Du öffnest dein Ads-Konto: Performance Max liefert Klicks, aber die Suchanfragen wirken unpassend – genau hier hilft oft der Blick einer Google-Shopping-Agentur. Bestseller bekommen zu wenig Ausspielung, andere Produkte verbrennen Budget. Im Merchant Center tauchen Warnungen zu Preis, Verfügbarkeit oder Identifikatoren auf – und intern kommt die Frage: „Warum erscheinen wir bei diesen Suchanfragen – und nicht bei den wichtigen?“
Wenn du aus klassischen Suchkampagnen kommst, denkst du in Keywords. Bei Shopping ist die Logik anders: Du buchst meist keine positiven Keywords. Trotzdem sind „Keywords“ in Google Shopping relevant – nur indirekt. Genau darum geht es hier: ein klares Modell, wie Matching entsteht, und ein praxistaugliches Vorgehen, wie du Relevanz und Profitabilität über Produktdaten, Struktur und sauberes Debugging steuerst.
Wie Google Shopping „Keywords“ versteht (ohne Keyword-Buchung)
In Shopping entscheidet Google anhand von Produktdaten und Kontextsignalen, ob ein Artikel zu einer Suchanfrage passt. Du steuerst also nicht „Keyword → Anzeige“, sondern „Daten → Zuordnung“. Das ist keine Blackbox-Magie, sondern ein System, das stark auf Präzision und Konsistenz reagiert.
Merksatz: In Google Shopping sind „Keywords“ ein Ergebnis deiner Datenqualität – kein Schalter, den du umlegst.
Die drei Matching-Säulen: Feed, Website, System-Signale
- Produktfeed: Titel, Beschreibung, Marke, GTIN/MPN, Kategorien, Varianten, Preis, Verfügbarkeit, Versand. Das ist dein stärkster Relevanzhebel.
- Landingpage-Signale: Preis/Bestand-Konsistenz, strukturierte Produktdaten, saubere Canonicals, schnelle Seiten, klare Produktdetails. Widersprüche kosten Reichweite und Vertrauen.
- Konto- & Kampagnenlogik: Standard Shopping vs. PMax, Segmentierung (Listing-/Asset-Gruppen), Budget, Ziele, Signale. Das steuert, welche Produkte bevorzugt ausgeliefert werden.
Was du wirklich steuern kannst
- Sehr gut: Feed-Qualität, Titel-Logik, Kategorisierung, Identifikatoren, Variantenmodell, Bilder, Preis/Bestand-Sync, Custom Labels, Struktur.
- Teilweise: Ausschlüsse (negative Keywords je nach Setup), Geo- und Zeitsteuerung, Marken- und Sortimentsschwerpunkte.
- Nicht direkt: einzelne Suchbegriffe gezielt „einbuchen“ wie in Search.
Keywords in Google Shopping optimieren: Feed statt Keywordliste
„Optimieren“ bedeutet hier: Google möglichst eindeutig sagen, was das Produkt ist, für wen es relevant ist und wodurch es sich unterscheidet. Je klarer die Daten, desto sauberer das Matching – und desto weniger Streuverluste.
1) Produkttitel: der wichtigste Relevanzhebel
Der Titel übernimmt in Shopping die Rolle, die in Search oft die Keywordliste spielt. Ein guter Titel ist nicht vollgestopft, sondern eindeutig, konsistent und variantensicher.
Bewährte Titel-Formel: Produkttyp + Marke + Modell/Serie + wichtigste Spezifikation + Variante (Größe/Farbe/Menge) + ggf. Norm/Kompatibilität.
- B2C-Beispiel: „Sneaker Herren Marke X Modell Y Leder Weiß Größe 43“
- B2B-Beispiel: „Kugelhahn 1/2 Zoll Edelstahl PN40 mit Innengewinde“
- Kompatibilität: „Filterkartusche Modell A kompatibel mit Gerät B und C 2er Pack“
Wichtig: Lege eine Schreibweise fest (z. B. „Größe 43“ vs. „EU 43“) und zieh sie über alle Produkte durch. Inkonsequenz erzeugt unnötige Streuung.
2) Beschreibung: Spezifikationen statt Werbetext
Shopping profitiert von Information, nicht von Superlativen. Eine gute Beschreibung ergänzt das, was Nutzer:innen wirklich vergleichen: Einsatzbereich, Material, Maße, Lieferumfang, Kompatibilität, Normen, Pflege- oder Montagehinweise.
- Ergänze Spezifikationen, die in Suchanfragen vorkommen (z. B. Schutzart, Leistung, Gewinde, Packungsgröße, Normen).
- Schreibe klar und präzise. Lieber konkrete Fakten als lange Floskeln.
3) Kategorien: Kontext richtig setzen
Falsche Kategorien wirken wie falsche Keywords: Du landest in der falschen Nachfrage. Zwei Felder sind besonders wichtig:
- google_product_category: Googles Taxonomie, hilft beim richtigen Kontext.
- product_type: deine interne Hierarchie, ideal für Segmentierung und Auswertung.
Praxis-Tipp: Baue product_type so, dass du später sinnvoll steuern kannst (Sortiment, Saison, Marge, Use-Case). Das spart dir Kampagnen-Workarounds.
4) Identifikatoren: Reichweite und Matching-Qualität
Fehlende oder falsche Identifikatoren sind eine der häufigsten Ursachen für schwache Ausspielung und Diagnosen. In vielen Kategorien sind GTIN und brand Pflicht oder stark empfohlen. Wenn du tatsächlich keinen Identifier hast (z. B. Eigenfertigung), muss identifier_exists korrekt gesetzt sein. „Irgendetwas“ einzutragen ist fast immer schlechter als sauber „kein Identifier“ abzubilden.
5) Varianten sauber modellieren (damit Matching nicht kippt)
Variantenchaos erzeugt falsche Zuordnungen und verschwendetes Budget. Achte auf:
- gemeinsame item_group_id für eine Produktfamilie,
- variantenspezifische Bilder (Rot ist nicht Blau),
- stabilen Titelkern plus eindeutige Variantenangabe.
PMax vs. Standard Shopping: wo Steuerung realistisch ist
Beide Kampagnentypen basieren auf dem Feed. Der Unterschied liegt vor allem in Transparenz, Steuerungsmöglichkeiten und der Art, wie du Probleme isolierst.
| Aspekt | Standard Shopping | Performance Max (mit Feed) |
|---|---|---|
| Transparenz | oft besser nach Produkten/Struktur auswertbar | häufig weniger granular, stärker automatisiert |
| Steuerung | mehr Kontrolle über Kampagnen- und Listing-Struktur | mehr über Asset-Gruppen, Signale, Ziele und Produktsegmentierung |
| Negative Keywords | meist besser nutzbar | eingeschränkter, abhängig vom Setup |
| Konstante | Feed-Qualität und Konsistenz entscheiden über Matching | Feed-Qualität und Konsistenz entscheiden über Matching |
Setup-Basics: damit du nicht im Debugging versinkst
Shopping ist ein Datenprozess. Wenn Datenquellen, Sync-Zyklen und Verantwortlichkeiten unklar sind, entstehen Ablehnungen, Ausspielungsdrosselung und schwer erklärbare Performance-Schwankungen.
Preflight-Check: Website-Signale, die Shopping messbar beeinflussen
- Produktseiten sind crawlbar (kein Login-Zwang, keine Blockaden).
- Preis und Verfügbarkeit sind auf Landingpage und im Feed identisch (inkl. Sale-Logik, Währung, Lieferstatus).
- Bild-URLs sind stabil (HTTPS, keine temporären Token-Links, keine 403/404).
- Canonicals sind konsistent (keine falschen Ziel-URLs, keine Parameter-Fallen).
- Tracking-Parameter erzeugen keine Duplicate- oder Canonical-Probleme.
Ownership: wer macht was, wie schnell?
- Definiere eine Source of Truth für Preis und Bestand (Shop, ERP/WaWi, PIM).
- Klare Rollen: Feed-Verantwortung, Diagnose-Triage, technische Fixes, Tracking.
- Reaktionszeiten vereinbaren (z. B. „Preis/Bestand-Mismatch innerhalb 24h beheben“).
Feed-Architektur: Skalieren statt Dauer-Feuerwehr
Ein sauberer Feed braucht Betrieb: Exporte laufen, Regeln ändern sich, Fehler passieren. Eine einfache Architektur reduziert Risiken und beschleunigt Fixes.
Full vs. Delta: Aktualität sinnvoll organisieren
- Vollfeed: gut für seltene Änderungen (Titel, Kategorien, Beschreibungen).
- Delta-Feed: ideal für häufige Änderungen (Preis, Verfügbarkeit).
Praxisregel: Preis/Bestand lieber häufiger und schlank aktualisieren, statt ständig alles neu zu laden.
Change-Management: Änderungen behandelst du wie Releases
- Änderungen dokumentieren (was, wann, warum).
- Mit Test-Slices starten (z. B. Kategorie oder 50 Produkte).
- Rollback einplanen (letzte funktionierende Version bereithalten).
Tracking & Consent: Mindeststandard, damit Optimierung nicht blind ist
Wenn Conversions falsch, doppelt oder lückenhaft sind, optimieren automatisierte Kampagnen in die falsche Richtung. Ziel ist ein Setup, das trotz Consent realistisch misst und vor allem debugbar bleibt.
Tracking-Minimum für die meisten Shops
- Consent-Setup korrekt umgesetzt (Tags verhalten sich konsistent zum Einwilligungsstatus).
- Enhanced Conversions sauber aktiviert und getestet.
- Conversions eindeutig definiert (keine Doppelzählung zwischen Systemen).
- Deduping sichergestellt (z. B. bei parallelem Client- und Server-Tracking).
- Stabile Order-ID, Revenue und Currency aus dem Shop-Backend.
Merchant-Center-Debugging: Playbooks statt Bauchgefühl
Wenn Shopping „komisch matched“, steckt oft ein Diagnose- oder Konsistenzproblem dahinter. Ein Playbook spart Zeit: erst Problemtyp bestimmen, dann nach Umsatzpotenzial priorisieren.
20-Minuten-Checkliste für eine saubere Triage
- Problemtyp klären: Account (Richtlinien/Einschränkungen), Feed (Attribute/Format) oder Item (einzelne Produkte).
- Fehler exportieren und nach Umsatz/Bestsellern priorisieren.
- Stichprobe: Produktseite, Feed-Daten und Diagnose-Details gegeneinander prüfen.
- Fix in der Quelle (Shop/ERP/PIM) oder in Transformationsregeln umsetzen.
- Neu verarbeiten lassen und Ergebnis dokumentieren.
Playbook 1: Preis stimmt nicht überein
- Feed-Preis vs. Landingpage-Preis vergleichen (inkl. Sale-Logik, Brutto/Netto, Währung). Gerade bei Währungs-Setups lohnt es sich, einmal sauber zu prüfen, wie du in Google Shopping Preise in Euro anzeigen lässt.
- Cache/CDN prüfen: Wird ein alter Preis ausgeliefert?
- Länder/Kundengruppen/Parameter: Verändern sie den Preis auf der Seite?
- Fix: Delta-Updates erhöhen, Cache invalidieren, eine Preisquelle als Truth festlegen.
Playbook 2: Verfügbarkeit stimmt nicht
- ERP-Bestand vs. Shop-Bestand vs. Feed-Status vergleichen.
- Backorder/Preorder korrekt abbilden.
- Job-Läufe prüfen (Logs, letzter erfolgreicher Export).
- Fix: Delta-Updates für Availability, klare Mapping-Tabelle der Statuswerte.
Playbook 3: Landingpage nicht erreichbar oder nicht lesbar
- Blockaden prüfen (robots/noindex/Serverantworten).
- 4xx/5xx/Timeouts und Bot-Blocker/WAF-Konfigurationen prüfen.
- Canonicals und Varianten-URLs prüfen; Produktinfos müssen stabil auslesbar sein.
- Fix: stabile Serverantworten, korrekte Canonicals, konsistente Produktdaten.
Playbook 4: Bilder abgelehnt oder nicht erreichbar
- 404/403, Hotlink-Protection, instabile URLs ausschließen.
- Bildqualität prüfen (keine Platzhalter, keine störenden Overlays).
- Fix: stabile CDN-Links, saubere Bildpipeline, konsistente Bildzuordnung pro Variante.
Playbook 5: GTIN/MPN/Identifier-Probleme
- GTIN-Format/Länge prüfen und Varianten eindeutig zuordnen.
- identifier_exists nur nutzen, wenn wirklich kein Identifier existiert.
- Fix: Mapping im PIM/ERP korrigieren, Identifier-Pflege als Pflichtprozess etablieren.
Negative Keywords, Zeit- und Geo-Steuerung: Streuverluste reduzieren
Auch ohne positives Keyword-Targeting kannst du unpassende Nachfrage oft reduzieren – insbesondere bei Informations-Intents oder „falschen“ Brand-Nebenbedeutungen. Nutze Ausschlüsse vorsichtig und nachvollziehbar.
Typische Negative-Cluster (wenn sie nicht passen)
- Informationssuche: „Anleitung“, „PDF“, „Definition“, „Wiki“
- Preis-Intent: „gratis“, „kostenlos“
- Zustand: „gebraucht“, „Kleinanzeigen“ (wenn du nur neu verkaufst)
- Service-Intent: „Reparatur“, „Service“ (sortimentsabhängig)
- HR-Intent: „Job“, „Ausbildung“
Pflege Negatives wie Code: dokumentiert, begründet, überprüfbar. Sonst schließt du dir schleichend wertvollen Traffic aus.
Zeit- und Geräte-Steuerung (besonders hilfreich im B2B)
- Geräteauswertung: viel Mobile-Traffic ohne Abschlüsse kann auf UX oder falsche Intention hindeuten.
- Zeitfenster nutzen, wenn Nachfrage klar werktags entsteht (Budgethygiene, kein Trick).
- Standort-Performance prüfen und dauerhaft schwache Regionen konsequent reduzieren.
Custom Labels: Profitabilität steuerbar machen
Kategorien allein reichen selten, um profitabel zu skalieren. Custom Labels verbinden Business-Logik (Marge, Bestand, Strategie) mit Kampagnensteuerung und Reporting.
Bewährte Label-Achsen
- Marge: high / medium / low
- Bestand: high stock / low stock / backorder
- Saison: winter / sommer / ganzjährig
- Performance: Bestseller / Longtail / Neuheit
- Preisband: Budget / Mid / Premium
Wichtig: Labels sollten möglichst aus Shop/ERP/PIM kommen (Source of Truth) statt manuell gepflegt zu werden.
Mini-Roadmap: 7 Schritte zu mehr Kontrolle über Shopping-Relevanz
- Messbarkeit herstellen: Consent-Setup, Enhanced Conversions, klare Conversion-Definitionen, keine Doppelzählung. Wenn du tiefer in das Thema Warenkorb- und GA4-Signale einsteigen willst, sind Warenkorb-Daten in Google Ads für Shopping-Kampagnen oft der Hebel, der Debugging und Optimierung deutlich beschleunigt.
- Feed-Basics fixen: Titel-Logik, Kategorien, Identifikatoren, Bilder, Preis/Bestand-Konsistenz.
- Architektur stabilisieren: Full/Delta-Logik, Frequenzen, Logs, Rollback.
- Labels einführen: mindestens Marge und Bestand, dann in der Segmentierung nutzen.
- Diagnosen operationalisieren: Playbooks, Priorisierung nach Umsatz, feste Reaktionszeiten.
- Query-Hygiene: Negative Keywords dort einsetzen, wo sinnvoll und möglich, mit Dokumentation.
- Landingpage verbessern: Performance, Canonicals, konsistente Produktdaten, damit Matching und Conversion steigen.
Fazit: Keywords sind in Shopping ein Ergebnis deiner Daten
Wenn du „Keywords in Google Shopping“ suchst, erwartest du vielleicht eine Liste zum Einbuchen. In der Praxis entsteht Relevanz aus sauberer Produktbeschreibung, korrekter Kategorisierung, stabilen Identifikatoren und konsistenten Website-Signalen – plus einer Struktur, die dein Business abbildet.
Wenn du ein vollständiges Setup von Feed bis Kampagnenstruktur suchst, kann ein Google-Shopping-Guide als Ergänzung helfen. Behandle Shopping wie einen Produktdaten-Prozess, nicht wie eine reine Kampagne. Dann bekommst du das, was du aus Search von Keywords kennst: mehr Relevanz, weniger Streuverlust und eine Performance, die nicht beim nächsten Datenfehler zusammenbricht.
