Inhalte
- Veröffentlichungsfenster: Zeitgesteuerte Kampagnen
- QA-Check: Links, Tracking-Parameter, SEO-Tags prüfen
Die Verschmelzung von Content und Commerce ist ein zentraler Erfolgsfaktor: Kategorieseiten als Beratung und Conversion-Tool, Produktseiten als Argumentation und Vertrauensbildung.
Marketing, Promotions und Merchandising: Planen statt nachrüsten
Marketing-Anforderungen kommen oft spät – und dann unter Zeitdruck. Besser: früh mitdenken.
Promotions
Regeln definieren: prozentuale oder feste Rabatte, Zeiträume, Warenkorbgröße, bestimmte Artikel, Gutscheincodes.
Cross-Selling und Recommendations
Einfach startbar (manuelle Zuordnung), später ausbaubar (automatisiert, KI-gestützt).
Messung
Kampagnen-Parameter (UTM), Event-Tracking, Funnel-Analyse, Uplift-Metriken.
SEO im Shopware Projekt: Als integraler Bestandteil, nicht als Nachgedanke
SEO ist kein Add-on, sondern muss von Anfang an mitgedacht werden.
Technisches SEO
- Indexierbarkeit (Robots, Noindex)
- Canonicals
- Pagination und Facetten/Filter
- Core Web Vitals (Ladezeit, Interaktivität, visuelle Stabilität)
Content-SEO
- Kategorieseiten als Ratgeber
- Interne Verlinkung
- Strukturierte Inhalte
Relaunch/Migration
- URL-Mapping: alte URLs auf neue mappen
- Redirects (301): sauber implementieren und testen
- Monitoring: Search Console, Sichtbarkeitstools
- Content-Parität: keine wichtigen Inhalte verlieren
SEO-Quality-Gate vor Go-live: Crawl-Test, Redirect-Test, Noindex/Robots prüfen.
Tracking und Analytics: Sauber messen ohne Datenschutz zu brechen
Tracking wird oft unterschätzt – und dann kurz vor Go-live zum Problem.
Setup-Punkte
- Consent Mode / Tag Manager: Tracking erst nach Zustimmung auslösen
- Event-Tracking: Add-to-cart, Checkout-Steps, Purchase
- Server-side Tracking (optional, je nach Setup)
- Attribution und UTM-Parameter
- Ausschluss interner Zugriffe (IP-Filter, Cookie)
Abnahme
Testkäufe durchführen, Debugging-Tools nutzen, Consent-Szenarien testen, Datenqualität in Analytics prüfen.
Performance: Konkret und umsetzungsnah
Performance ist ein direkter Umsatz- und SEO-Hebel. Langsame Shops verlieren Kunden und Rankings.
Hebel
- Hosting/Skalierung: ausreichend Ressourcen, CDN
- Caching: HTTP-Cache, Full-Page-Cache, Object-Cache
- Bilder und Assets: Komprimierung, moderne Formate (WebP), Lazy Loading
- Theme-Disziplin: schlanker Code, keine Plugin-Wildwuchs
- Suche/Filter: oft Performance-Hotspot (Datenmenge, Index, Caching)
Monitoring
Ladezeit, Error-Rate, Apdex, Ressourcennutzung, Cache-Hit-Rate.
Mobile Priorität
Checkout auf realen Geräten testen, nicht nur im Browser-Simulator.
B2B, B2C, B2X: Anforderungen konkret machen
B2C/D2C
Brand, Content, Conversion, Kampagnentempo, Social Commerce.
B2B
Rollen/Rechte, Freigaben, kundenspezifische Preise, Angebotsprozesse, Zahlungsziele, Mindestmengen.
Klärungsfragen für B2B
- Wie viele Kundengruppen?
- Preislogiken (Staffelpreise, Rabatte)?
- Account-Strukturen (Unterkonten, Kostenstellen)?
- VAT-Handling (Netto/Brutto, USt-ID)?
Migration Shopware 5 auf Shopware 6: Eigener Block für ein komplexes Thema
Warum migrieren?
Zukunftssicherheit, moderne Architektur, bessere Erweiterbarkeit, aktiver Support.
Vorgehen
- Audit: Daten, Plugins, Theme, SEO-Status, Tracking
- Datenmapping: Produkte, Kunden, Bestellhistorie, Medien, URLs
- Theme/Plugins: Nicht 1:1 übernehmen, sondern neu bewerten, Alternativen prüfen
- Tooling: z. B. Migration Assistant von Shopware
SEO-Erhalt
- Redirect-Konzept: jede alte URL auf neue mappen
- URL-Parität wo sinnvoll
- Monitoring nach Go-live: Search Console, Crawl-Fehler, Rankings
Aufwandstreiber
Individualentwicklungen, Plugin-Wildwuchs, Datenqualität, Sonderpreise/B2B-Logiken.
Sicherheit und Wartung: Für langfristigen Erfolg
Ein Shop ist nie fertig. Wartung ist Pflicht.
Update-Strategie
- Regelmäßig kleine Updates – geringeres Risiko
- Major-Upgrades – Planung, Tests, Budget
Security-Basics
- Rechte/Rollen sauber vergeben
- Backup/Restore-Tests regelmäßig durchführen
- Audit-Logs (je nach Setup)
- Abhängigkeiten (Plugins, Composer-Packages) prüfen
Hosting und Betrieb: Peak-Lasten als Test-Szenario
Optionen
Cloud (Shopware Cloud), Managed Hosting (spezialisierte Hoster), dedizierte Server.
Kriterien
- Skalierung (automatisch vs. manuell)
- Verfügbarkeit (SLA)
- Compliance (DSGVO, Datenhaltung)
- Kosten
- Monitoring und Alerting
- Deployment-Prozesse
Peak-Szenarien
Sale, TV-Werbung, Influencer-Posts, Seasonality. Lasttest vor Go-live, Fallbacks definieren (z. B. Wartungsseite).
Kosten und Budgetlogik: Verständlich, mit echten Kostentreibern
Kostenblöcke
- Discovery/Konzept
- UX/UI
- Implementierung
- Datenmigration
- Integrationen (ERP, PIM, Payment, etc.)
- Lizenzen/Edition
- Hosting
- Plugins
- Wartung/Support
- Monitoring, Tracking, Analytics
Typische Kostentreiber
- Schnittstellen/ERP-Integration
- Migration/SEO-Erhalt
- Custom-Checkout-Logik
- B2B-Preislogik
- Suche/Filter-Optimierung
- Content-Migration
Bandbreiten als Orientierung
Professionelle Umsetzungen liegen häufig im mittleren fünfstelligen Bereich (ab ca. 30.000 Euro), je nach Komplexität. Migrationen von Shopware 5 auf 6 bewegen sich oft im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich.
TCO-Denke
Nicht nur Build-Kosten betrachten, sondern auch Wartung, Updates, Betrieb, Weiterentwicklung.
Agenturwahl: Entscheidungsstark und vergleichbar
Warum Spezialisierung zählt
Eine spezialisierte Shopware Agentur kennt Best Practices, baut updatefähig, versteht Integrationskomplexität.
Prüf-Kriterien
- Referenzen: ähnliche Komplexität, ähnliche Branche
- Team: eigene Entwickler oder Freelancer?
- Vorgehen: Transparenz, Kommunikation, agile Methoden?
- QA/Testing: strukturierter Testprozess?
- Supportmodell: Was passiert nach Go-live?
- Angebot: klare Abgrenzung MVP vs. Phase 2, Annahmen sichtbar, Risiken benannt?
Auswahlmethoden
- Scorecard: Kriterien gewichten, Agenturen bewerten
- Kurz-Workshop/Discovery: Arbeitsweise kennenlernen
- Test-Feature: kleine Entwicklung als Pilot
- Partnerverzeichnis von Shopware als Shortlist-Start
Red Flags
- „Alles geht in 4 Wochen"
- Extrem niedrige Preise
- Keine QA/Staging-Umgebung
- Unklare Verantwortung (wer macht was?)
- Plugin-lastige Schnellschüsse ohne Code-Review
Checkliste: Kick-off – 20 Fragen, die vor dem Start beantwortet sein müssen
- Welche messbaren Geschäftsziele verfolgen wir?
- Welche KPIs messen wir?
- Wie groß ist das Sortiment (SKUs, Varianten)?
- Welche Länder/Sprachen/Währungen?
- Welche Versanddienstleister und Versandzonen?
- Welche Zahlarten (inkl. 3DS, Risiko-Management)?
- Wie ist die Steuerlogik (B2C, B2B, EU)?
- Welche Rechtstexte/Consent-Anforderungen?
- Welche Tracking-Anforderungen (Events, Tools)?
- Welche SEO-Anforderungen (bei Relaunch: Redirect-Plan)?
- Welche Integrationen (ERP, PIM, CRM, Marktplätze)?
- Wer ist Source-of-Truth für welche Daten?
- Welche Datenqualität haben wir aktuell?
- Cloud oder self-hosted?
- Welche Edition (Community, Rise, Evolve, Beyond)?
- Wer ist Product Owner (Entscheidungsverantwortung)?
- Wer ist IT-Ansprechpartner für Integrationen?
- Wer liefert Content/Medien?
- Wer übernimmt Betrieb/Wartung nach Go-live?
- Was ist unser realistischer Go-live-Termin (inkl. Puffer)?
Go-live-Killer-Checkliste: Kurz, hart, praxisnah
- Steuern/Versand/Zahlarten getestet?
- Rechtstexte/Consent-Management live?
- Tracking funktioniert und Consent-konform?
- Redirects (bei Relaunch/Migration) getestet?
- E-Mail-Versand funktioniert (SPF/DKIM)?
- Monitoring aktiviert?
- Backup/Restore getestet?
Typische Fehler – und konkrete Gegenmaßnahmen
| Fehler | Gegenmaßnahme |
|---|---|
| Zu viel Scope vor Go-live | MVP + Phasenplan + Priorisierung |
| Integrationen ohne Spezifikation | API-Verträge, Testfälle, Ownership, Logging |
| Recht/Consent/Tracking „später" | Go-live-Check + Abnahme-Szenarien |
| Plugin-Wildwuchs | Plugin-Policy + Audit + Update-Tests |
| Kein Staging/QA | Testplan, Abnahme, Rollback, Pre-Prod |
| Kein Monitoring/Alerting | Dashboards, SLAs, Incident-Prozess |
Support- und Betriebsmodell nach Go-live: Damit es nicht kippt
Wartung
Sicherheitsupdates, Plugin-Updates, regelmäßige Checks.
Release-Prozess
Deployments, Changelog, Regression-Tests.
Reporting
Conversion, Umsatz, SEO, Performance, Fehlerquote.
Backlog
Kontinuierliche Optimierung statt „Relaunch alle 3 Jahre".
Konkrete Next Steps: Was du jetzt tun kannst
- Ziele/KPIs + MVP-Scope auf 1 Seite formulieren
- Go-live-kritische Basics klären: Steuern, Versand, Zahlarten, Recht/Consent, Tracking
- Systemlandschaft skizzieren: Source of Truth + Datenflüsse
- Betriebsmodell wählen: Cloud vs. self-hosted + grob Edition/Features abgleichen
- Partner-Shortlist erstellen + Scorecard + Mini-Workshop/Test-Feature
- Projektplan mit Quality Gates (SEO/Tracking/Payment/Performance) + Cutover/Hypercare
Fazit: Aus dem Kick-off-Chaos wird ein planbarer Go-live
Erinnere dich an den Konferenzraum vom Anfang: Marketing will Kampagnen, IT will Schnittstellen, Geschäftsführung will schnell live. Das Chaos entsteht, weil MVP, Verantwortlichkeiten, Integrationen und Go-live-Basics nicht früh genug fixiert werden. Ein erfolgreiches Shopware Projekt ist weniger „Shop bauen", sondern mehr „Geschäft sauber in eine betreibbare Commerce-Plattform übersetzen". Das bedeutet: klare Ziele, priorisierter Scope, saubere Integrationen, rechtlich und operativ sichere Basics, professionelle Qualitätssicherung und ein Betriebsmodell, das nach Go-live trägt.
Wenn du diese Prinzipien beherzigst, wird dein Projekt planbar, lieferbar und erfolgreich. Du vermeidest nächtliche Hotfixes, frustrierte Stakeholder und Umsatzverluste durch vermeidbare Fehler. Stattdessen baust du eine stabile Umsatzmaschine, die wächst, skaliert und sich kontinuierlich verbessert.
Bereit für den nächsten Schritt? Starte mit der Kick-off-Checkliste, kläre deine Ziele und MVP-Scope – und suche dir einen Partner, der nicht nur technisch liefert, sondern dein Geschäft versteht, etwa über ein konkretes Shopware-Angebot.
