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Shopware

Den richtigen Shopware-Entwickler für dein E-Commerce-Projekt finden

von Tim Kelle

Den richtigen Shopware-Entwickler für dein E-Commerce-Projekt finden
30:57

Es ist Montagmorgen, 9 Uhr. Das Wochenmeeting beginnt. Marketing zeigt die Zahlen der letzten Woche – und die Stimmung kippt. Die Conversion-Rate ist um 12 % gesunken, die Checkout-Abbrüche steigen weiter, und die ERP-Anbindung liefert seit Tagen falsche Bestandsdaten. Gleichzeitig will das Vertriebsteam endlich den geplanten B2B-Bereich mit individuellen Preislisten live schalten, und Marketing drängt auf neue Sales Channels für den internationalen Ausbau. In diesem Moment stellst du dir die entscheidende Frage: „Ist Shopware für uns überhaupt die richtige Wahl – und wenn ja, brauchen wir dafür wirklich externe Unterstützung, etwa durch eine Shopware Agentur?"

Die Antwort ist komplex. Denn viele Shop-Probleme, die auf den ersten Blick wie reine Marketing- oder Design-Themen aussehen, entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als System-, Prozess- oder Datenherausforderungen. Genau hier kommt die Rolle eines erfahrenen Shopware Developers ins Spiel – jemand, der nicht nur Code schreibt, sondern deine Geschäftsziele in technische Lösungen übersetzt und dabei die Fallstricke kennt, die dich Zeit, Geld und Nerven kosten können.

Team analysiert E-Commerce-Dashboard mit KPI-Übersicht und Trendgrafik am Monitor; Besprechung mit Notizen und Reports im Büro

Schnell-Check: Ist dieser Artikel für dich relevant?

Du bist hier richtig, wenn:

  • Du überlegst, ob Shopware die richtige Plattform für dein Projekt ist
  • Du externe Unterstützung für dein Shopware-Projekt suchst und nicht weißt, woran du Kompetenz erkennst
  • Dein aktueller Shop Probleme macht und du verstehen willst, ob das System-, Prozess- oder Umsetzungsfehler sind
  • Du einen Relaunch planst und realistische Kosten, Zeitrahmen und Risiken einschätzen musst

Shopware 6 verstehen: Die wichtigsten Grundlagen ohne Tech-Tiefe

Bevor wir in die Details gehen, lass uns kurz klären: Was ist Shopware 6 eigentlich – und was bedeutet das für dich als Entscheider?

Die drei Shopware-Editionen einfach erklärt

Community Edition (kostenlos): Die Basis-Version von Shopware, die du selbst hosten musst. Sie enthält alle Kern-Funktionen für einen professionellen Online-Shop. Du brauchst allerdings technisches Know-how oder einen Partner für Installation, Wartung und Updates. Ideal für Unternehmen, die volle Kontrolle wollen und eigene Ressourcen haben.

Rise, Evolve, Beyond (Cloud-Pläne, kostenpflichtig): Diese Versionen sind vollständig von Shopware gehosted – du brauchst dich nicht um Server, Updates oder Backups zu kümmern. Dazu kommen Premium-Features wie erweiterte B2B-Funktionen, internationale Mehrsprachigkeit und Priority-Support. Die Kosten richten sich nach deinem Umsatzvolumen. Ideal für Unternehmen, die sich auf ihr Geschäft konzentrieren wollen, nicht auf Infrastruktur.

Was bedeutet „Self-Hosted" vs. „Cloud"?

Self-Hosted (Community Edition): Du oder dein Hosting-Partner betreibt die Server, kümmert sich um Updates, Sicherheits-Patches und Backups. Das gibt dir maximale Flexibilität, bedeutet aber auch: Du trägst die Verantwortung für Verfügbarkeit, Performance und Datensicherheit.

Cloud (Rise/Evolve/Beyond): Shopware kümmert sich um die komplette Infrastruktur. Du loggst dich einfach ein, richtest deinen Shop ein und verkaufst. Updates laufen automatisch, Backups sind inklusive. Der Nachteil: weniger Kontrolle über Server-Konfiguration und Hosting-Details.

Die wichtigsten Module, die Shopware von Haus aus mitbringt

Shopware 6 ist kein Baukastensystem, sondern eine vollständige E-Commerce-Plattform. Das bedeutet: Viele Funktionen, die du bei anderen Systemen durch Plugins nachrüsten musst, sind hier bereits eingebaut:

  • Produktverwaltung: Einfache und komplexe Produkte, Varianten (Größe, Farbe), Eigenschaften, Kategorien, Medien, Cross-Selling
  • Preislogik: Staffelpreise, kundenspezifische Preise, Währungen, Steuersätze pro Land
  • Content-Management (CMS): Landing Pages, Kategorie- und Produktseiten individuell gestalten – ohne Programmierkenntnisse
  • Kundengruppen und Accounts: B2C- und B2B-Kunden verwalten, individuelle Preise und Inhalte ausspielen
  • Checkout: Warenkorb, Versandarten, Zahlungsarten, Bestellprozess – alles anpassbar
  • Marketing-Tools: Gutscheine, Rabatte, Promotions, Newsletter (Basis), SEO-Einstellungen
  • Multi-Channel: Mehrere Verkaufskanäle (z. B. verschiedene Länder, Sprachen oder Marken) aus einem System heraus steuern

Merksatz: Wenn du „nur" einen Standard-Shop brauchst – also Produkte, Warenkorb, Checkout, Versand, Zahlung –, kannst du mit Shopware sehr weit kommen, ohne eine Zeile Code zu schreiben.

Wann brauchst du überhaupt einen Developer?

Du kommst ohne technische Unterstützung aus, wenn:

  • Deine Prozesse in die Standard-Module passen
  • Du mit vorhandenen Themes und Layouts zufrieden bist
  • Du keine externen Systeme (ERP, PIM, CRM) anbinden musst
  • Standard-Plugins für deine Zusatzfunktionen ausreichen

Du brauchst einen Developer oder eine Agentur, wenn:

  • Deine Prozesse individuell sind (z. B. komplexe Freigabe-Workflows, spezielle Preislogiken)
  • Du Systeme integrieren musst (ERP für Bestände, PIM für Produktdaten, CRM für Kundendaten)
  • Dein Design oder deine User Experience stark von der Standard-Optik abweichen soll
  • Du Performance-Optimierungen, Custom Features oder Automatisierungen brauchst

Welche Aufgaben löst ein Shopware Developer im Alltag?

Wenn du an einen Developer denkst, hast du vermutlich das Bild von jemandem vor Augen, der den ganzen Tag Code schreibt. Das ist nicht falsch – aber es ist nur ein Teil der Wahrheit. Ein guter Shopware Developer ist gleichzeitig Übersetzer, Architekt, Problemlöser und manchmal auch Sparringspartner für strategische Entscheidungen.

Anforderungen aufnehmen und in technische Konzepte übersetzen

Die erste und vielleicht wichtigste Aufgabe: Deine Geschäftsziele und Prozesse so zu verstehen, dass sie sich sauber in Shopware abbilden lassen. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn zwischen „Wir brauchen individuelle Preise für Großkunden" und der tatsächlichen Umsetzung liegen Dutzende Detailfragen: Gelten die Preise nur für bestimmte Produkte? Sind sie mengenabhängig? Gibt es Freigabeprozesse? Müssen Budgets berücksichtigt werden?

Ein erfahrener Developer fragt nach – und zwar so lange, bis klar ist, welche Anforderungen wirklich umgesetzt werden müssen und welche „Nice-to-haves" sind. Daraus entstehen dann Akzeptanzkriterien: messbare, testbare Bedingungen, die festlegen, wann eine Funktion als fertig gilt.

Konzeption: Datenmodell, Prozesse und Architektur planen

Bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wird, muss die Struktur stehen. Das betrifft vor allem:

  • Datenmodell: Wie werden Produkte, Varianten, Preise, Kundengruppen, Steuern und Versandlogiken organisiert? In Shopware 6 geschieht das über das Data Abstraction Layer (DAL) – eine Schicht, die dafür sorgt, dass du mit Daten arbeiten kannst, ohne direkt SQL-Befehle schreiben zu müssen. Das macht den Code wartbarer und sicherer.
  • B2B-Logik: Welche Rollen und Rechte gibt es? Wer darf bestellen, wer muss freigeben? Wie funktionieren Budgets, Bestelllisten und Schnellbestellungen?
  • Build vs. Buy: Welche Funktionen kann Shopware von Haus aus abbilden? Wo reicht ein Standard-Plugin? Wann lohnt sich ein Custom Plugin – und wann ist eine externe Integration oder sogar ein Headless-Ansatz (Frontend und Backend getrennt) sinnvoll?

Diese Konzeptionsphase entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg des Projekts. Fehler hier rächen sich später teuer – etwa wenn Datenstrukturen nachträglich umgebaut werden müssen oder Plugins sich gegenseitig blockieren.

Umsetzung: Plugins, Themes, Integrationen und Backoffice-Workflows

Jetzt wird es konkret. Die Umsetzung umfasst typischerweise:

  • Plugin- und Extension-Entwicklung: Saubere Erweiterung des Shopware-Kerns, ohne „Hacks" direkt ins System zu schreiben, die bei Updates Probleme verursachen. In Shopware 6 geschieht das über Event Subscriber (reagieren auf Systemereignisse wie „Bestellung abgeschlossen") oder Decorators (bestehende Funktionen erweitern, ohne den Original-Code zu verändern).
  • Theme- und Storefront-Anpassungen: Individuelle UX-Optimierungen, die Conversion steigern – idealerweise unter Berücksichtigung von Barrierefreiheit.
  • Admin-Workflows: Automatisierung von Import/Export-Prozessen (z. B. via Symfony Messenger für zeitgesteuerte Aufgaben), Einrichtung des Rule Builders für Promotion- und Preisregeln, Konfiguration von CMS-Layouts, damit Content-Teams unabhängig arbeiten können.
  • Integrationen: Anbindung von ERP, PIM, CRM, Payment-Providern, Versanddienstleistern oder Marktplätzen. Hier ist besonders wichtig: klare Verantwortlichkeiten, saubere Fehlerbehandlung und Nachvollziehbarkeit – damit Bestände, Preise und Bestellungen zuverlässig stimmen.

Betrieb: Updates, Security, Performance und Stabilität

Ein Shop ist nie „fertig". Shopware veröffentlicht regelmäßig Updates – für Sicherheit, neue Features und Bug-Fixes. Ein professioneller Shopware Developer plant diese Updates strukturiert, testet sie auf einem Staging-System (einer Test-Kopie deines Shops) und sorgt dafür, dass Plugins kompatibel bleiben.

Dazu kommen: Performance-Tuning (HTTP-Caching, Datenbankoptimierung, Frontend-Ladezeiten), Monitoring (Fehlerauswertung, Logs, Verfügbarkeit) und die Absicherung gegen Sicherheitslücken.

Für wen ist Shopware geeignet – und für wen eher nicht?

Nicht jede Plattform passt zu jedem Business. Shopware spielt seine Stärken dort aus, wo Prozesspassung wichtiger ist als „nur schnell online sein". Lass uns das konkret machen.

Shopware ist ideal, wenn…

  • deine Prozesse komplexer werden: B2B-Freigaben, individuelle Preislogiken, viele Produktvarianten, kundenspezifische Kataloge
  • Integrationen entscheidend sind: ERP, PIM, CRM, Marktplätze, POS-Systeme
  • du mehr Kontrolle über Daten, Hosting und Erweiterbarkeit brauchst
  • du bereit bist, Wartung und Updates als laufenden Betrieb einzuplanen
  • du ein Team hast (intern oder extern), das Ownership für Daten, Prozesse und Content übernimmt

Shopware ist eher nicht ideal, wenn…

  • du maximal schnell ohne technisches Setup live gehen willst und der Standard reicht
  • du kaum interne Ressourcen für Daten, Prozesse oder Content hast
  • du keine Kapazitäten für regelmäßige Updates, Testing und Betrieb einplanen kannst
  • dein Budget für initiales Setup unter 10.000 € liegt und du keine laufenden Wartungskosten tragen willst

Merksatz: Shopware ist keine „Set-and-Forget"-Lösung. Es ist eine Plattform für Unternehmen, die wachsen wollen, ihre Prozesse ernst nehmen und bereit sind, in Qualität und Stabilität zu investieren.

Shopware vs. Alternativen: Wann ist welche Plattform die richtige Wahl?

Die Frage „Shopware oder…?" kommt in fast jedem Erstgespräch. Hier eine ehrliche Einordnung der gängigsten Alternativen:

Shopware vs. Shopify

Shopify wählen, wenn: Du schnell starten willst, keine eigene IT-Infrastruktur aufbauen möchtest und Standard-Prozesse ausreichen. Shopify ist „Plug-and-Play" mit niedrigen Einstiegshürden, aber auch starken Einschränkungen bei Datenhoheit, individuellen Prozessen und Hosting-Kontrolle.

Shopware wählen, wenn: Du komplexe B2B-Logiken, individuelle Integrationen oder volle Kontrolle über Daten und Infrastruktur brauchst. Der Preis ist höherer Aufwand für Setup und Wartung.

Wenn du für einen schnellen Markteintritt auf einen Dienstleister setzen willst, kann eine Shopify Agentur für Standard-Setups eine sinnvolle Alternative sein – solange du die Einschränkungen bewusst akzeptierst.

Shopware vs. WooCommerce

WooCommerce wählen, wenn: Du bereits WordPress nutzt, ein kleines bis mittelgroßes Sortiment hast und wenig Budget für Setup. WooCommerce ist günstig im Einstieg, aber Performance und Skalierung werden schnell zur Herausforderung.

Shopware wählen, wenn: Du skalieren willst, professionelle B2B-Features brauchst oder Multi-Channel-Strategien planst. Shopware ist von Grund auf für Commerce gebaut, nicht als Blog-Erweiterung.

Shopware vs. Magento (Adobe Commerce)

Magento wählen, wenn: Du ein sehr großes Unternehmen bist, extrem komplexe Anforderungen hast und ein dediziertes Entwicklerteam sowie hohes Budget mitbringst. Magento ist mächtig, aber auch extrem aufwändig in Setup, Betrieb und Kosten.

Shopware wählen, wenn: Du ähnliche Flexibilität brauchst, aber schneller umsetzen und mit moderaten Budgets arbeiten willst. Shopware ist zugänglicher, hat eine aktivere Community in DACH und niedrigere Betriebskosten.

Entscheidungsbaum: Welche Plattform passt zu dir?

Hier ein vereinfachter Entscheidungsbaum, der dir in 5 Fragen hilft, die richtige Plattform zu identifizieren:

1. Brauchst du individuelle Prozesse oder reicht Standard?

  • Standard reicht → Shopify oder WooCommerce
  • Individuelle Prozesse nötig → weiter zu Frage 2

2. Willst du dich um Hosting und Updates selbst kümmern?

  • Nein, lieber All-Inclusive → Shopware Cloud (Rise/Evolve/Beyond) oder Shopify
  • Ja, ich will volle Kontrolle → Shopware Community Edition

3. Sind Integrationen (ERP, PIM, CRM) entscheidend?

  • Ja, viele und komplex → Shopware oder Magento
  • Nein oder nur wenige → Shopify oder WooCommerce

4. Wie hoch ist dein Budget für Setup?

  • Unter 5.000 € → WooCommerce oder Shopify Basic
  • 10.000–50.000 € → Shopware Community oder Rise
  • Über 50.000 € → Shopware Evolve/Beyond oder Magento

5. Hast du ein internes Team oder einen verlässlichen Partner?

  • Nein, noch nicht → Shopware Cloud mit Full-Service-Agentur oder Shopify
  • Ja, vorhanden → Shopware Community Edition mit eigenem Betrieb

Konfiguration vs. Plugin vs. Custom Development vs. Headless: Leitplanken für die richtige Entscheidung

Eine der häufigsten Fragen: „Brauchen wir dafür ein Plugin – oder muss das programmiert werden?" Die Antwort hängt davon ab, wie individuell dein Use Case ist. Hier sind die Leitplanken:

Konfiguration (ohne Code)

Shopware bringt von Haus aus viele Möglichkeiten mit, die du über Settings, den Rule Builder, CMS-Layouts oder die Verwaltung von Versand- und Zahlungsarten abbilden kannst. Beispiele: Standard-SEO-Einstellungen, Kategoriestrukturen, einfache Promotions, Landing Pages.

Plugin „von der Stange"

Für bewährte Use Cases (zusätzliche Zahlungsarten, Versandanbieter, einfache Marketing-Tools) gibt es fertige Plugins im Shopware Store. Vorteil: schnell einsatzbereit. Risiko: Update- und Kompatibilitätsprobleme, wenn Plugins nicht gepflegt werden oder sich gegenseitig blockieren.

Plugin-Audit-Kriterien (worauf du achten solltest):

  • Letzte Aktualisierung (nicht älter als 6 Monate)
  • Anzahl Installationen und Bewertungen
  • Support-Reaktionszeit des Herstellers
  • Kompatibilität mit deiner Shopware-Version
  • Dokumentation und Beispiele verfügbar

Custom Plugin

Wenn deine Prozesse oder Logiken wirklich spezifisch für dein Business sind (z. B. komplexe Preislogiken, Freigabe-Workflows, spezielle Datenflüsse), lohnt sich ein maßgeschneidertes Plugin. Das kostet mehr, ist aber wartbar, sauber dokumentiert und passt exakt zu deinen Anforderungen.

Technisch gesehen wird in Shopware 6 ein Custom Plugin über Event Subscriber (um auf Systemereignisse zu reagieren) oder Decorators (um bestehende Services zu erweitern) umgesetzt – nicht durch direkte Änderungen am Shopware-Kern.

Integration (externe Systeme anbinden)

Für die Anbindung von ERP, PIM, CRM oder anderen Drittsystemen brauchst du klare Schnittstellen, saubere Fehlerbehandlung und Monitoring. Wichtig: Verantwortlichkeiten festlegen (wer kümmert sich um Datenfehler?) und Testfälle definieren (was passiert bei Ausfall, wie werden Abweichungen erkannt?).

In Shopware 6 laufen größere Datenimporte oft über Symfony Messenger und Message Queues – das bedeutet: Aufgaben werden im Hintergrund abgearbeitet, ohne dass der Shop blockiert wird.

Custom Storefront

Wenn UX, Performance oder Branding entscheidend sind und der Standard nicht reicht, kannst du das Frontend individuell entwickeln – entweder auf Basis der Shopware Storefront oder komplett eigenständig.

Headless (Frontend und Backend entkoppelt)

Headless bedeutet: Shopware ist nur noch der „Maschinenraum" (Produkte, Preise, Checkout via Store API), die sichtbare Oberfläche baust du separat (z. B. mit React, Vue.js oder Next.js). Das ist sinnvoll, wenn du wirklich mehrere Ausspielwege brauchst (Web, App, POS) oder eine sehr individuelle Nutzerführung messbar Mehrwert bringt.

Entscheidungskriterien für Headless:

  • Brauchst du wirklich mehrere Frontend-Kanäle (Web, App, Kiosk)?
  • Rechtfertigt die erwartete Conversion-Steigerung die Mehrkosten?
  • Hast du das Team/Budget für parallele Frontend- und Backend-Entwicklung?
  • Ist SEO bei Headless sichergestellt (Server-Side Rendering)?

Für die meisten Projekte ist Headless Overengineering – und bringt zusätzliche Komplexität, die sich nur lohnt, wenn sie direkt auf Umsatz oder Prozesseffizienz einzahlt.

Entwickler arbeitet an mehreren Monitoren mit Code-Editor und Shopware-Ansicht; Teamarbeit im Hintergrund im Agenturbüro

Shopware als Lösung für typische E-Commerce-Herausforderungen

Shopware zeigt seine Stärken besonders dort, wo Standard-Lösungen an ihre Grenzen stoßen. Hier einige konkrete Szenarien:

Multi-Channel und internationale Expansion

Du willst in neue Märkte? Shopware unterstützt mehrere Sales Channels aus einem Backend. Das bedeutet: unterschiedliche Sprachen, Währungen, Steuersätze, Versandarten und Zahlungsoptionen – zentral verwaltet, aber länderspezifisch ausgespielt. Beispiel: DACH-Ausbau mit lokalen Inhalten, Übersetzungen und Zahlungsanbietern.

Individuelle B2B-Prozesse

Shopware bietet (je nach Plan) Features wie Rollen und Rechte, Budgets, Freigabe-Workflows, Bestelllisten und Schnellbestellungen. Beispiel: Ein Einkäufer darf bis 500 € selbstständig bestellen, darüber hinaus ist eine Freigabe durch den Abteilungsleiter nötig.

Content & Commerce verzahnen

Mit dem integrierten CMS kannst du Landing Pages, Kategorie- und Produktseiten individuell gestalten – ohne dass dein Content-Team auf Entwickler angewiesen ist. Das Shopping-Experience-System erlaubt es, Layout-Bausteine flexibel zu kombinieren.

Skalierung und Performance

Shopware skaliert gut – wenn das Setup stimmt. Das bedeutet: sauberes HTTP-Caching, optimierte Datenbankabfragen (z. B. über Elasticsearch oder OpenSearch für die Produktsuche), schlanke Themes, durchdachte Hosting-Infrastruktur. Performance ist kein Feature, sondern Ergebnis guter Architektur. Wenn du tiefer einsteigen willst, lohnt sich ein Blick auf Shopware-Statistiken und KPI-Auswertungen, um Optimierungen gezielt zu priorisieren.

Typische Performance-Bottlenecks in Shopware 6 und ihre Lösungen:

  • Langsame Produktlisten → Elasticsearch/OpenSearch für Suche und Filterung aktivieren
  • Lange Ladezeiten → HTTP-Cache richtig konfigurieren, CDN einsetzen
  • Schwerfällige Admin-Oberfläche → Unnötige Plugins deaktivieren, Admin-Extensions prüfen
  • Checkout-Performance → Cart-Prozesse analysieren, unnötige Kalkulationen vermeiden

Projektfahrplan: So planst du ein Shopware-Projekt realistisch

Viele Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an unrealistischen Erwartungen. Hier ein praxisnaher Fahrplan mit typischen Zeitspannen:

1. Discovery & Scope (1–3 Wochen)

Ziele definieren, Prozesse verstehen, Daten prüfen, KPIs festlegen. Was soll der Shop leisten? Welche Integrationen sind nötig? Welche Rollen gibt es im Team? Was sind Nicht-Ziele?

2. MVP-Setup (4–10 Wochen)

Design, Basisfunktionen, Content-Struktur, Rechtliches (Impressum, Datenschutz, AGB), Tracking-Setup, Zahlungs- und Versandarten. Ziel: Ein funktionsfähiger Shop mit allen Standard-Prozessen.

3. Integrationen und Sonderlogik (+4–12+ Wochen)

ERP-/PIM-/CRM-Anbindungen, Datenmigration, individuelle Preislogiken, B2B-Features. Achtung: Integrationen und Datenqualität sind fast immer der Zeit- und Risikotreiber. Plane hier Puffer ein.

Beispiel-Releaseplan für ein mittleres Projekt:

  • Woche 1–2: Discovery, Workshops, Anforderungen sammeln
  • Woche 3–6: Design-Entwürfe, Theme-Setup, Admin-Konfiguration
  • Woche 7–10: Produktdaten-Import, Content-Aufbau, Standard-Features testen
  • Woche 11–14: ERP-Integration entwickeln und testen
  • Woche 15–16: Staging-Tests, Fehler beheben, Abnahme durch Fachbereiche
  • Woche 17: Go-Live-Vorbereitung, Monitoring aufsetzen, Cutover

4. Testing & Launch (1–3 Wochen)

Staging-Tests (Test-Umgebung, die deinen Live-Shop exakt nachbildet), Testfälle abarbeiten, SEO-Redirects einrichten, Monitoring aufsetzen, Cutover-Plan (Freeze-Zeitfenster, Daten-Deltas, Rollback, Kommunikation).

5. Phase 2: Optimierung und Weiterentwicklung (laufend)

Nach dem Launch beginnt die eigentliche Arbeit: Conversion-Optimierung, Automatisierung, Suche verbessern, Personalisierung, neue Features.

Typische Stolperfallen – und wie du sie vermeidest

Auch erfahrene Teams tappen immer wieder in dieselben Fallen. Hier die häufigsten:

  • Unklare Ziele/KPIs: „Schöner Shop" ist kein messbares Ziel. Definiere konkrete Erfolgskriterien (z. B. Checkout-Abbruchrate unter 20 %, durchschnittliche Ladezeit unter 2 Sekunden).
  • Daten werden unterschätzt: Produktdaten, Medien, Attribute, Dubletten – Datenqualität entscheidet über Erfolg. Plane Zeit für Daten-Cleaning ein.
  • Integrationen ohne Fehlerfall-Konzept: Was passiert, wenn das ERP ausfällt? Wie werden falsche Bestände erkannt? Wer behebt Fehler? Diese Fragen müssen vor Go-Live beantwortet sein.
  • Plugin-Wildwuchs: Jedes Plugin bringt Risiken (Kompatibilität, Updates, Performance). Definiere klare Regeln, wer Plugins installieren darf.
  • Tracking/Consent/SEO zu spät: Cookie-Consent, Google Analytics, Redirects – das muss von Anfang an geplant sein, nicht als Nachgedanke.
  • Keine Teststrategie: Ohne Staging, ohne Regressionstests (Tests, die sicherstellen, dass alte Funktionen nach Updates noch laufen), ohne Abnahmekriterien – das führt zu Chaos beim Launch.

Kosten realistisch einschätzen: Was kostet Shopware wirklich?

„Shopware ist doch Open Source, also kostenlos, oder?" Ja und nein. Die Community Edition ist kostenlos verfügbar – aber nur ein Teil der Gesamtkosten. Hier eine realistische Aufstellung:

Kostenposition Community Edition Rise/Evolve/Beyond
Shopware-Lizenz 0 € ab ca. 600 €/Monat*
Hosting 50–500 €/Monat in Cloud-Plänen enthalten
Setup & Entwicklung 10.000–100.000+ € 10.000–150.000+ €
Wartung & Support 500–2.000 €/Monat 500–3.000+ €/Monat
Plugins 0–5.000+ € 0–5.000+ €
Integrationen (ERP/PIM/CRM) 5.000–50.000+ € 5.000–50.000+ €

*Preise abhängig von Umsatzvolumen und gewähltem Plan. Stand der Angaben ohne Gewähr – prüfe aktuelle Konditionen direkt bei Shopware.

Migration und Relaunch: Wann lohnt sich der Wechsel zu Shopware?

Ein Relaunch ist ein großes Projekt. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Typische Trigger sind:

  • Deine aktuelle Plattform ist technisch veraltet oder wird nicht mehr unterstützt
  • Wachstum: Du brauchst B2B-Features, Internationalisierung oder komplexe Integrationen
  • Prozesskomplexität: Deine individuellen Anforderungen lassen sich nicht mehr abbilden
  • Content-Anforderungen: Du brauchst mehr Flexibilität für Landing Pages, Storytelling, SEO

Migrationsbausteine

  • Produkte, Kategorien, Medien: Qualität und Mappings sind der Kern. Plane Zeit für Daten-Cleaning ein.
  • Kunden, Bestellungen: Nur migrieren, wenn fachlich nötig (z. B. für Kundenbindung, Retouren-Historie).
  • SEO: Redirects (301), Canonicals, URL-Strategie, Indexierung – nichts davon darf vergessen werden.
  • Tracking/Consent/Datenschutz: Cookie-Consent, Google Analytics, Datenschutzerklärung, Auftragsverarbeitung.

Cutover-Plan

Der Go-Live ist ein kritischer Moment. Du brauchst: ein Freeze-Zeitfenster (keine Änderungen im Altsystem), Daten-Deltas (was hat sich seit dem letzten Export geändert?), einen Rollback-Plan (was tun, wenn es schiefgeht?) und einen Kommunikationsplan (wer informiert Kunden, Partner, Team?).

Wenn du vorab sauber evaluieren willst, ob Setup, Daten und Prozesse wirklich „ready" sind, hilft ein strukturierter Shopware-Check, um Risiken früh sichtbar zu machen.

Typische Probleme, ihre Ursachen und Lösungen mit Shopware

Lass uns konkret werden. Hier sind häufige Herausforderungen – und wie Shopware sie löst:

Problem Ursache Shopware-Lösung Erfolgskriterium
Langsame Ladezeiten Theme/JS, Plugins, große Datenmengen, fehlende Caching-Strategie Frontend-Optimierung, Bildkomprimierung, HTTP-Caching, CDN, Plugin-Audit Core Web Vitals unter Zielwert, Ladezeit < 2 Sek.
Komplexe Preislogiken Staffelpreise, kundengruppenspezifische Preise, B2B-Preislisten Rule Builder, Advanced Pricing, Custom Plugin Korrekte Preisanzeige in 100 % der Fälle, nachvollziehbar in Logs
Suche liefert falsche Ergebnisse Index/Ranking, fehlende Synonyme, Filterlogik Search-Ranking anpassen, Synonyme pflegen, ggf. Elasticsearch Search-to-cart-Rate steigt, Nutzer finden schneller
Checkout-Abbrüche Unklare Kosten, zu viele Schritte, Payment-Fehler Checkout-Flow straffen, Payment-Integration testen, Fehlermeldungen verbessern Abbruchrate sinkt um X %, Payment-Fails unter 2 %
Content-Team will unabhängig arbeiten Änderungen erfordern Developer CMS-Layouts, Shopping Experiences, klare Governance Content-Team kann 80 % der Änderungen selbst umsetzen

Monitoring und Betrieb: Der unsichtbare Erfolgsfaktor

Ein Shop läuft nicht „einfach so". Professioneller Betrieb bedeutet:

  • Monitoring-Stack aufsetzen: Tools wie Sentry (für Fehler-Tracking), New Relic oder Datadog (für Performance), Uptime-Monitoring
  • Log-Auswertung: Regelmäßig Logs prüfen (Fehler, Warnungen, auffällige Patterns)
  • Backup & Restore: Tägliche Backups, mindestens monatlich Restore-Tests
  • Security-Patches: Shopware-Updates zeitnah einspielen, Plugin-Updates prüfen

Auswahlkriterien: Woran du einen kompetenten Partner erkennst

Nicht jede Agentur, die „Shopware" auf der Website stehen hat, verfügt über echte Expertise. Hier sind Fragen, die du im Briefing stellen solltest – und Warnsignale, auf die du achten musst.

Gute Fragen an eine Agentur oder einen Developer

  • Wie sieht euer Briefing-/Discovery-Vorgehen aus, bevor ihr Aufwand schätzt?
  • Welche Annahmen sind im Angebot enthalten (Datenqualität, Anzahl Schnittstellen, Content-Menge, Verantwortlichkeiten)?
  • Wie dokumentiert ihr Anforderungen (User Stories, Akzeptanzkriterien) und wie läuft die Abnahme?
  • Wie geht ihr mit Änderungen um (Change-Request-Prozess, Priorisierung, Budget-/Timeline-Auswirkungen)?
  • Wie sieht Übergabe aus (Doku, Rechte/Zugänge, Schulung, Wartung/Support)?
  • Wie erweitert ihr Shopware: Plugin-Strategie statt direkte Änderungen am Kern?
  • Wie sieht euer Update-/Release-Prozess aus (Staging, Tests, Wartungsfenster)?
  • Welche konkreten Shopware-6-Techniken nutzt ihr (DAL, Event Subscriber, Decorators, Symfony Messenger)?
  • Wie geht ihr mit Performance-Bottlenecks um (konkrete Maßnahmen, nicht nur „wir optimieren")?

Warnsignale

  • „Geht schon irgendwie" – ohne klaren Abnahme- und Go-Live-Plan
  • Keine Tests, kein Staging-System
  • Plugin-Overload ohne Governance (20+ Plugins ohne Kompatibilitätsprüfung)
  • Unklare Angebotsannahmen (z. B. „Daten/Integrationen später irgendwie")
  • Fehlende Messbarkeit (keine KPIs, kein Tracking-Konzept)
  • Keine Referenzen oder Case Studies zu vergleichbaren Projekten
  • Kein klares Verständnis für Shopware-6-spezifische Architektur

Checkliste: Shopware-Readiness vor Relaunch oder Migration

Bevor du startest, solltest du diese Punkte abhaken können:

  • Ziele & KPIs: Messbare Erfolgskriterien definiert?
  • Daten: Produktdaten, Medien, Attribute – Qualität geprüft, Duplikate bereinigt?
  • Prozesse: Bestellprozess, Freigaben, Preislogiken, Versand/Zahlung – dokumentiert und getestet?
  • Schnittstellen: ERP/PIM/CRM – Verantwortlichkeiten geklärt, Fehlerfall-Szenarien definiert?
  • Tracking: Cookie-Consent, Google Analytics, Conversion-Tracking – Setup geplant?
  • Rechtliches: Impressum, Datenschutz, AGB, Widerrufsrecht – alles vorhanden?
  • Rollen: Wer übernimmt Product Owner, Tech Lead, Data Owner, Content, Ops?
  • Budget & Timeline: Realistisch kalkuliert, Puffer eingeplant?
  • Staging & Testing: Test-Umgebung vorhanden, Testfälle definiert?

Wartung, Updates, Sicherheit: Der laufende Betrieb

Ein Shop braucht Pflege. Ohne regelmäßige Wartung riskierst du Sicherheitslücken, Performance-Probleme und Ausfälle.

Update-Strategie

Plane feste Wartungsfenster ein (z. B. monatlich oder quartalsweise). Teste Updates immer erst auf einem Staging-System, bevor sie auf Live gehen. Prüfe Kompatibilität von Plugins.

Security-Basics

  • Rollen & Rechte: Admin-Zugriffe minimieren (Least Privilege), 2FA aktivieren, wenn möglich
  • Secrets-Handling: Keine Passwörter oder API-Keys im Code-Repository
  • Backup & Restore: Regelmäßige Backups, Restore-Tests durchführen
  • Plugin-/Dependency-Patching: Sicherheitsupdates zeitnah einspielen

Compliance & DSGVO

  • Cookie-Consent sauber implementiert
  • Datenminimierung (nur Daten erheben, die du wirklich brauchst)
  • Auftragsverarbeitung mit Dienstleistern geregelt
  • Hosting-Standort bewusst wählen (EU-Server für DSGVO-Konformität)

Fazit: Shopware ist die richtige Wahl – wenn du bereit bist, in Qualität zu investieren

Zurück zu unserem Montagmorgen. Das Meeting ist vorbei, die Zahlen liegen auf dem Tisch. Du weißt jetzt: Die sinkende Conversion-Rate ist kein Marketing-Problem. Sie ist das Symptom für fehlerhafte ERP-Daten, einen zu komplexen Checkout und eine Suche, die nicht liefert, was Kunden erwarten.

Ein kompetenter Shopware Developer – ob intern oder bei einem erfahrenen Partner – hilft dir, diese Probleme systematisch zu lösen. Nicht mit Quick-Fixes, sondern mit sauberer Konzeption, durchdachten Prozessen, wartbarem Code und einem klaren Blick auf messbare Ziele.

Shopware ist eine leistungsstarke Plattform – für Unternehmen, die wachsen wollen, ihre Prozesse ernst nehmen und bereit sind, in Stabilität, Daten und Betrieb zu investieren. Wenn du diese Bereitschaft mitbringst, bietet Shopware dir die Flexibilität, Kontrolle und Erweiterbarkeit, die du brauchst, um im E-Commerce langfristig erfolgreich zu sein.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Shopware die richtige Plattform ist – sondern ob du die richtigen Partner, Prozesse und Prioritäten hast, um sie erfolgreich zu nutzen.

 

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