Du pflegst gerade deine Produktdaten und stellst fest: Für den Pflegehinweis, die Materialzusammensetzung oder interne Lieferflags gibt es in Shopware kein passendes Feld. Die Beschreibung ist schon voll, die Attribute reichen nicht aus, und du willst keine Workarounds mit versteckten Kategorien oder kryptischen Notizen in Freitextfeldern. Genau hier kommen Shopware Zusatzfelder ins Spiel – eine flexible Lösung, um dein Datenmodell sauber zu erweitern, bei Bedarf auch mit Unterstützung einer Shopware Agentur.
Dieser Artikel erklärt dir praxisnah, was Shopware Zusatzfelder sind, wann du sie wirklich brauchst, wo du sie findest, wie du sie anlegst und welche Feldtypen es gibt. Du erfährst auch, wann Zusatzfelder die richtige Wahl sind – und wann nicht.
Unter Shopware Zusatzfeldern versteht man frei definierbare Datenfelder, mit denen du Standard-Entitäten wie Produkte, Kategorien oder Kunden um eigene Informationen ergänzen kannst. In Shopware 6 heißen diese Felder offiziell „Benutzerdefinierte Felder" oder im Englischen „Custom Fields".
Der große Vorteil: Du erweiterst das Datenmodell ohne Core-Eingriffe. Das bedeutet weniger Aufwand bei Updates und sauberere Wartung. Typische Einsatzgebiete sind:
Entscheidungshilfe: Wann Zusatzfelder, wann Eigenschaften, wann Varianten?
Eine der häufigsten Fragen: Warum nicht einfach Eigenschaften oder Varianten nutzen? Hier die klare Abgrenzung:
| Funktion | Wann nutzen? | Beispiel |
|---|---|---|
| Eigenschaften (Properties) | Filterbare, produktübergreifende Merkmale für Suche und Navigation | Farbe, Größe, Material, Marke |
| Varianten | Produkt existiert in mehreren Ausführungen mit eigenen Beständen/Preisen | T-Shirt in S/M/L, Schuhe in verschiedenen Farben |
| Zusatzfelder | Produkt-/kategorienspezifische Infos, nicht filterbar, strukturiert gepflegt | Pflegehinweis, Montagezeit, interne Notiz, Zolltarif |
Faustregel: Wenn du filterbare Produktmerkmale brauchst, nutze Shopware Eigenschaften. Wenn du unterschiedliche Produktvarianten mit eigenen Beständen hast, nutze Varianten. Wenn du einfach zusätzliche, strukturierte Infos zu einzelnen Produkten brauchst, sind Zusatzfelder richtig.
Von Shopware 5 zu Shopware 6: Was wird aus Freitextfeldern?
Wenn du aus Shopware 5 kommst, kennst du vielleicht die klassischen Freitextfelder Shopware. Diese wurden in Shopware 6 durch die benutzerdefinierten Felder (Custom Fields) ersetzt. Die Logik ist ähnlich, aber die Verwaltung ist strukturierter: Felder werden in Sets organisiert, können mehrsprachig gepflegt werden und lassen sich flexibler verschiedenen Entitäten zuweisen.
Der Einstieg ist einfach: In deiner Shopware 6 Administration navigierst du zu Einstellungen → System → Benutzerdefinierte Felder. Dort siehst du eine Übersicht aller bereits angelegten Feld-Sets. Mit dem Button „Neues Set hinzufügen" legst du ein neues Feld-Set an – die Basis für deine zusätzlichen Felder in Shopware 6.
Wichtig: Du brauchst ausreichende Admin-Rechte, sonst siehst du den Menüpunkt nicht oder kannst keine Änderungen vornehmen. Falls du den Punkt nicht findest, prüfe deine Benutzerrolle in der Administration.
Ein zentrales Konzept in Shopware 6: Zusatzfelder werden nicht „irgendwo direkt" erstellt, sondern immer innerhalb eines Feld-Sets. Ein Feld-Set ist eine logische Gruppe von benutzerdefinierten Feldern, die einem oder mehreren Programmbereichen (Entitäten) zugewiesen werden kann – zum Beispiel Produktseiten, Kategorien oder Kunden.
Der Vorteil dieser Struktur: Du behältst die Übersicht, kannst Sets wiederverwenden und sorgst für konsistente Datenpflege. Ein durchdachtes Datenmodell planst du am besten, bevor du Sets anlegst: Welche Informationen sollen wo gepflegt werden? Welche Felder gehören zusammen? Welche Entitäten sollen erweitert werden?
Klicke in der Übersicht auf „Neues Set hinzufügen". Es öffnet sich ein Fenster, in dem du folgende Punkte konfigurierst:
Speichere das Set. Erst danach kannst du einzelne Felder hinzufügen.
Zusatzfeld im Set anlegen: Die wichtigsten Konfigurationspunkte
Innerhalb des Sets klickst du auf „Neues benutzerdefiniertes Feld". Jetzt legst du die Details des Feldes fest. Folgende Einstellungen kommen fast immer vor:
Die weiteren Optionen hängen vom gewählten Feldtyp ab – und davon gibt es einige.
Shopware 6 bietet eine breite Palette an Feldtypen. Hier die wichtigsten mit Praxisbezug:
Textfeld (einzeilig)
Für kurze Werte wie „Material", „Hersteller-Artikelnummer", „EAN-Ergänzung" oder „USP 1". Konfigurierbar: technischer Name, Position, erforderlich, Label, Hilfetext, Platzhalter.
Textarea (mehrzeilig)
Für längere Hinweise wie „Montagehinweis", „Lieferhinweis", „Sicherheitshinweis". Bietet mehr Platz für formatierte Texte.
Nummernfeld
Für numerische Werte wie „Zuschnitt in cm", „Pfandbetrag", „Mindestalter", „Stückzahl im Set". Du kannst wählen zwischen Ganzzahl oder Fließkomma und optional Minimal-/Maximalwerte setzen.
Auswahlfeld (Select)
Strukturierte Auswahl aus vordefinierten Optionen, z. B. „Pflegeklasse A/B/C". Du definierst die Optionen selbst, kannst Mehrfachauswahl aktivieren und einen Platzhalter setzen.
Checkbox
Boolesche Werte (wahr/falsch), z. B. „Für Newsletter-Teaser nutzen", „Zusätzlicher Hinweis anzeigen". Erscheint als Kästchen zum Anhaken.
Datum-/Uhrzeit-Feld
Für Termine, Verfügbarkeitsfenster, Launch-Datum. Zeigt Kalender- und Uhrzeitauswahl.
Medienfeld
Ermöglicht das Anhängen von Dateien oder Medien, z. B. „Zusatzbild", „Datenblatt", „Zertifikat PDF". Best Practice: Erlaubte Dateitypen einschränken (Sicherheit und Ordnung).
Für jeden Typ gilt: Konfiguriere technischen Namen, Position, Label, Hilfetext und ggf. Validierungsregeln (z. B. Pflichtfeld, Min-/Max-Werte).
Die technische Benennung deiner Shopware Zusatzfelder ist entscheidend für Ordnung und Wartbarkeit. Hier ein paar Regeln:
Ohne saubere Konventionen entsteht schnell Chaos, gerade wenn mehrere Personen im Team Felder anlegen. Dokumentiere dein Naming-System und prüfe regelmäßig, ob alle sich daran halten.
Sobald du ein Feld-Set einer Entität zugewiesen hast, erscheinen die Felder in der entsprechenden Maske – bei Produkten in der Produktverwaltung, bei Kategorien in der Kategorieverwaltung. Die Sortierung richtet sich nach der „Position", die du im Feld-Set definiert hast.
Achte darauf, Pflichtfelder bewusst einzusetzen. Zu viele Pflichtfelder bremsen Redakteure und Shop-Manager aus. Überlege, welche Informationen wirklich zwingend sind und welche optional bleiben können.
Dokumentiere für dein Team, welche Felder welchen Zweck haben – besonders bei internen Flags oder technischen Werten. Eine kurze Anleitung im Wiki oder als PDF spart später viele Rückfragen.
Zusatzfelder sind zunächst nur Daten – sichtbar werden sie erst, wenn du sie im Frontend ausgibst. Dafür musst du Templates anpassen, entweder in deinem Theme oder in einem eigenen Plugin. Wichtig: Template-Anpassungen erfordern grundlegende Kenntnisse in Shopware 6 Twig und Shopware-Templating.
Wenn du damit nicht vertraut bist oder keine Entwickler:in im Team hast, solltest du dafür eine Agentur oder Freelancer hinzuziehen. Typischer Aufwand für einfache Frontend-Ausgaben: 1–3 Entwicklertage, je nach Komplexität und Theme-Struktur.
Was ist technisch ohne Agentur machbar?
Ohne technische Kenntnisse kannst du:
Mit Agentur/Entwicklung kannst du zusätzlich:
Je nach Branche und Sortiment bieten sich unterschiedliche Shopware Zusatzfelder an. Hier ein paar konkrete Beispiele:
| Branche | Mögliche Zusatzfelder |
|---|---|
| Mode | Materialzusammensetzung, Pflegecodes, Herkunft, Passform |
| Möbel | Aufbauzeit, Raumempfehlung, Lieferart (Spedition/Paket), Pflegehinweis Holz |
| B2B | Interne Artikelklassifikation, Gefahrgut-Flag, Zolltarifnummer, Verpackungseinheit |
| Lebensmittel | Mindesthaltbarkeit, Allergene (strukturiert), Kühlhinweis |
| Elektronik | Energieeffizienzklasse, Garantiezeit, Datenblatt (Medienfeld) |
Solche Felder machen deine Produktdaten nicht nur vollständiger, sondern auch vertrauenswürdiger – ein echter Conversion-Hebel.
Auch wenn Shopware Zusatzfelder einfach klingen, tauchen in der Praxis immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Hier die häufigsten Fehlerquellen und ihre Lösungen:
Viele Shop-Betreiber:innen fragen sich: Kann ich Zusatzfelder selbst anlegen oder brauche ich eine Agentur? Hier eine realistische Einschätzung:
Typische Agentur-Kosten für Custom-Fields-Setup inkl. Frontend-Ausgabe: 1.000–3.000 EUR. Für komplexe Import- oder Konfigurations-Logik deutlich mehr.
Shopware Zusatzfelder – oder benutzerdefinierte Felder – sind ein mächtiges Werkzeug, um dein Datenmodell flexibel zu erweitern. Mit ihnen kannst du strukturierte Zusatzinformationen pflegen, die genau zu deinem Geschäftsmodell passen: von Pflegehinweisen über technische Daten bis hin zu internen Flags.
Die drei Kernschritte sind: Set anlegen, Felder definieren, im Frontend gezielt ausgeben (letzteres erfordert Template-Anpassung oder Agentur). Entscheidend für den Erfolg sind eine saubere Naming-Konvention, durchdachte Zuweisung, klare Abgrenzung zu Eigenschaften und Varianten sowie eine realistische Einschätzung, was intern machbar ist und wo du Unterstützung brauchst.
Investiere Zeit in die Planung: Welche Felder brauchst du wirklich? Wie sollen sie heißen? Wer pflegt sie? Wo werden sie ausgespielt? Mit dieser Klarheit schaffst du ein zukunftssicheres, wartbares Datenmodell – ohne Core-Hacks, ohne Chaos, mit klarem Nutzen für Redaktion, Kunden und Geschäftsprozesse.
Wenn Zusatzfelder nicht mehr reichen – etwa bei Kundeneingaben pro Bestellposition, komplexen Filtern oder umfangreichen Importen – lohnt sich der Schritt zu individueller Entwicklung oder einem spezialisierten Plugin. Dann hast du mit Shopware Zusatzfeldern aber bereits eine solide Basis geschaffen, auf der du aufbauen kannst.