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Shopware Dortmund: So planst du deinen Shop professionell

Geschrieben von René Kremer | 03.02.2026

Dein Onlineshop läuft seit einem halben Jahr, die ersten Bestellungen trudeln ein – aber die Zahlen schwanken. Mal springt die Conversion auf solide 2,8 Prozent, dann sackt sie wieder auf 1,1 Prozent ab. Die SEO-Rankings stagnieren trotz guter Produkte. Der Checkout fühlt sich zäh an, und bei jedem anstehenden System-Update beschleicht dich ein mulmiges Gefühl: Was, wenn danach etwas nicht mehr funktioniert – und du deshalb mit einer Shopware Agentur die kritischen Stellschrauben einmal sauber durchgehst?

Gleichzeitig steht die Integration mit eurem ERP-System auf der Roadmap, weil die manuelle Bestandspflege langsam nervt. Und dann meldet sich auch noch der Vertrieb: „Können wir nicht endlich B2B-Preislisten im Shop abbilden?"

Kommt dir bekannt vor? Dieser Artikel zeigt dir praxisnah, wie Shopware 6 typische E-Commerce-Herausforderungen löst – von der Planung über Setup und Betrieb bis hin zu Skalierung und Optimierung. Ohne Buzzwords, dafür mit konkreten Entscheidungshilfen, Architektur-Blueprints und echten Praxisbeispielen aus der täglichen Arbeit mit Onlineshops.

Für wen eignet sich Shopware 6 – und welche Probleme löst es konkret?

Shopware 6 ist eine E-Commerce-Plattform, die weit mehr kann als „nur" Produkte online verkaufen. Das System verbindet Shop-Funktionen mit Content-Management, Prozessautomatisierung und API-first-Architektur – und genau diese Kombination macht es für Unternehmen interessant, die professionell wachsen wollen.

Problem: Dein aktuelles System ist unflexibel

Viele Online-Händler starten mit einfachen Shop-Lösungen oder Marktplätzen. Das funktioniert eine Weile – bis die ersten Sonderwünsche kommen: individuelle Preislogiken, kundenspezifische Sortimente, mehrsprachige Landingpages für verschiedene Märkte. Plötzlich stößt das System an Grenzen.

Lösung durch Shopware 6: Das System ist modular aufgebaut. Du kannst mit der Community Edition starten und später durch Plugins oder Individualentwicklung erweitern. Die Symfony-basierte Architektur ermöglicht Anpassungen, ohne das Kernsystem zu „verhunzen". Das bedeutet: Dein Shop wächst mit – technisch und funktional.

Problem: Wachsende Anforderungen – Performance, Integrationen, Internationalisierung

Dein Shop läuft gut, aber jetzt kommen neue Herausforderungen: mehr Traffic, mehr Produkte, mehr Varianten. Oder ihr wollt ins Ausland expandieren, mehrere Währungen und Steuersysteme abbilden, eventuell B2B-Kunden mit eigenen Preislisten bedienen. Oder die Anbindung an ERP, WMS oder PIM steht an.

Lösung durch Shopware 6: Das System ist auf Skalierung ausgelegt – sowohl technisch (Performance durch HTTP-Cache, Redis, OpenSearch) als auch funktional (Multi-Store über Sales Channels, Rule Builder für komplexe Preislogiken, Store API für Headless/Mobile). Du kannst Schritt für Schritt ausbauen, ohne bei jedem neuen Feature das komplette System neu aufsetzen zu müssen.

Entscheidung in 10 Minuten: Passt Shopware 6 zu deinem Vorhaben?

Bevor du tiefer einsteigst, hier eine kompakte Checkliste, um schnell einzuschätzen, ob Shopware 6 für dein Vorhaben geeignet ist:

  • Sortiment und Varianten: Hast du mehr als 50 Produkte oder komplexe Varianten (Größe, Farbe, Material)? Shopware kann das über Properties und Variants gut abbilden.
  • Content-Anspruch: Willst du Ratgeber, Kampagnen-Landingpages, Markenwelten aufbauen? Die Shopping Experiences (CMS) sind genau dafür gemacht.
  • B2B-Logiken: Brauchst du Rollen, kundenspezifische Preislisten, Freigabeprozesse? Rule Builder plus Commercial Plugins oder Custom Development sind hier möglich.
  • Internationalisierung: Mehrere Länder, Währungen, Steuersysteme? Sales Channels ermöglichen Multi-Store mit zentraler Verwaltung.
  • Integrationen: ERP, WMS, PIM, CRM, POS, Payment, Versand – was muss angebunden werden? Store API, Admin API und Event System machen Integrationen gut planbar.
  • Budget und Ressourcen: Kannst du intern oder extern Kapazität für Setup, Entwicklung und Betrieb bereitstellen? Shopware 6 ist kein „Klick-und-fertig"-System.
  • Update-Bereitschaft: Bist du bereit, Betrieb als kontinuierliche Aufgabe zu verstehen (Updates, Monitoring, Optimierung)? Ohne das wird jeder Shop zum Risiko.

Wann passt Shopware 6 eher nicht?

  • Sehr kleines Budget (unter 15.000 Euro Gesamtbudget für Setup, Design und Entwicklung) – dann wird es eng.
  • Reine One-Product-MVPs ohne Wachstumsperspektive – da reichen oft einfachere Lösungen.
  • Keine Kapazität oder Bereitschaft für Betrieb und Weiterentwicklung – dann wird der Shop schnell zum Sicherheitsrisiko.

Shopware-6-Architektur-Entscheidungen: Was du wissen musst

Shopware 6 basiert auf einer modernen Architektur, die mehrere Deployment-Optionen ermöglicht. Hier die wichtigsten Entscheidungspunkte, um von Anfang an die richtige Weiche zu stellen:

Monolith vs. Headless: Store API oder klassisches Storefront?

  • Klassisches Storefront (Twig-Templates): Frontend und Backend sind eng verzahnt. Schnellerer Setup, einfacher zu warten, für die meisten Projekte ausreichend. Theme-Anpassungen über Twig, SCSS, JavaScript.
  • Headless (Store API plus eigenes Frontend): Frontend (z. B. React, Vue, Next.js) kommuniziert nur über die Store API mit Shopware. Mehr Flexibilität für UI/UX, aber deutlich höherer Aufwand (zwei Systeme, API-Versioning, State-Management, SSR/CSR-Strategie). Nur sinnvoll, wenn du sehr spezifische Frontend-Anforderungen hast oder mehrere Touchpoints (Web, App, POS) aus einer Quelle bedienen willst.

Empfehlung: Starte mit klassischem Storefront. Headless kannst du später immer noch einführen, wenn die Anforderungen es rechtfertigen.

Sales Channels: Multi-Store richtig nutzen

Sales Channels sind Shopwares Mechanismus für Multi-Store. Ein Sales Channel ist eine eigenständige Verkaufseinheit mit eigener Domain, Sprache, Währung, Produktsortiment, Zahlarten, Versandregeln. Du kannst:

  • Mehrere Länder/Märkte abbilden (z. B. .de, .fr, .co.uk).
  • B2C und B2B parallel betreiben (unterschiedliche Preise, Sortimente, Checkout-Flows).
  • Marken trennen (z. B. Premium-Brand und Budget-Brand).

Wichtig: Sales Channels teilen sich die gleiche Produktdatenbank, aber Sichtbarkeiten, Preise und Kategorien können pro Channel variiert werden. Das spart Pflege, erfordert aber saubere Datenmodellierung von Anfang an.

Rule Builder: Komplexe Logiken ohne Code

Der Rule Builder ist eines der mächtigsten Features in Shopware 6. Damit kannst du Bedingungen definieren (z. B. Kundengruppe, Warenkorbwert, Produktkategorie, Lieferland) und darauf basierend:

  • Preise anpassen (z. B. B2B-Rabatte, Mengenrabatte, Aktionspreise).
  • Versandregeln steuern (z. B. kostenloser Versand ab X Euro).
  • Zahlarten ein- oder ausblenden (z. B. Rechnung nur für Bestandskunden).
  • Promotions/Gutscheine (z. B. 10 Prozent auf Kategorie X für Kundengruppe Y).

Anti-Pattern: Zu viele verschachtelte Rules machen das System schwer wartbar. Dokumentiere deine Rules und teste sie gründlich, bevor du live gehst.

DAL (Data Abstraction Layer) und Indexer

Shopware 6 nutzt eine eigene Abstraktionsschicht (DAL) für Datenbankzugriffe. Das ermöglicht:

  • Versionierung (z. B. Produkte in Draft-Modus bearbeiten, dann live schalten).
  • Inheritance (z. B. Varianten erben Eigenschaften vom Hauptprodukt).
  • Performance-Optimierung durch Indexer (z. B. SEO-URLs, Listings, Suche werden vorberechnet).

Wichtig für Entwicklung: Wenn du Custom Entities oder komplexe Abfragen baust, musst du die DAL-Patterns verstehen. Indexer müssen nach Datenänderungen manuell angestoßen werden (via CLI oder Message Queue).

Hosting und Stack: Was du wirklich brauchst

Shopware 6 hat klare technische Anforderungen. Hier der realistische Stack, den du für professionellen Betrieb brauchst:

Server-Anforderungen

  • PHP: Mindestens 8.1, besser 8.2 oder höher (Performance-Vorteile durch JIT).
  • Datenbank: MySQL 8.0 oder höher bzw. MariaDB 10.11 oder höher (InnoDB, utf8mb4).
  • Redis: Für Session-Storage (empfohlen), Cache (optional, aber sinnvoll bei hohem Traffic).
  • OpenSearch/Elasticsearch: Für große Sortimente (mehr als 10.000 Produkte) oder komplexe Filter. Nicht zwingend, aber deutlicher Performance-Gewinn.
  • Message Queue: RabbitMQ, Redis Queue oder Doctrine DBAL Queue für asynchrone Jobs (E-Mail-Versand, Indexer, Exporte).

HTTP-Cache: Der größte Performance-Hebel

Shopware 6 unterstützt HTTP-Caching out-of-the-box. Das bedeutet: Seiten werden vom Reverse Proxy (z. B. Varnish, Nginx) ausgeliefert, ohne PHP/Datenbank zu belasten.

Setup-Schritte:

  • Aktiviere HTTP-Cache in der Shopware-Config.
  • Konfiguriere Reverse Proxy (Varnish empfohlen, Nginx geht auch).
  • Cache-Warmup nach Deployments/Änderungen (via CLI).
  • Cache-Invalidierung bei Produktänderungen (automatisch via Event System, aber teste das).

Typische Cache-Hit-Rate: Über 90 Prozent für anonyme Nutzer (Kategorien, Produktseiten, CMS-Pages). Eingeloggte Nutzer und Checkout sind meist nicht cachebar (personalisiert).

Session-Handling

Standard: Sessions in Datenbank. Problem: langsam bei vielen parallelen Nutzern.

Lösung: Redis für Sessions nutzen. Das reduziert die Datenbanklast erheblich und verbessert die Response-Zeiten spürbar. Wenn du die Details (Setup, Fallstricke, Monitoring) sauber planen willst, lohnt sich ein Blick auf Redis in Shopware.

Hosting-Optionen

  • Managed Hosting (z. B. Shopware Cloud, spezialisierte Hoster): Setup, Updates, Backups, Monitoring übernimmt der Hoster. SLA, Support, aber höhere Kosten.
  • Eigener Stack (AWS, Azure, Hetzner Cloud etc.): Mehr Kontrolle, potenziell günstiger, aber du brauchst DevOps-Kompetenz (Deployment, Monitoring, Security).

Empfehlung: Für Projekte ohne eigenes DevOps-Team: Managed Hosting. Für größere Setups mit eigener IT: eigener Stack mit CI/CD-Pipeline.

Performance-Checkliste: Was wirklich zählt

Ein schneller Shop ist Pflicht. Hier die konkreten Hebel, die du kennen und nutzen solltest:

Theme und Frontend

  • JavaScript minimieren: Shopware 6 Standard-Theme lädt viel JS. Prüfe, welche Plugins/Features du wirklich brauchst. Tree-Shaking aktivieren.
  • CSS optimieren: Nutze kritisches CSS (above-the-fold inline), restliches CSS asynchron laden.
  • Bilder: WebP oder AVIF nutzen, srcset für responsive Bilder, Lazy Loading aktivieren.
  • Third-Party-Scripts: Google Analytics, Tag Manager, Pixels – alle asynchron laden, nur nach Consent aktivieren.

Backend und Caching

  • HTTP-Cache: Siehe oben – wichtigster Hebel für Performance.
  • Redis für Cache: Nicht nur Sessions, auch Object-Cache (z. B. Config, Translations) in Redis ablegen.
  • OpenSearch: Für große Sortimente (Suche, Filter, Listings deutlich schneller als MySQL).
  • Indexer-Strategie: Nach Produktänderungen müssen Indexer laufen (SEO-URLs, Listings, Suche). Das kann bei großen Datenmengen lange dauern – Queue nutzen, nicht synchron.

Cron und Message Queue

  • Cron-Jobs: Scheduled Tasks (z. B. Sitemap-Generierung, Bereinigung alter Logs) sollten nachts laufen, nicht während Peak-Traffic.
  • Message Queue: E-Mails, Exporte, Sync-Jobs asynchron verarbeiten. Worker-Prozess muss laufen (via Supervisor oder systemd).

Messmethodik

  • Core Web Vitals: LCP unter 2,5 Sekunden, INP unter 200 Millisekunden, CLS unter 0,1.
  • TTFB: Unter 600 Millisekunden (mit HTTP-Cache deutlich niedriger).
  • Tools: Google Lighthouse, PageSpeed Insights, WebPageTest, Shopware Profiler (für Backend-Performance).

Integrationen: Typische Muster und Anti-Patterns

Shopware 6 ist API-first. Das bedeutet: Integrationen laufen über REST-APIs (Store API für Frontend, Admin API für Backend) oder Event-System (für interne Prozesse). Hier die häufigsten Szenarien:

Typische Integrationen

  • ERP/WaWi: Produktdaten, Bestände, Bestellungen, Rechnungen. Meist über Admin API plus Webhooks/Events. Für ein konkretes Beispiel aus der Praxis (inklusive Stolpersteine) ist die Anbindung Shopware an Microsoft Dynamics ein guter Referenzpunkt.
  • WMS: Lagerverwaltung, Kommissionierung, Versand. Oft Custom Middleware (z. B. Node.js, Python) zwischen Shopware und WMS.
  • PIM: Zentrale Produktdatenpflege. Import via API oder CSV, Sync regelmäßig (z. B. stündlich via Cron).
  • Payment: Shopware 6 hat Payment-Plugin-System. Für gängige Provider (Stripe, PayPal, Mollie) existieren Plugins. Custom Payment: eigenes Plugin entwickeln.
  • Versand: DHL, UPS, DPD – meist über Plugins. Automatische Label-Erstellung, Tracking-Updates via Webhook.

Integrations-Architektur

  • Synchron vs. asynchron: Synchron bedeutet, der Shop wartet auf Antwort (langsam, riskant). Asynchron bedeutet, der Shop schickt Request in Queue, Background-Job verarbeitet (schneller, robuster). Nutze asynchron wo möglich.
  • Fehlerhandling: Retries (exponential backoff), Dead-Letter-Queue (fehlerhafte Jobs zur manuellen Prüfung), Idempotenz (gleicher Request darf nicht doppelt ausgeführt werden).
  • Monitoring: Latenz, Fehlerraten, Queue-Länge überwachen (z. B. Prometheus plus Grafana, oder APM-Tools wie New Relic, Datadog).

Anti-Patterns

  • Direkte Datenbankzugriffe: Niemals von außen direkt in Shopware-DB schreiben – immer über API. Sonst umgehst du Validierung, Events, Indexer.
  • Synchrone Calls im Checkout: Bestandsprüfung im ERP während Checkout bedeutet langsam und fehleranfällig. Besser: Bestände regelmäßig syncen (z. B. alle 5 Minuten), nicht live abfragen.
  • Fehlende Idempotenz: Wenn eine Bestellung zweimal an ERP gesendet wird, darf sie nicht doppelt angelegt werden. Nutze eindeutige IDs (z. B. Shopware Order ID) als Duplikatcheck.

B2B in Shopware 6: Was geht mit Bordmitteln, was wird Custom?

Shopware 6 kann B2B, aber nicht alles ist out-of-the-box vorhanden. Hier die Abgrenzung, damit du realistisch planen kannst:

Mit Bordmitteln/Community Edition möglich

  • Kundengruppen (unterschiedliche Preise, Sortimente, Zahlarten).
  • Rule Builder für einfache Preislogiken (z. B. Mengenrabatte, Kundengruppen-Rabatte).
  • Bestelllisten (über Plugins erweiterbar).
  • Gastbestellungen deaktivieren (nur eingeloggte Kunden).

Mit Commercial Plugins oder Professional/Enterprise Edition

  • Freigabeprozesse: Bestellungen müssen von Vorgesetzten freigegeben werden (z. B. ab bestimmtem Warenkorbwert).
  • Individuelle Preislisten: Jeder Kunde bekommt eigene Preise (nicht nur Kundengruppe, sondern individuell).
  • Anfragen/Quotes: Kunde stellt Anfrage, Vertrieb erstellt Angebot, Kunde akzeptiert – wird zur Bestellung.
  • Schnellbestellung: Artikelnummer plus Menge eingeben, mehrere Produkte auf einmal in Warenkorb.

Custom Development nötig

  • Sehr komplexe Preislogiken (z. B. historische Preise, Vertragspreise, Staffelpreise mit mehreren Dimensionen).
  • Integration mit ERP-seitigen Workflows (z. B. Kreditlimit-Prüfung, Bonitäts-Check).
  • Custom Dashboards für B2B-Kunden (z. B. Bestellhistorie, offene Rechnungen, Statistiken).

Empfehlung: Starte mit Kundengruppen plus Rule Builder. Wenn das nicht reicht, prüfe Commercial Plugins. Custom Development nur, wenn wirklich nötig – sonst wird Wartung teuer.

Update- und Wartungsprozess: Planbar statt „Angst vor Updates"

Shopware 6 folgt einem planbaren Release-Zyklus. Hier der Prozess, um Updates sicher und ohne Stress einzuspielen:

Release-Typen

  • Patch-Releases (z. B. 6.5.1 zu 6.5.2): Bugfixes, Security-Patches. Sollten zeitnah eingespielt werden (spätestens 1 bis 2 Wochen nach Release).
  • Minor-Releases (z. B. 6.5 zu 6.6): Neue Features, kleinere Breaking Changes (deprecated Features). Sollten alle 3 bis 6 Monate eingespielt werden.
  • Major-Releases (z. B. 6.x zu 7.x): Große Änderungen, Breaking Changes. Langfristige Migration (Monate), gute Vorbereitung nötig.

Update-Workflow

  1. Changelog prüfen: Welche Änderungen kommen? Deprecated Features? Breaking Changes?
  2. Staging-Update: Erst auf Staging einspielen, niemals direkt auf Prod.
  3. Tests: Kritische Pfade testen (Login, Produktsuche, Warenkorb, Checkout, Payment, Admin).
  4. Plugin-Kompatibilität prüfen: Sind alle Plugins mit der neuen Version kompatibel? Updates verfügbar?
  5. Prod-Update: Release-Fenster planen (nicht freitagnachmittags), Monitoring aktivieren.
  6. Rollback-Plan: Datenbank-Backup, Code-Backup, DNS-Switch vorbereitet.

CI/CD-Basics

  • Versionskontrolle: Git für Code, Theme, Plugins. Keine FTP-Uploads.
  • Automated Tests: Unit-Tests, Smoke-Tests (kritische Pfade nach Deployment prüfen).
  • Deployment-Pipeline: Code pushen, automatisch bauen, Tests laufen, auf Staging deployen, manuell auf Prod freigeben.

Monitoring und Alerting

  • Error-Logs: Sentry, Rollbar oder eigener Log-Stack (ELK, Graylog).
  • APM (Application Performance Monitoring): New Relic, Datadog, Blackfire für PHP-Profiling.
  • Synthetic Checks: Externe Monitoring-Tools (z. B. Pingdom, UptimeRobot) testen regelmäßig kritische Pfade (Homepage, Checkout).
  • Alerting: Slack/E-Mail bei Fehlern, Performance-Degradation, Downtime.

Plugin-Governance: Weniger ist mehr

Plugins sind verlockend, aber jedes Plugin ist ein Risiko. Hier die Strategie für saubere Plugin-Governance:

Plugin-Qualitätskriterien

  • Wartungsfrequenz: Wann war das letzte Update? Gibt es Changelog?
  • Kompatibilität: Funktioniert es mit deiner Shopware-Version?
  • Support: Gibt es Dokumentation, Support-Kontakt?
  • Performance: Verlangsamt das Plugin den Shop messbar? (Teste vor/nach Installation.)
  • Sicherheit: Wurden Sicherheitslücken gemeldet?

Plugin-Audit (regelmäßig durchführen)

  • Welche Plugins werden wirklich genutzt?
  • Welche kann man durch Bordmittel oder Custom Code ersetzen?
  • Wer ist „Owner" für jedes Plugin (Verantwortung für Updates, Tests)?

Custom Development: Wartbarkeit sicherstellen

  • Dokumentation: Was macht der Code, warum wurde es so gebaut?
  • Tests: Unit-Tests, damit Updates nichts kaputt machen.
  • Coding-Standards: PSR-12 für PHP, damit andere Entwickler den Code verstehen.
  • Technische Schulden: Sichtbar machen (Backlog), nicht unter den Teppich kehren.

SEO-Realität: Was Shopware liefert und was du liefern musst

Shopware 6 liefert die technische Basis für SEO, aber Rankings entstehen aus Struktur plus Content plus Prozessen. Hier die klare Abgrenzung:

Technische SEO-Basis (Shopware 6 bringt mit)

  • Meta-Daten (Title, Description) pro Seite konfigurierbar.
  • Canonicals automatisch gesetzt (aber prüfen).
  • SEO-URLs (sprechende URLs, keine IDs).
  • Sitemap automatisch generiert.
  • Redirects (301) über Admin konfigurierbar.
  • Structured Data (JSON-LD) für Produkte, Breadcrumbs.

Was du liefern musst

  • Informationsarchitektur: Kategoriestruktur, Facetten/Filter sinnvoll planen.
  • Content: Kategorietexte, Produktbeschreibungen, Ratgeber, Landingpages mit echtem Mehrwert.
  • Interne Verlinkung: Thematisch verwandte Seiten verlinken, Breadcrumbs nutzen.
  • Filter-Steuerung: Verhindere, dass jede Filterkombination eine eigene indexierbare URL erzeugt (Canonicals oder noindex nutzen).
  • Duplicate Content: Varianten sollten nicht als separate Seiten indexiert werden (Canonicals setzen).

Relaunch-SEO

  • URL-Mapping: Alte URLs zu neue URLs, 301-Redirects für alle geänderten URLs.
  • Index-Checks: Nach Go-live prüfen: Werden die richtigen Seiten indexiert? 404-Fehler?
  • Search Console: Traffic, Rankings, Crawl-Fehler überwachen (vor allem erste 4 Wochen nach Relaunch).

Zusammenarbeit und Partnerauswahl – woran du Kompetenz erkennst

Die Wahl der richtigen Agentur oder des richtigen Entwicklers ist entscheidend. Hier die Signale, die zählen:

Signale für Kompetenz

  • Klare Projektstruktur: Phasen, Meilensteine, Deliverables sind transparent.
  • Nachvollziehbares Angebot: Aufwand ist begründet, keine Pauschalpreise ohne Scope.
  • Risiko-Transparenz: Werden mögliche Probleme offen angesprochen (z. B. Datenqualität, Integrationen)?
  • Technische Tiefe: Kann die Agentur erklären, wie HTTP-Cache funktioniert? Wie Indexer laufen? Welche Hosting-Topologie sinnvoll ist?
  • Feste Ansprechpartner: Wer ist zuständig? Projektmanager, Entwickler, Designer sollten klar benannt sein.

Konkrete Fragen an Agentur/Entwickler

  • Update- und Release-Prozess: Wie läuft das ab? Staging? Rollback?
  • Teststrategie: Welche Tests werden durchgeführt (funktional, Performance, Security)?
  • Monitoring/Alerts: Wie wird der Shop nach Go-live überwacht?
  • Umgang mit Plugin-Risiken: Wie wird entschieden, welche Plugins eingesetzt werden? Gibt es einen Review-Prozess?
  • Ownership: Wem gehören Code, Repositories, Admin-Accounts nach Projektende? (Antwort sollte sein: dir)
  • Doku: Wie wird dokumentiert? Gibt es eine Übergabe?
  • Erfahrung mit Shopware 6: Welche Projekte wurden umgesetzt? Welche Herausforderungen gemeistert (Integrationen, Performance, Migration)?

Dein nächster Schritt: Vom Überblick zur Umsetzung

Shopware 6 lohnt sich, wenn du professionell wachsen willst. Erfolg entsteht aus:

  • Sauberem Scope (klare Anforderungen, Priorisierung)
  • Guten Daten (Produktdaten strukturiert und aktuell)
  • Stabilen Integrationen (ERP, WMS, Payment – mit Fehlerhandling und Monitoring)
  • Planbarem Betrieb (Updates, Backups, Performance, Security)
  • Kontinuierlicher Optimierung (Conversion, SEO, neue Features)

Was kannst du jetzt tun?

  • Anforderungen priorisieren: Was muss beim Launch dabei sein? Was kann später kommen? Für eine schnelle Standortbestimmung hilft ein strukturierter Shopware-Check.
  • Architektur-Entscheidungen treffen: Monolith oder Headless? Welche Sales Channels? OpenSearch ja oder nein?
  • Hosting-Stack definieren: Managed oder eigener Stack? Welche Ressourcen (PHP, Redis, DB, Queue)?
  • Integrationen früh klären: Welche Systeme müssen angebunden werden? Wie sehen die Daten aus?
  • KPI-Set definieren: Welche Kennzahlen sind für dich relevant? (Conversion Rate, AOV, Traffic, Core Web Vitals?)
  • Wartungsplan festlegen: Wer kümmert sich um Updates? Wie oft wird deployed?

E-Commerce ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Aber mit der richtigen Planung, einem klaren Prozess und einem kompetenten Partner wird auch dein Shopware-6-Projekt zum Erfolg – und mit einer sauberen Datengrundlage (zum Beispiel über korrekt gepflegte Shopware-Eigenschaften) wird die Optimierung im Alltag deutlich leichter.