Es ist Montagmorgen, 9:17 Uhr. Dein aktueller Shop läuft auf einer veralteten Plattform, die Ladezeiten sind katastrophal, und die letzte Sicherheitslücke hat dich eine schlaflose Nacht gekostet. Du hast beschlossen: Ein Relaunch muss her – am besten mit Shopware. Aber jetzt stehst du vor der entscheidenden Frage: Wer soll das Projekt umsetzen? Die Google-Suche spuckt dutzende Agenturnamen aus. Doch was verbirgt sich hinter den Versprechen? Ist das eine Shopware-Agentur mit echter Tiefe, ein spezialisiertes Team oder nur Marketing-Gerede? Und vor allem: Passt dieser Partner zu deinem konkreten Vorhaben – sei es Migration, Optimierung oder kompletter Neuaufbau?
In diesem Artikel bekommst du einen umfassenden Leitfaden an die Hand, mit dem du selbst beurteilen kannst, ob dein Shopware-Projekt professionell aufgesetzt ist – egal, mit welchem Partner du arbeitest. Von Budget und Kostentreibern über Migration und Performance bis hin zu Betrieb, Security und Integrationen: Hier erfährst du, worauf es wirklich ankommt, welche Stolperfallen lauern und wie du Qualität von Buzzword-Marketing unterscheidest.
Kurzüberblick: Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
Keine Zeit für den kompletten Artikel? Hier die Kernbotschaften:
- Professionelle Shopware-Qualität erkennst du an klaren Prozessen, transparenter Kommunikation und messbaren technischen Kriterien
- Shopware passt zu dir, wenn du Flexibilität, Content-Möglichkeiten und Skalierung brauchst (D2C, B2B, wachsende Sortimente)
- MVP (Basisshop mit Template): 15.000–30.000 €, mittelkomplex (Custom Design, einige Integrationen): 40.000–80.000 €, komplex (Custom Features, mehrere Integrationen, Migration): 80.000–200.000+ €
- Projektphasen: Discovery → Design → Entwicklung → Testing → Go-live → Hypercare. Plane 3–12 Monate je nach Umfang
- Achte bei der Partnerwahl auf Projekterfahrung, Budgettransparenz, Performance-Konzept, Update-Prozess, Integrationskompetenz und SEO-Relaunch-Plan
- Red Flags: Kein klarer Scope, Performance als Afterthought, kein Staging, vage Update-Strategie, Integrationen ohne Verantwortlichkeiten
- Nach Go-live: Updates, Monitoring, Security, KPI-Review, Backlog-Planung – ein Shop ist nie fertig
Was bedeutet Qualität bei Shopware-Projekten konkret?
Bevor wir tiefer einsteigen, schaffen wir Klarheit: Qualität bei Shopware-Projekten zeigt sich nicht in Buzzwords, sondern in konkreten, nachprüfbaren Kriterien. Ein professioneller Partner zeichnet sich durch klare Prozesse, technische Tiefe und nachvollziehbare Kommunikation aus. Die Kriterien, die wir hier durchgehen, gelten universell – egal, mit welchem Dienstleister du arbeitest.
Für wen ist dieser Leitfaden relevant? Typischerweise für drei Zielgruppen:
- Du planst deinen ersten professionellen Onlineshop und willst von Anfang an auf ein skalierbares, wartbares System setzen. Du brauchst Orientierung, realistische Budgetplanung und einen Partner, der dich nicht mit Fachbegriffen erschlägt
- Du hast bereits einen Shop am Laufen, aber Performance-Probleme, technische Schulden oder veraltete Plugins bremsen dich aus. Du suchst nach einem Team, das tief in die Architektur einsteigen kann
- Dein Geschäft expandiert, du brauchst komplexere Integrationen (ERP, WMS, PIM), internationale Märkte oder B2B-Funktionen – und ein Team, das mit dir mitwächst
Shopware 6 Architektur-Entscheidungen: Store-API vs. Twig und Sales-Channel-Konzept
Für technisch versierte Entscheider ist die Wahl der richtigen Architektur-Strategie entscheidend. Shopware 6 bietet zwei grundlegende Rendering-Ansätze:
Store-API vs. Twig-Rendering
- Twig-Rendering (klassisches Server-Side Rendering): HTML wird serverseitig generiert und ausgeliefert. Vorteil: SEO-freundlich out-of-the-box, schnelle Time-to-First-Byte, einfachere Entwicklung für Standard-Shops. Nachteil: Bei komplexen Interaktionen kann es zu Page-Reloads kommen
- Store-API (Headless/PWA): Frontend kommuniziert über die Store-API mit Shopware. Vorteil: Maximale Flexibilität, bessere Client-Side-Performance, moderne UX. Nachteil: SEO erfordert Server-Side-Rendering, höhere Entwicklungskomplexität, mehr Aufwand für Caching-Strategie
Die Entscheidung hängt ab von Anforderungen an UX-Interaktivität, SEO-Priorität, Team-Skills, Budget und Time-to-Market. Für B2C-Shops mit starkem SEO-Fokus ist Twig meist die bessere Wahl. Für komplexe B2B-Portale oder internationale Projekte mit hohen UX-Anforderungen kann ein Headless-Ansatz sinnvoll sein.
Sales-Channel-Konzept richtig nutzen
Shopware 6 bietet das Sales-Channel-Konzept: Ein Sales Channel ist eine eigenständige Verkaufsinstanz. Jeder Sales Channel kann eigene Domains, Sprachen, Währungen, Designs, Produktsortimente und Preise haben.
Typische Anwendungsfälle:
- Internationalisierung: Ein Sales Channel pro Land/Markt mit lokalen Steuern, Versandregeln, Zahlarten
- B2B + B2C: Ein Sales Channel für Endkunden, ein separater für Geschäftskunden mit individuellen Preislisten, Freigabeprozessen, Zahlungszielen
- Marken/Sub-Brands: Mehrere Marken unter einer Shopware-Instanz, jede mit eigenem Design und Sortiment
Worauf achten? Sales Channels teilen sich die gleiche Produktdatenbank, aber du kannst per Produkt-Zuordnung steuern, welche Produkte in welchem Channel sichtbar sind. Performance-Tipp: Nutze separate Domains oder Subdomains pro Sales Channel, damit HTTP-Cache sauber greift.
DAL-Performance: Shopware Data Abstraction Layer optimieren
Die Shopware Data Abstraction Layer ist das zentrale Query-System. Typische Performance-Bottlenecks und Lösungen:
- N+1-Queries: Wenn du in einer Schleife Entities lädst, ohne Associations zu nutzen, entstehen hunderte einzelne DB-Queries. Lösung: Nutze Criteria Associations, um Related Entities in einem Query zu laden
- Fehlende Indizes: Custom-Felder oder Filter, die nicht indexiert sind, führen zu Full-Table-Scans. Lösung: Erstelle DB-Indizes für häufig gefilterte Felder
- Aggregationen ohne Elasticsearch: Facettenfilter und Kategorie-Listings ohne Elasticsearch belasten die MySQL-DB stark. Lösung: Elasticsearch für Produktsuche und Listings aktivieren
Best Practice: Nutze Event Subscriber statt Decorator, wo möglich, um Logik zu erweitern, ohne Core-Services zu überschreiben. Decorator sind mächtiger, aber fehleranfälliger bei Updates. Event Subscriber sind wartungsfreundlicher.
Caching-Setup: HTTP-Cache, Redis und Strategie
Caching ist der entscheidende Performance-Hebel in Shopware 6. Hier die drei Ebenen:
HTTP-Cache (Reverse Proxy)
Shopware 6 liefert einen integrierten HTTP-Cache. Dieser cached vollständige HTTP-Responses und liefert sie bei identischen Requests direkt aus, ohne PHP/DB-Zugriff.
Konfiguration: In der .env-Datei mit entsprechender Variable aktivieren. Cache-Tags werden automatisch gesetzt, sodass bei Produkt-/Kategorie-Änderungen der relevante Cache invalidiert wird.
Varnish als Alternative: Für High-Traffic-Shops kann Varnish als externer Reverse Proxy vor Shopware geschaltet werden. Varnish ist schneller als der Symfony-Cache und bietet mehr Kontrolle über Caching-Regeln. Achtung: Varnish-Setup erfordert VCL-Konfiguration und muss auf Shopware-Cache-Tags reagieren.
Worauf achten? Personalisierte Inhalte (Warenkorb-Badge, Benutzername) dürfen nicht im HTTP-Cache landen. Shopware löst das via Context-Hashing und ESI für dynamische Teile. Teste nach HTTP-Cache-Aktivierung unbedingt: Login-Status, Warenkorb, Preise für Kundengruppen.
Redis für Object-Cache und Sessions
Redis ist ein In-Memory-Key-Value-Store und wird in Shopware für zwei Zwecke eingesetzt:
- Object-Cache (App-Cache): Shopware cached DAL-Queries, Configs, Übersetzungen in Redis. Das entlastet die DB massiv
- Sessions: User-Sessions werden in Redis gespeichert statt im Filesystem. Das ist schneller und ermöglicht Load-Balancing über mehrere App-Server
Konfiguration: In der entsprechenden Config-Datei Redis als Cache-Adapter und Session-Handler eintragen. Typische Redis-Config: 2 separate Redis-Instanzen (eine für Cache, eine für Sessions), oder separate Datenbanken innerhalb einer Redis-Instanz.
Performance-Tipp: Setze sinnvolle TTL-Werte für Cache-Einträge. Zu kurze TTLs führen zu unnötigen Cache-Misses, zu lange TTLs können veraltete Daten ausliefern.
CDN für statische Assets
Bilder, CSS, JS sollten über ein CDN ausgeliefert werden. Das reduziert Latenz (geografisch nähere Server) und entlastet den Origin-Server.
Shopware-Integration: Nutze das Asset-URL-Konzept in Shopware. Du konfigurierst eine CDN-URL, und Shopware generiert automatisch Asset-URLs mit dieser Domain. Das CDN lädt Assets vom Origin und cached sie.
Achte auf Cache-Invalidierung: Wenn du Assets änderst (neues Logo), muss der CDN-Cache geleert werden.
Elasticsearch-Strategie: Performance für Suche und Listings
Elasticsearch ist das Such- und Indexierungs-System für Shopware 6. Ohne Elasticsearch laufen Produktsuche und Kategorie-Listings über MySQL – das skaliert schlecht bei großen Katalogen (10.000+ Produkte) und vielen Filtern/Facetten.
Wann Elasticsearch aktivieren?
- Sortiment größer als 5.000 Produkte: MySQL-Queries für Listings werden langsam
- Viele Facettenfilter: Farbe, Größe, Material, Preis – jede Facette ist eine Aggregation, die Elasticsearch deutlich schneller berechnet
- Volltext-Suche: Elasticsearch bietet bessere Relevanz-Scoring, Fuzzy-Matching, Synonyme
Setup und Konfiguration
Elasticsearch wird als externer Service betrieben (selbst gehostet, AWS Elasticsearch, Elastic Cloud). In Shopware aktivierst du Elasticsearch über die Admin-Oberfläche oder via CLI-Command.
Nach Aktivierung muss ein vollständiger Index-Build durchgeführt werden. Dieser Command liest alle Produkte aus der DB und schreibt sie in den Elasticsearch-Index. Bei großen Katalogen kann das Stunden dauern – plane das für Wartungsfenster.
Worauf achten? Index-Updates müssen inkrementell laufen: Wenn du ein Produkt änderst, muss Shopware den Elasticsearch-Index aktualisieren. Das passiert via Message-Queue (asynchron). Stelle sicher, dass die Queue-Worker laufen.
Performance-Tuning
- Index-Sharding: Bei sehr großen Katalogen (100.000+ Produkte) kann es sinnvoll sein, den Index auf mehrere Shards zu verteilen
- Replica-Shards: Für High-Availability solltest du mindestens 1 Replica-Shard konfigurieren
- Filter-Performance: Nutze Elasticsearch-Aggregationen für Facetten. Vermeide Custom-Filter, die auf MySQL zurückfallen
Deploy, CI/CD und Zero-Downtime-Migrations
Professionelle Shopware-Projekte brauchen einen sauberen Deployment-Prozess. Manuelle FTP-Uploads sind fehleranfällig und führen zu Downtime.
CI/CD-Pipeline für Shopware
Eine typische CI/CD-Pipeline für Shopware 6 umfasst:
- Version Control (Git): Code liegt in einem Git-Repository
- Automated Testing: Unit-Tests, Integration-Tests laufen bei jedem Commit/Pull-Request
- Build-Step: Composer-Dependencies installieren, Assets kompilieren, Code-Qualität prüfen
- Deployment: Code wird auf Staging/Production deployed
Tools: GitLab CI, GitHub Actions, Jenkins, Bitbucket Pipelines. Für Shopware 6 haben sich bestimmte Deployment-Tools bewährt.
Blue-Green-Deployment und Zero-Downtime
Bei einem klassischen Deployment wird der alte Code durch neuen Code ersetzt – während des Deployments ist der Shop kurzzeitig offline oder instabil. Blue-Green-Deployment vermeidet das:
- Prinzip: Du hast zwei identische Produktionsumgebungen (Blue und Green). Eine ist live, die andere idle. Du deployest den neuen Code auf die idle Umgebung, testest dort, und switchst dann den Traffic. Falls Probleme auftreten, switchst du zurück
- Umsetzung: Benötigt Load-Balancer oder DNS-Switching. In der Praxis oft mit Kubernetes oder Docker Swarm umgesetzt
Für kleinere Projekte reicht oft Symlink-Switching: Der Webserver zeigt auf einen Symlink, der auf das aktuelle Release zeigt. Beim Deployment wird ein neues Release-Verzeichnis erstellt, getestet, und dann der Symlink atomar umgebogen.
Datenbank-Migrationen ohne Downtime
Shopware nutzt Migrations für DB-Schema-Änderungen. Kritisch: Manche Migrationen (Spalten löschen, Tabellen umbenennen) können Downtime verursachen, wenn sie während laufendem Betrieb ausgeführt werden.
Best Practice für Zero-Downtime-Migrations:
- Additive Changes first: Neue Spalten/Tabellen hinzufügen, ohne alte zu löschen. Deploy Code, der beide Versionen unterstützt. Dann in einem zweiten Schritt alte Spalten entfernen
- Backward-kompatible Migrationen: Migrationen so schreiben, dass alter und neuer Code gleichzeitig laufen können
- Database-Rollback-Plan: Falls Migration fehlschlägt, muss ein Rollback möglich sein (ohne Datenverlust)
Observability: Monitoring, Logging und APM
Nach Go-live brauchst du vollständige Transparenz über das, was im Shop passiert. Das Stichwort heißt Observability – die Fähigkeit, den Zustand deines Systems jederzeit zu verstehen.
Error-Tracking
Error-Tracking-Tools sind der Standard für moderne Web-Apps. Shopware 6 lässt sich einfach integrieren.
Was bringt dir Error-Tracking? Jeder PHP-Error, jede Exception wird automatisch erfasst. Du bekommst:
- Stack-Traces: Wo genau ist der Fehler aufgetreten?
- Kontext: Welcher User, welche URL, welche Browser-Version?
- Häufigkeit: Wie oft tritt der Fehler auf? Ist das ein neues Problem oder ein alter Bug?
- Alerting: Bei kritischen Fehlern (Checkout-Fehler) bekommst du sofort eine Benachrichtigung
Best Practice: Definiere Error-Budgets (maximal 0,1% Error-Rate) und tracke diese als KPI. Wenn die Error-Rate steigt, priorisierst du Bugfixes vor neuen Features.
Application Performance Monitoring (APM)
APM-Tools tracken Performance-Metriken auf Transaktionsebene: Wie lange dauert ein Checkout? Welche DB-Queries sind langsam? Wo sind Bottlenecks?
Typische APM-Tools für PHP/Shopware:
- Umfassendes APM mit Transaction-Tracing, DB-Query-Analyse, External-Service-Monitoring
- Profiling-Tool speziell für PHP. Zeigt detaillierte Call-Graphs, identifiziert Performance-Bottlenecks
- APM speziell für PHP/Symfony, gut geeignet für Shopware 6
Was tracken? Response-Zeit (Avg, P95, P99), Throughput (Requests/Minute), Error-Rate, DB-Query-Performance, External-API-Calls, Memory-Usage.
Strukturiertes Logging
Shopware 6 nutzt Monolog für Logging. Logs sollten strukturiert sein (JSON-Format), damit sie maschinell auswertbar sind.
Best Practice: Nutze Log-Levels sinnvoll (DEBUG, INFO, WARNING, ERROR, CRITICAL). ERROR und CRITICAL sollten aktiv überwacht werden. DEBUG-Logs nur in Development/Staging, nicht in Production (Performance-Impact).
Plugin-Qualität bewerten: Event Subscriber vs. Decorator, Update-Sicherheit
Shopware 6 hat ein Plugin-Ecosystem. Nicht jedes Plugin ist gleich gut. Hier die Kriterien, um Qualität zu bewerten:
Event Subscriber vs. Decorator
Shopware bietet zwei Haupt-Mechanismen, um Core-Verhalten zu erweitern:
- Event Subscriber: Du registrierst dich auf Events und reagierst darauf. Events sind lose gekoppelt – dein Code läuft unabhängig vom Core. Vorteil: Update-sicher, wartungsfreundlich. Nachteil: Nicht für alle Use Cases geeignet
- Decorator: Du wrappst einen Core-Service und überschreibst einzelne Methoden. Vorteil: Du kannst Core-Logik komplett ändern. Nachteil: Enger gekoppelt an Core-Implementierung, anfälliger für Breaking Changes bei Updates
Faustregel: Nutze Events, wo möglich. Decorator nur, wenn Events nicht ausreichen. Prüfe bei Plugins: Nutzt das Plugin hauptsächlich Events? Gutes Zeichen. Viele Decorators? Potenziell problematisch bei Updates.
Update-Sicherheit prüfen
Fragen, die du stellen solltest:
- Wann wurde das Plugin zuletzt aktualisiert? Wenn das letzte Update 12+ Monate her ist, ist das Plugin möglicherweise nicht mehr maintained
- Unterstützt es die aktuelle Shopware-Version? Prüfe die Composer-Constraints
- Gibt es ein öffentliches Issue-Tracking? Sind Issues offen und unbeantwortet?
- Wie viele Downloads/Bewertungen? Plugins mit vielen Downloads und guten Bewertungen sind tendenziell stabiler
Custom-Plugin-Entwicklung: Best Practices
Wenn du Custom-Plugins entwickeln lässt, achte auf:
- Symfony Best Practices: Shopware 6 basiert auf Symfony. Plugins sollten Symfony-Conventions folgen (Dependency Injection, Services, Events)
- Unit-Tests: Kritische Logik sollte getestet sein. Das erleichtert Refactoring und Updates
- DAL-Nutzung: Nutze die Shopware DAL für DB-Zugriffe, nicht raw SQL. Das macht Plugins kompatibel mit zukünftigen DB-Schema-Änderungen
- Keine Core-Overrides: Überschreibe niemals Core-Dateien direkt. Nutze Events, Decorators oder Template-Extends
Konkrete KPIs und Benchmarks: Was sind realistische Performance-Ziele?
Für technisch versierte Entscheider sind konkrete Zahlen wichtig. Hier typische Performance-Benchmarks für Shopware 6:
Core Web Vitals (für SEO und UX)
- LCP (Largest Contentful Paint): Ziel kleiner 2,5 Sekunden. Realistisch für Startseite/Kategorie: 1,5–2,5 Sekunden. Produktdetailseite: 2,0–3,0 Sekunden (wegen Bildern). Erlebniswelten (Content-heavy): 2,5–3,5 Sekunden
- FID (First Input Delay): Ziel kleiner 100 ms. Meist kein Problem, außer bei exzessivem Third-Party-JavaScript
- CLS (Cumulative Layout Shift): Ziel kleiner 0,1. Häufiges Problem: Bilder ohne width/height-Attribute, dynamisch geladene Ads/Widgets
TTFB (Time to First Byte)
TTFB sollte unter 200–300 ms liegen (gemessen aus der Region des Servers). Höhere Werte deuten auf langsame DB-Queries, fehlenden HTTP-Cache oder überlasteten Server hin.
Checkout-Performance
Checkout-Schritte (Warenkorb, Adresse, Zahlung, Bestätigung) sollten jeweils unter 1 Sekunde TTFB haben. Langsame Checkout-Steps führen direkt zu Abbrüchen.
Elasticsearch-Response-Zeit
Elasticsearch-Queries (Produktsuche, Kategorie-Listings) sollten unter 50 ms liegen (gemessen auf dem Elasticsearch-Server). Höhere Werte deuten auf schlecht optimierte Queries oder überlastete Elasticsearch-Cluster hin.
Typische Bottlenecks in Shopware 6 und wie du sie erkennst
- Langsame DB-Queries: Erkennbar via APM oder Shopware-Profiler. Lösung: Indizes hinzufügen, Queries optimieren, Elasticsearch aktivieren
- Fehlender HTTP-Cache: Erkennbar an hoher Server-Last und langsamen Response-Zeiten trotz niedriger Concurrent-User. Lösung: HTTP-Cache aktivieren
- Zu viele Third-Party-Skripte: Erkennbar via Lighthouse (Third-Party-Impact-Analyse). Lösung: Tag-Disziplin, Skripte asynchron laden, Consent-Management optimieren
- Überlastete Message-Queue: Wenn die Queue-Worker nicht hinterherkommen, stauen sich Messages. Erkennbar im Admin unter System → Queue. Lösung: Mehr Worker-Prozesse starten, Worker-Performance optimieren
- Session-Bottleneck: Bei vielen Concurrent-Users können Filesystem-Sessions zum Bottleneck werden. Lösung: Redis für Sessions nutzen
Integrationen: ERP, WaWi, CRM, PIM, WMS, POS – Datenstrategie und Fehlerbehandlung
Integrationen sind oft der entscheidende Erfolgsfaktor – und gleichzeitig die größte Fehlerquelle. Hier konkrete Best Practices:
Typische Systeme und Schnittstellen
- ERP/WaWi: Warenwirtschaft, Bestandsführung, Einkauf, Buchhaltung
- CRM: Kundenbeziehungsmanagement
- PIM: Product Information Management – zentrale Produktdatenpflege
- WMS: Warehouse Management System – Lagerverwaltung, Kommissionierung
- POS: Point of Sale – Kassensysteme, Click & Collect, Filialbestand
Datenhoheit klären: Wer ist Master?
Die wichtigste Frage bei Integrationen: Wo ist die Single Source of Truth für welche Daten?
Typisches Setup:
- Produktdaten: Master ist PIM (falls vorhanden) oder ERP. Shopware erhält Produktdaten via API/Import, darf sie aber nicht zurückschreiben
- Bestandsdaten: Master ist ERP/WaWi. Shopware fragt Bestände ab (idealerweise cached, nicht live bei jedem Seitenaufruf)
- Kundendaten: Kommt drauf an – bei B2C oft Shopware als Master, bei B2B oft ERP (weil Kunden dort schon existieren)
- Bestelldaten: Shopware ist Master für Bestellungen. Bestellungen werden an ERP übertragen, dort weiterverarbeitet (Kommissionierung, Versand, Rechnung)
Synchrone vs. asynchrone Integration
- Synchron (Real-Time): Shopware ruft API des Drittsystems direkt beim Request auf. Vorteil: Immer aktuell. Nachteil: Performance-Risiko, Fehleranfälligkeit
- Asynchron (Batch/Queue): Daten werden in regelmäßigen Intervallen synchronisiert. Vorteil: Performance, Stabilität. Nachteil: Daten können veraltet sein
Best Practice: Hybrid-Ansatz – unkritische Daten asynchron (Produktbeschreibungen), kritische Daten mit Cache und Fallback (Bestand: cached für 5 Minuten, bei Checkout nochmal live prüfen).
Fehlerbehandlung und Retry-Mechanismen
APIs können fehlschlagen (Timeout, Server-Error, Netzwerk-Problem). Dein System muss damit umgehen können:
- Retry-Logik: Wenn ein API-Call fehlschlägt, automatisch 2–3 weitere Versuche (mit Exponential Backoff: erst nach 1 Sekunde, dann 5, dann 15)
- Dead-Letter-Queue: Wenn alle Retries fehlschlagen, landet die Message in einer Dead-Letter-Queue. Diese wird manuell oder automatisch abgearbeitet, sobald das Problem behoben ist
- Circuit-Breaker: Wenn eine API dauerhaft nicht erreichbar ist, wird sie für eine Weile geöffnet (keine weiteren Calls), um System-Ressourcen zu schonen. Nach einer Abkühlphase wird wieder getestet
- Monitoring: Jede Integration muss überwacht werden: Wie viele Requests? Wie viele Fehler? Wie lange dauern Calls? Alerting bei erhöhter Fehlerrate
Entscheidungshilfe: Messbare Kriterien zur Bewertung von Partnerqualität
Jetzt zur Kernfrage: Woran erkennst du, ob ein Partner wirklich gut ist? Dafür hilft dir in der Praxis auch ein strukturierter Shopware-Check, mit dem du Prozesse, Technik und Dokumentation systematisch abklopfst.
Nachweise und Indikatoren
- Projekterfahrung: Wie viele Shopware-6-Launches/Migrationen? Welche Größenordnung (MVP, mittelkomplex, Enterprise)? Referenzen mit konkreten Zahlen (Traffic, Umsatz, Sortimentsgröße)?
- Technische Tiefe: Kann das Team Architektur-Entscheidungen begründen (Store-API vs. Twig, Elasticsearch-Setup, Caching-Strategie)? Oder nur "das machen wir immer so"?
- Performance-Konzept: Gibt es klare Performance-Baselines? Wie werden Regressionen erkannt? Welche Monitoring-Tools werden eingesetzt?
- Deploy-/Release-Prozess: Wie werden Updates ausgerollt? Gibt es CI/CD? Staging/QA? Zero-Downtime-Strategie?
- Integrationskompetenz: Erfahrung mit ERP/CRM/PIM/WMS? Konkrete Beispiele für erfolgreiche Integrationen? Fehlerbehandlung/Retry-Mechanismen Standard?
- Betrieb/Support: SLA, Reaktionszeiten, proaktive Betreuung (monatliche Performance-Reports, Security-Audits)?
- Transparenz: Wird Code dokumentiert? Gibt es Runbooks (Was tun bei Server-Ausfall?)? Wissenstransfer an internes Team?
Red Flags: Wann solltest du skeptisch werden?
- Vage Architektur-Aussagen: "Wir machen das performant" ohne konkrete Maßnahmen (HTTP-Cache, Elasticsearch, CDN)
- Keine Staging-Umgebung: "Wir testen auf Live" ist ein absolutes No-Go
- Updates nur bei Bedarf: Es braucht einen festen Update-Zyklus
- Integrationen ohne Verantwortung: "Das ERP macht der andere Dienstleister, da können wir nichts für" – wer orchestriert dann die Zusammenarbeit?
- Performance/SEO als Afterthought: "Machen wir dann später" – zu spät, muss von Anfang an
Nach dem Go-live: Betrieb, KPIs und kontinuierliche Verbesserung
Ein Shopware-Shop ist nie fertig. Nach Go-live beginnt der Betrieb:
KPI-Tracking
Welche Metriken solltest du regelmäßig prüfen?
- Umsatz/Conversion-Rate: Wie entwickelt sich der Shop kommerziell?
- Traffic: Besucher, Sessions, Quellen (Organic, Paid, Direct)
- Core Web Vitals: LCP, FID, CLS – bleiben die Werte stabil?
- Error-Rate: Wie viele Fehler treten auf?
- Checkout-Funnel: Wo brechen Kunden ab? (Warenkorb → Kasse → Zahlung → Bestätigung)
- Performance-Metriken: TTFB, Response-Time, Throughput
Backlog-Planung
Nach Go-live sammeln sich neue Feature-Requests und Optimierungen. Priorisiere nach Impact vs. Aufwand:
- Quick Wins: Niedrig hängend, hoher Impact (A/B-Test Button-Farbe, Checkout-Optimierung)
- Strategische Projekte: Höherer Aufwand, aber langfristiger Nutzen (Internationalisierung, B2B-Portal)
Regelmäßige Reviews
Quartalsweise Reviews mit deinem Partner: Was läuft gut? Wo gibt es Probleme? Welche Performance-/Security-Themen müssen angegangen werden?
Dein Fahrplan: Von der Idee bis zum erfolgreichen Shopware-Shop
Du hast jetzt einen umfassenden Überblick über alles, was ein professionelles Shopware-Projekt ausmacht – von Architektur-Entscheidungen über Caching, Elasticsearch, CI/CD und Observability bis hin zu konkreten KPIs und Bottleneck-Analysen.
Zusammenfassung: Was du jetzt weißt
- Architektur: Store-API vs. Twig, Sales-Channel-Konzept, DAL-Performance
- Performance: HTTP-Cache, Redis, CDN, Elasticsearch, konkrete Benchmarks (LCP, TTFB)
- Deploy: CI/CD, Blue-Green-Deployment, Zero-Downtime-Migrations
- Observability: Error-Tracking, APM, strukturiertes Logging
- Plugin-Qualität: Event Subscriber vs. Decorator, Update-Sicherheit
- Integrationen: Datenhoheit, synchron vs. asynchron, Fehlerbehandlung
- Betrieb: KPIs, Backlog, Reviews
Dein nächster Schritt
Wenn du jetzt ein Shopware-Projekt planst oder deinen bestehenden Shop optimieren willst:
- Architektur-Review: Welcher Rendering-Ansatz? Elasticsearch aktiviert? HTTP-Cache konfiguriert?
- Performance-Baseline: Miss aktuelle Core Web Vitals, TTFB, Response-Times. Setze Zielwerte
- Monitoring aufsetzen: Error-Tracking, APM für Performance, Uptime-Monitoring
- Deploy-Prozess definieren: CI/CD-Pipeline, Staging, Zero-Downtime-Strategie
- Integrationen prüfen: Datenhoheit geklärt? Fehlerbehandlung implementiert? Monitoring aktiv? Falls du dabei beispielsweise eine ERP-Anbindung wie Shopware mit Microsoft Dynamics planst, solltest du Verantwortlichkeiten, Datenflüsse und Monitoring besonders früh festziehen.
- Partnergespräche führen: Nutze die Kriterien aus diesem Artikel. Frage nach konkreten Beispielen, Architektur-Entscheidungen, Monitoring-Setup
Mit den Kriterien, KPIs und Best Practices aus diesem Artikel bist du bestens gerüstet, um ein professionelles, skalierbares und zukunftssicheres Shopware-Projekt auf die Beine zu stellen. Viel Erfolg!