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Shopware Digital Sales Room: Kuratierte Verkaufsräume für B2B-Profis

Geschrieben von René Kremer | 09.02.2026

Es ist Dienstagmorgen, 9:47 Uhr. Dein wichtigster Key Account meldet sich per E-Mail: „Können wir kurz die neuen Produktvarianten durchgehen? Unser Einkauf, die Technik und ich müssten das diese Woche klären." Du kennst das Spiel: Ein Videocall wird angesetzt, du schickst vorab drei PDFs mit Spezifikationen, zwei Shop-Links und eine Preisliste. Im Meeting selbst jonglierst du zwischen geteiltem Bildschirm, Notizen und der Frage, ob alle gerade die gleiche Version sehen. Der Kunde sagt am Ende: „Ich muss das intern nochmal besprechen, schick mir die Infos nochmal zusammengefasst." Eine Woche später beginnt der Kreislauf von vorn – mit Version 17_final_FINAL.pdf. Wenn du so einen Prozess sauber aufsetzen und betreiben willst, kann eine Shopware Agentur dabei helfen, Struktur in Beratung, Inhalte und Technik zu bringen.

Genau hier setzt der Shopware Digital Sales Room an: Er ersetzt den Medienbruch-Wahnsinn durch einen kuratierten, digitalen Raum, in dem Beratung, Produkte und Interaktion zusammenlaufen – live moderiert oder asynchron nutzbar. Kein Link-Salat mehr, keine veralteten Anhänge, sondern ein Ort, an dem alle Stakeholder gleichzeitig sehen, was relevant ist, und du als Vertrieb die Kontrolle behältst. In diesem Artikel erfährst du, was ein Digital Sales Room wirklich leistet, wann er sich lohnt, wie du ihn Schritt für Schritt planst – und warum er mehr ist als „nur ein Online-Shop mit Videocall".

Ist der Digital Sales Room für dich relevant? Die 60-Sekunden-Einordnung

Der Digital Sales Room ist nicht für jeden Shop gedacht. Er ist ein spezialisiertes Werkzeug für B2B-Unternehmen mit Key-Account-Struktur oder hochpreisige B2C-Beratungsverkäufe. Wenn du einen klassischen Online-Shop betreibst, der standardisierte Produkte an Endkunden verkauft, ist dieses Feature möglicherweise nicht das richtige für dich.

Für wen ist das Feature relevant?

  • Du verkaufst erklärungsbedürftige Produkte wie Maschinen, technische Komponenten, komplexe Dienstleistungen oder hochwertige Beratungsprodukte
  • Deine Warenkörbe liegen typischerweise im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich oder darüber
  • An Kaufentscheidungen sind mehrere Stakeholder beteiligt – Einkauf, Technik, Management
  • Du brauchst personalisierte Preise, individuelle Rabatte oder kundenspezifische Produktzusammenstellungen
  • Du führst regelmäßig Beratungstermine, Produktdemos oder Angebotspräsentationen durch

Wer kann dieses Feature getrost ignorieren?

  • Du betreibst einen Standard-B2C-Shop mit einfachen, selbsterklärenden Produkten
  • Deine Kunden bestellen wiederkehrend ohne Beratungsbedarf
  • Deine Warenkörbe liegen typischerweise unter 1.000 EUR
  • Du nutzt aktuell keine Shopware Beyond-Edition und planst kein Upgrade
  • Dein Team hat keine Kapazität für Live-Beratungstermine oder kuratierte Verkaufsräume

Alternative Wege für kleinere Shops und Starter

Wenn du gerade erst mit Shopware startest oder einen kleineren Shop betreibst, gibt es einfachere Lösungen für bessere Kundenberatung: kundenspezifische Kataloge über die B2B-Suite, Angebotsprozesse per E-Mail mit Shop-Integration, Produktberatung via Videocall plus parallel geöffnete Shop-Links oder klassische Landingpages mit kuratierten Produkten. Diese Wege sind günstiger, schneller umsetzbar und für viele Use Cases völlig ausreichend.

Was ist ein Shopware Digital Sales Room – und wann lohnt er sich?

Ein Shopware Digital Sales Room ist ein kuratierter, personalisierter Verkaufsraum, den du für ausgewählte Kund:innen oder Kundengruppen zusammenstellst. Anders als ein klassischer Online-Shop, der alle Produkte für alle ausstellt, ist der Digital Sales Room gezielt auf einen konkreten Use Case zugeschnitten: eine Beratung, ein Angebot, ein Produktlaunch oder ein Shopping-Event für wichtige Accounts. Du wählst die Produkte, die Struktur, die Filter und die Dramaturgie – und entscheidest, ob du den Raum live moderierst (Guided Mode) oder ob Kund:innen asynchron und selbstständig navigieren.

In Shopware findest du das Modul unter Marketing > Digital Sales Rooms. Wichtig: Das Feature ist ausschließlich in der Shopware Beyond-Edition verfügbar. Wenn du aktuell eine andere Edition nutzt (Rise, Evolve), musst du upgraden oder das Feature als separates Paket lizenzieren. Die genauen Kosten sind nicht öffentlich gelistet und hängen von deinem individuellen Vertrag ab – sprich mit deinem Shopware-Partner oder Account Manager für eine konkrete Kalkulation.

Wann lohnt sich ein Digital Sales Room?

Ein Digital Sales Room macht dann Sinn, wenn deine Produkte oder Kaufprozesse erklärungsbedürftig, komplex oder hochpreisig sind. Typische Szenarien:

  • B2B-Key-Account-Beratung: Du verkaufst Maschinen, Anlagen, technische Komponenten oder Dienstleistungen mit vielen Varianten. Mehrere Stakeholder (Einkauf, Technik, Management) müssen zustimmen.
  • Erklärungsbedürftige B2C-Produkte: Hochwertige Beratung für Premiumprodukte, Konfiguratoren, Sets oder individuelle Zusammenstellungen.
  • Produktlaunches oder exklusive Shopping-Events: Du möchtest eine kleine, ausgewählte Kundengruppe durch ein neues Sortiment führen – mit Live-Moderation und direkter Interaktion.
  • Angebotsersatz: Statt PDF-Angebote verschickst du einen Digital Sales Room, in dem Produkte direkt klickbar, Varianten sichtbar und Preise aktuell sind.
  • After-Sales und Renewals: Bestandskunden bekommen einen Raum mit passenden Add-ons, Wartungsverlängerungen oder Upgrade-Optionen.

Die zentrale Frage lautet: Hast du mehrere Entscheider, hohe Warenkörbe und Bedarf an persönlicher Beratung? Dann ist der Digital Sales Room ein Werkzeug, das Effizienz, Kundenerlebnis und Conversion messbar verbessern kann – wenn du bereit bist, in Konzeption, Schulung und Prozessintegration zu investieren.

Abgrenzung: Was ein Digital Sales Room nicht ist – und welche Alternativen existieren

Ein Digital Sales Room ist kein klassischer Online-Shop. Ein Shop stellt Produkte aus und wartet auf Bestellungen. Ein Digital Sales Room führt durch den Kaufprozess, kuratiert Inhalte und schafft Verbindlichkeit. Er ist auch kein simpler Videocall plus Shoplink – denn im Digital Sales Room sehen alle dasselbe, Änderungen passieren live, und die Umgebung bleibt nach dem Termin zugänglich. Und er ist keine Standard-Landingpage, denn er bietet Interaktion, Personalisierung und Echtzeitdynamik.

Welche Alternativen gibt es? Je nach Use Case kannst du auch andere Shopware-Features oder Kombinationen nutzen:

  • Shopware Storefront + B2B-Suite: Individualisierte Preislisten, kundenspezifische Kataloge, Freigabeprozesse – ideal für wiederkehrende Bestellprozesse ohne Live-Beratung. Wenn du dafür die technischen Grundlagen und den Aufbau prüfen willst, ist ein Shopware-Check ein guter Startpunkt.
  • Angebotstools / CPQ-Systeme: Configure-Price-Quote-Lösungen (z. B. Cinovu, Combeenation, externe CPQ-Tools) für komplexe Produktkonfigurationen mit Regellogik und Preisberechnung.
  • Videokonferenz + Produktseiten: Teams, Zoom oder Google Meet mit gleichzeitig geöffneten Shop-Links – funktioniert, ist aber fehleranfällig und nicht synchronisiert.
  • PIM/Portal-Lösungen: Product Information Management oder Kundenportale (z. B. Akeneo PIM, Pimcore, individuelle Portale) – für Informationsbereitstellung, weniger für interaktive Verkaufsprozesse.

Der Digital Sales Room positioniert sich als Hybrid-Lösung: Er kombiniert Live-Interaktion, kuratierte Produktpräsentation und synchronisierte Zusammenarbeit in einem Tool. Wenn du bereits andere Lösungen nutzt, prüfe, ob sich der Digital Sales Room sinnvoll ergänzt oder ob bestehende Tools ausreichen.

Warum digitale Verkaufsräume jetzt strategisch wichtig sind

Die Erwartungen deiner Kund:innen haben sich fundamental verändert. Remote-Beratung ist kein Notbehelf mehr, sondern Standard. Entscheidungen müssen schneller fallen, Informationen müssen sofort verfügbar sein, und niemand hat Zeit für endlose Terminabstimmungen. Unternehmen, die ihre Vertriebsprozesse digitalisieren, skalieren Beratung besser, erreichen mehr Kund:innen und verkaufen auch außerhalb klassischer Bürozeiten.

Im B2B-Umfeld ist der Druck besonders hoch: Kaufentscheidungen involvieren mehrere Personen, Freigabeprozesse sind komplex, und personalisierte Preislogiken müssen abgebildet werden. Ein Digital Sales Room wird zur Verkaufsinfrastruktur – nicht zur einmaligen Kampagne. Du baust wiederholbare Prozesse, Templates und Playbooks, die dein Sales-Team systematisch nutzen kann. Das Ergebnis: weniger Rückfragen, kürzere Sales Cycles, höhere Warenkörbe und messbar bessere Kundenzufriedenheit.

Ein weiterer Vorteil: Nachverfolgbarkeit. Du siehst, welche Produkte im Raum angeschaut wurden, wo Nachfragen entstanden und wie lange sich Teilnehmende aufgehalten haben. Diese Insights nutzt du für gezielte Follow-ups und kontinuierliche Optimierung deiner Verkaufsräume.

Setup und Voraussetzungen: Was du technisch brauchst

Um Digital Sales Rooms in Shopware nutzen zu können, benötigst du zwei externe Services. Diese Abhängigkeiten sind nicht optional und müssen zwingend eingerichtet werden. Die technische Einrichtung liegt typischerweise bei deinem Shopware-Partner, Administrator oder DevOps-Team – als Shop-Betreiber musst du die Details nicht selbst umsetzen, solltest aber wissen, dass diese Komponenten nötig sind.

Benötigte externe Services

  • Ein Video-Service (z. B. daily.co): Stellt Video- und Audiofunktionalität bereit. Das ist ein Drittanbieter mit eigenem Preismodell.
  • Ein Echtzeit-Synchronisations-Service (Mercure): Sorgt dafür, dass alle Teilnehmenden gleichzeitig sehen, was im Raum passiert. Kann selbst gehostet oder als Managed Service genutzt werden.

Dein Hosting muss ausgehende HTTPS-Verbindungen zu diesen Services zulassen. Wenn du in einer stark reglementierten IT-Umgebung arbeitest (z. B. Corporate-Netzwerk), kläre mit deinem IT-Team, ob spezielle Freigaben nötig sind.

Konfiguration in Shopware

Sobald die Infrastruktur steht, konfigurierst du den Digital Sales Room in der Shopware-Administration. Gehe zu Marketing > Digital Sales Rooms > Configuration. Alternativ findest du die Basisoptionen unter Extensions > My Extensions > Digital Sales Rooms. Dein Administrator oder Partner richtet die Verbindung zu den externen Services ein – du als Shop-Betreiber legst dann fest, für welche Sales Channels der Digital Sales Room verfügbar sein soll und wie die Grundeinstellungen aussehen.

Rollen und Verantwortlichkeiten im Team

Die technische Einrichtung liegt bei Admin oder Dev. Das Marketing- oder Sales-Team konzipiert Inhalte, Struktur und Dramaturgie. Eine klare Aufgabenteilung verhindert Missverständnisse und sorgt dafür, dass der Digital Sales Room nicht an der Schnittstelle zwischen Technik und Vertrieb hängen bleibt.

So planst du deinen Shopware Digital Sales Room in 7 Schritten

Ein erfolgreicher Digital Sales Room entsteht nicht zufällig. Er braucht klare Ziele, eine durchdachte Struktur und eine Dramaturgie, die Kund:innen durch den Kaufprozess führt. Hier ist deine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Schritt 1: Ziel und Use Case definieren

Was soll der Raum erreichen? Geht es um eine Demo, eine Beratung, einen Produktlaunch oder ein individuelles Angebot für einen Key Account? Je klarer dein Ziel, desto fokussierter wird die Struktur. Definiere auch, ob der Raum primär live (mit Moderation) oder asynchron (selbstständige Navigation) genutzt werden soll.

Schritt 2: Teilnehmerkreis und Rollen festlegen

Wer nimmt teil? Im Guided Mode gibt es zwei Rollen:

  • Guide: Du oder ein Teammitglied, das die Präsentation steuert, Produkte zeigt und durch den Raum führt.
  • Participants: Die Kund:innen oder Stakeholder, die teilnehmen, Fragen stellen und mitentscheiden.

Kläre vorab, ob mehrere Guides nötig sind (z. B. Vertrieb + Technik) und wie viele Teilnehmende erwartet werden.

Schritt 3: Raum strukturieren – Agenda und Dramaturgie

Ein Digital Sales Room ist kein Produktdump. Er braucht eine Story: Problem → Lösung → Auswahl → Entscheidung → nächster Schritt. Überlege dir Abschnitte oder Themenblöcke, die du nacheinander durchgehst. Beispiel:

  1. Begrüßung und Zielsetzung
  2. Herausforderung des Kunden (gemeinsam besprechen)
  3. Passende Produktlösungen (kuratierte Auswahl)
  4. Alternativen und Optionen
  5. Zubehör, Add-ons, Cross-Selling
  6. Preislogik und individuelle Rabatte
  7. Nächste Schritte (Angebot, Bestellung, Follow-up-Termin)

Schritt 4: Produkte kuratieren und Filter vorbereiten

Wähle gezielt die Produkte aus, die für diesen Kunden oder Use Case relevant sind. Nicht das gesamte Sortiment, sondern die Kernprodukte, Alternativen und Zubehör. Bereite Filter vor, damit Kund:innen sich selbstständig orientieren können – z. B. nach Preislimit, Hersteller, Kategorie oder technischen Merkmalen. Im Digital Sales Room kannst du das Sortiment dynamisch anpassen: Wenn der Kunde ein Preislimit setzt oder bestimmte Hersteller ausschließt, räumst du die Produktliste live auf.

Schritt 5: Individuelle Preis- und Rabattlogik festlegen

Im Digital Sales Room kannst du pro Produkt individuelle Rabatte vergeben – entweder als Prozentwert oder als absoluten Betrag. Das ermöglicht dir, kundenspezifische Preise transparent zu zeigen, ohne dass andere Kund:innen diese Konditionen sehen. Entscheide vorab, welche Rabatte du kommunizierst und welche Spielräume du hast. Transparenz schafft Vertrauen – unklare Preislogik führt zu Rückfragen und Misstrauen.

Schritt 6: Modus wählen – Guided oder Self-Guided

Im Guided Mode führst du als Guide die Teilnehmenden durch den Raum. Du steuerst, was sie sehen, kannst Kameras und Mikrofone der Teilnehmenden deaktivieren (z. B. im „Tour"-Modus für große Runden) und sorgst für Fokus. Im Self-Guided-Modus navigieren Kund:innen eigenständig – ideal für asynchrone Nutzung nach einem Live-Termin oder wenn Kund:innen intern noch Kolleg:innen hinzuziehen möchten.

Schritt 7: Zugriffsdauer definieren und Einladung verschicken

Jeder Digital Sales Room hat ein Ablaufdatum. Nach Ablauf führt der Einladungslink zu einer leeren Seite. Überlege dir gut, wie lange der Raum zugänglich sein soll:

  • 24 Stunden: für sehr zeitkritische Angebote oder exklusive Flash-Sales
  • 7 Tage: für Standard-Beratungen, bei denen interne Abstimmungen nötig sind
  • 30 Tage: für komplexe Entscheidungsprozesse mit mehreren Stakeholdern

Generiere den Participants- und Guide-Link automatisch im Modul und verschicke ihn per E-Mail oder über dein CRM. Optional kannst du den Link mit einer Terminbuchung verknüpfen (z. B. über Microsoft Bookings oder ein ähnliches Tool).

Guided Mode im Shopware Digital Sales Room: so läuft eine Live-Session ab

Der Guided Mode ist das Herzstück für personalisierte Live-Beratung. Du führst als Guide durch den Raum, zeigst Produkte, beantwortest Fragen und passt die Auswahl in Echtzeit an. Hier ein typischer Ablauf:

Vor dem Termin: Technikcheck und Vorbereitung

Teste den Raum vorab: Sind alle Produkte sichtbar? Funktionieren Video und Audio? Sind die Rollen klar? Viele Video- und Audioeinstellungen sind erst sichtbar, wenn die Präsentation läuft – plane also Zeit für einen Technikcheck ein. Praxistipp: Erstelle einen internen Test-Raum und führe mit Kolleg:innen einen Probedurchlauf durch, bevor du mit echten Kund:innen live gehst.

Während des Termins: Moderation und Interaktion

Du startest die Session, begrüßt die Teilnehmenden und erklärst kurz, wie der Raum funktioniert. Dann führst du durch die vorbereiteten Abschnitte. Besonderheit: Alle sehen sofort, wenn du Produkte hinzufügst, entfernst oder Filter setzt. Das schafft Transparenz und verhindert Missverständnisse.

Im Tour-Modus (eine Option im Guided Mode) kannst du Kameras und Mikrofone der Teilnehmenden deaktivieren. Das ist sinnvoll bei größeren Runden oder wenn du zunächst präsentieren möchtest, ohne Unterbrechungen. Später gibst du die Freigabe wieder und öffnest den Raum für Fragen. Teilnehmende können außerdem einen Blur-Modus für ihre Kamera aktivieren, der den Hintergrund unscharf stellt – das schützt die Privatsphäre und sorgt dafür, dass sich alle wohler fühlen.

Nach dem Termin: Asynchrone Nachnutzung

Der Digital Sales Room bleibt nach dem Live-Termin zugänglich (bis zum Ablaufdatum). Kund:innen können erneut reinschauen, Kolleg:innen hinzuziehen oder in Ruhe Entscheidungen treffen. Du kannst den Raum auch als Follow-up-Werkzeug nutzen: „Hier ist nochmal der Link zum Raum – du kannst jederzeit reinschauen und bei Fragen auf mich zukommen."

Typische Use Cases: Wann der Digital Sales Room wirklich punktet

Hier sind konkrete Szenarien, in denen der Shopware Digital Sales Room seinen vollen Wert entfaltet:

B2B-Key-Account-Beratung

Du verkaufst technische Komponenten an einen wichtigen Kunden. Einkauf, Technik und Management müssen zustimmen. Statt drei separater Calls erstellst du einen Digital Sales Room mit maßgeschneiderten Produkten, technischen Datenblättern (als Links oder PDFs im Raum) und individuellen Rabatten. Alle Stakeholder sehen dasselbe, Fragen werden live geklärt, und nach dem Termin kann das Team intern nochmal durchgehen.

Ersatzteil- und Service-Szenario

Ein Bestandskunde braucht Ersatzteile für eine Maschine. Du erstellst einen Raum mit allen relevanten Teilen, Filtern nach Kompatibilität und Lieferzeit. Der Kunde navigiert selbstständig, wählt aus und bestellt direkt. Keine E-Mail-Schleifen, keine Missverständnisse.

Produktlaunch oder exklusives Shopping-Event

Du möchtest ein neues Sortiment einer kleinen, ausgewählten Kundengruppe vorstellen. Du lädst sie in einen Digital Sales Room ein, moderierst live, zeigst Highlights, beantwortest Fragen – und gibst den Raum anschließend für weitere 7 Tage frei, damit Kund:innen in Ruhe bestellen können.

Angebotsraum statt PDF

Statt ein statisches PDF-Angebot zu verschicken, erstellst du einen Digital Sales Room. Produkte sind direkt klickbar, Varianten sichtbar, Preise aktuell. Wenn sich etwas ändert (z. B. Verfügbarkeit oder Rabatt), aktualisierst du den Raum – ohne „Version 17_final_FINAL.pdf".

After-Sales und Renewals

Ein Bestandskunde hat vor einem Jahr gekauft. Jetzt bietest du Upgrades, Wartungsverlängerungen oder neue Add-ons an. Du erstellst einen Raum mit passenden Produkten, personalisierst die Ansprache und führst live durch die Optionen.

Sicherheit, Compliance und DSGVO: Was du beachten musst

In B2B-Szenarien werden Preise, Konditionen und Kundendaten besprochen – Sicherheit und Datenschutz sind also kein Nice-to-have, sondern Pflicht. Grundprinzipien, die du beachten solltest:

  • Datenverarbeitung durch Drittanbieter: Die Video- und Synchronisationsdienste verarbeiten Daten. Du musst sicherstellen, dass du mit diesen Anbietern DSGVO-konforme Auftragsverarbeitungsverträge abschließt. Prüfe, wo die Daten gehostet werden (idealerweise EU/EWR).
  • Rollenbasierte Zugriffe: Wer darf was sehen und steuern? Definiere Rollen klar und vermeide, dass sensible Informationen an die falschen Personen gelangen. In Shopware kannst du über Benutzerrollen und -rechte steuern, wer Digital Sales Rooms erstellen, bearbeiten und einsehen darf.
  • Verschlüsselung: Übertragung und Speicherung von Daten müssen verschlüsselt sein (TLS/SSL für Übertragung, Verschlüsselung at rest für gespeicherte Daten). Das ist heute Standard, sollte aber explizit geprüft werden.
  • Einwilligungen und Transparenz: Informiere Teilnehmende vor dem Termin, dass Video/Audio aufgezeichnet werden kann (wenn Aufzeichnungen geplant sind) und welche Drittanbieter involviert sind. Eine kurze Datenschutzinfo in der Einladungs-E-Mail ist empfehlenswert.
  • Zugriffskontrolle: Links zu Digital Sales Rooms sollten nicht öffentlich indexierbar sein. Stelle sicher, dass nur eingeladene Personen Zugriff haben (keine öffentlichen URLs, keine ungesicherten Freigaben).

Wichtig: Kläre diese Punkte mit deinem Datenschutzbeauftragten oder Rechtsabteilung, bevor du produktiv gehst. DSGVO-Verstöße können teuer werden und das Vertrauen deiner Kund:innen nachhaltig schädigen.

Aufwand und Realismus: Was du wirklich einplanen musst

Ein Digital Sales Room ist kein Plug-and-Play-Feature. Hier eine realistische Aufwandsschätzung für die Einführung – ohne konkrete Eurobeträge, da diese stark von deinem individuellen Setup, Vertrag und Partner abhängen:

Initiale Einrichtung (einmalig)

  • Technisches Setup: Dein Shopware-Partner oder Administrator richtet die externe Services ein und konfiguriert Shopware. Plane hier mehrere Tage Entwicklungsaufwand ein.
  • Lizenzkosten Shopware Beyond: Das Feature ist nur in der Beyond-Edition verfügbar. Wenn du noch keine Beyond-Lizenz hast, sprich mit deinem Account Manager über die Kosten.
  • Externe Services: Die Video- und Synchronisationsdienste haben eigene Preismodelle. Je nach Nutzungsintensität können hier laufende monatliche Kosten entstehen.
  • Konzeption und Schulung: Plane Zeit für Dramaturgie, Prozessdefinition und Team-Schulung ein. Mehrere Tage Aufwand sind realistisch.

Laufender Betrieb (pro Raum)

  • Kuration eines Sales Rooms: 1–3 Stunden pro Raum (Produktauswahl, Filter, Preise, Dramaturgie)
  • Live-Session: 30–90 Minuten pro Termin (inklusive Vor- und Nachbereitung)
  • Follow-up und Optimierung: 30–60 Minuten pro Raum (Nachverfolgung, Anpassungen basierend auf Feedback)

Fazit: Der Digital Sales Room ist eine Investition. Er lohnt sich, wenn deine Warenkörbe hoch genug sind und du regelmäßig Beratungstermine führst. Bei niedrigen Warenkörben oder seltener Nutzung bleibe lieber bei einfacheren Alternativen.

Tracking, Analytics und KPIs: So misst du den Erfolg

Ein Digital Sales Room liefert wertvolle Daten, die du für Optimierung und Follow-ups nutzen kannst. Wichtige Metriken:

  • Teilnahme: Wie viele eingeladene Personen haben tatsächlich teilgenommen? (Conversion: Einladung → Teilnahme)
  • Verweildauer: Wie lange waren Teilnehmende im Raum? (Indikator für Interesse und Engagement)
  • Produkt-Interaktionen: Welche Produkte wurden angeschaut, verglichen, in den Warenkorb gelegt?
  • Abschlussquote: Wie viele Räume führten zu einem Kauf oder Angebot? (Wichtigste Conversion-Metrik)
  • Warenkorbwert: Durchschnittlicher Bestellwert aus Digital Sales Rooms im Vergleich zu Standard-Shop-Käufen
  • Follow-up-Bedarf: Wie viele Räume erforderten Nachfassaktionen? (Effizienz des Prozesses)

Integration in Shopware Analytics: Die meisten dieser Daten lassen sich über die Shopware-Administration abrufen. Für tiefere Insights kannst du externe Analytics-Tools über Custom Events integrieren. Kläre mit deinem Entwickler, welche Daten trackbar sind und wie du Dashboards für dein Sales-Team aufsetzt. Wenn du dabei tiefer in Auswertungen einsteigen willst, hilft dir auch ein Blick auf Shopware-Statistiken.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Auch das beste Tool kann scheitern, wenn die Umsetzung hakt. Hier sind typische Stolpersteine – und wie du sie vermeidest:

  • Raum ohne klares Ziel: Zu viele Produkte, kein roter Faden. Lösung: Definiere vorab Ziel, Zielgruppe und Dramaturgie.
  • Zugriffsdauer falsch gesetzt: Zu kurz = Kunde kommt nicht mehr rein. Zu lang = Angebote veralten. Lösung: Entscheidungszyklus des Kunden kennen und Ablaufdatum realistisch wählen.
  • Live-Termin ohne Moderationsregeln: Alle reden, keiner führt. Lösung: Rollen klären, Tour-Modus nutzen, Agenda kommunizieren.
  • Keine vorbereiteten Filter: Kunde landet wieder im Shop-Chaos. Lösung: Filter vorab definieren, Sortiment strukturieren.
  • Rabatte uneinheitlich oder unklar: Misstrauen, Rückfragen. Lösung: Preislogik transparent machen, Rabatte konsistent einsetzen.
  • Zu technische Erklärung: Der Raum soll leicht wirken. Lösung: Kundensprache nutzen, Technik im Hintergrund halten.
  • Fehlende Verantwortlichkeit: Wer pflegt Räume? Wer aktualisiert Produkte? Lösung: Rollen und Prozesse intern klären.
  • Keine Backup-Pläne: Was passiert, wenn der Video-Service ausfällt? Lösung: Alternative Kommunikationskanäle (Teams, Zoom) als Fallback bereithalten und Kund:innen vorab informieren.

Integration in den Vertriebsprozess: Über den Raum hinaus denken

Ein Digital Sales Room ist keine Insellösung – er funktioniert am besten, wenn er in deine bestehenden Prozesse integriert ist. Denke an folgende Anknüpfungspunkte:

  • CRM-Integration: Leads qualifizieren → passenden Raum erstellen → Termin buchen → Follow-up. Dein CRM (z. B. Salesforce, HubSpot, Pipedrive) sollte dokumentieren, welche Räume für welche Kund:innen erstellt wurden. Prüfe, ob Shopware-APIs genutzt werden können, um Raum-Erstellung und -Status automatisch ins CRM zu syncen.
  • Automatisierte Workflows: „Wenn qualifizierter Lead, dann Einladung + Raum erstellen" – solche Workflows kannst du mit Marketing-Automation-Tools (z. B. Shopware Flow Builder, Make, Zapier) umsetzen.
  • Terminbuchung: Verbinde die Einladung zum Digital Sales Room mit einer Terminbuchungslösung (z. B. Microsoft Bookings, Calendly). So vermeidest du E-Mail-Ping-Pong und stellst sicher, dass Teilnehmende rechtzeitig den Link erhalten.
  • Analytics und Insights: Welche Produkte wurden gezeigt? Wo gab es Nachfragen? Wie lange haben sich Teilnehmende aufgehalten? Nutze diese Daten, um bessere Räume zu bauen und Follow-ups gezielt zu gestalten.

Guided Shopping und der Sales-Agent: Wie Beratung skaliert

Der Begriff Guided Shopping beschreibt genau das, was im Guided Mode des Digital Sales Rooms passiert: geführtes Einkaufen, bei dem ein Sales-Agent (oder Guide) den Kunden durch eine kuratierte Produktauswahl begleitet. Statt dass Kund:innen allein durch den Shop irren, bekommen sie eine persönliche Tour – live und interaktiv. Das ist besonders wertvoll bei erklärungsbedürftigen Produkten oder wenn mehrere Optionen verglichen werden müssen.

Der Sales-Agent in Shopware übernimmt in diesem Kontext die Rolle des Moderators: Er kennt das Sortiment, versteht die Kundenbedürfnisse und steuert die Navigation durch den Digital Sales Room. Diese Rolle kann intern durch Vertriebsmitarbeitende ausgefüllt werden – oder durch spezialisierte Produktberater:innen, die gezielt für solche Live-Sessions geschult sind. Wenn du die geführte Beratung als eigenes Format weiterdenken willst, kann auch Live Shopping in Shopware eine passende Ergänzung sein.

Checkliste: Ist dein Use Case geeignet?

Bevor du einen Digital Sales Room aufsetzt, prüfe, ob dein Szenario wirklich passt:

  • Sind deine Produkte erklärungsbedürftig oder komplex?
  • Gibt es mehrere Entscheider im Kaufprozess?
  • Ist der Warenkorbwert hoch genug, um den Aufwand zu rechtfertigen? (Richtwert: mindestens mittlerer vierstelliger Bereich)
  • Besteht Bedarf an Live-Beratung oder personalisierter Ansprache?
  • Hast du die Kapazität im Team, Räume zu kuratieren und Termine zu führen?
  • Sind die technischen Voraussetzungen (Shopware Beyond, externe Services) vorhanden oder umsetzbar?
  • Ist deine Preislogik klar und kommunizierbar?
  • Bist du bereit, in Lizenz, Services und laufenden Betrieb zu investieren?

Wenn du mindestens sechs dieser Fragen mit „Ja" beantwortest, ist der Digital Sales Room ein sinnvolles Werkzeug für deinen Vertrieb.

Vorteile und Grenzen: Wann lohnt es sich – und wann nicht?

Vorteil Erklärung
Weniger Medienbrüche Beratung, Produkte und Entscheidung in einem Kontext – kein Wechsel zwischen E-Mail, PDF, Videocall und Shop.
Höhere Relevanz Kuratierte Auswahl statt Shop-Überforderung – Kund:innen sehen nur, was für sie wichtig ist.
Schnellere Entscheidungen Alle Stakeholder sehen dasselbe gleichzeitig – keine Versionskonflikte, keine Abstimmungsschleifen.
Skalierbarkeit Sales kann Räume wiederverwenden – Templates und Playbooks für wiederkehrende Use Cases.
Bessere Kundenerfahrung Wahl zwischen Live-Begleitung und selbstständigem Stöbern – flexibel und kundenfreundlich.
Echtzeit-Interaktion Änderungen am Produktset sofort sichtbar für alle – transparent und dynamisch.
Fokus in Live-Terminen Tour-Modus ermöglicht es, Mikros und Kameras zu steuern – weniger Chaos, mehr Kontrolle.
Bessere Nachverfolgung Insights aus Live-Präsentationen helfen bei gezielten Follow-ups – was wurde angeschaut, wo gab es Interesse?

 

Wann lohnt sich ein Digital Sales Room nicht?

Ehrlichkeit schafft Vertrauen. Ein Digital Sales Room ist nicht für jeden Use Case das richtige Werkzeug:

  • Einfache, standardisierte Produkte: Wenn dein Shop gut funktioniert und Kund:innen problemlos selbst bestellen, brauchst du keinen Digital Sales Room.
  • Fehlende Beratungskapazität: Wenn dein Team keine Zeit hat, Räume zu kuratieren und Termine zu führen, bleibt das Tool ungenutzt.
  • Niedriger Warenkorbwert: Bei Warenkörben unter 1.000 EUR rentiert sich der Aufwand meist nicht.
  • Unklare Infrastruktur: Ohne die richtigen technischen Voraussetzungen und Shopware Beyond läuft nichts – kläre das vorab mit deinem Partner.
  • Unklar definierte Prozesse: Wenn Pricing, Freigaben und Angebotslogik intern nicht geklärt sind, wird der Digital Sales Room zur Stolperfalle.
  • Overkill für simple Termine: Wenn ein einfaches Zoom-Meeting reicht, ist ein Digital Sales Room unnötig komplex.
  • Keine Ressourcen für Schulung und Change Management: Dein Team muss das Tool verstehen und akzeptieren – sonst wird es nicht genutzt.

Online-Shop vs. Digital Sales Room: Der direkte Vergleich

Kriterium Online-Shop Digital Sales Room
Ziel Self-Service, breite Masse ansprechen Geführter Abschluss, personalisierte Beratung
Personalisierung Gering (Produktempfehlungen, Kategorien) Hoch (kuratierte Auswahl, individuelle Preise)
Interaktion Asynchron, Kunde navigiert allein Live + asynchron, Echtzeit-Zusammenarbeit
Stakeholder-Handling Einzeluser, keine gemeinsame Sicht Mehrere Stakeholder sehen dasselbe gleichzeitig
Beratungsintensität Niedrig, Kunde informiert sich selbst Hoch, Guide moderiert und berät
Einsatzgebiet Standardprodukte, Massenmarkt Erklärungsbedürftige Produkte, B2B, hochpreisig

 

Guided Mode vs. Self-Guided: Wann nutzt du was?

Modus Vorteil Nachteil Idealer Einsatz
Guided Mode Hohe Kontrolle, persönliche Ansprache, Fokus Termingebunden, erfordert Vorbereitung Live-Beratung, komplexe Produkte, Key Accounts
Self-Guided Flexibel, jederzeit zugänglich, skalierbar Keine direkte Interaktion, weniger Kontrolle Asynchrone Nachnutzung, interne Abstimmungen, Follow-up

 

Vom Link-Salat zum kuratierten Verkaufserlebnis: Dein nächster Schritt

Der Shopware Digital Sales Room ist kein Gimmick und kein Marketing-Buzzword. Er ist ein strukturiertes Werkzeug, das den Medienbruch zwischen Beratung, Produktpräsentation und Kaufentscheidung überwindet. Wenn du erklärungsbedürftige Produkte verkaufst, komplexe B2B-Prozesse abbilden musst oder Beratung skalieren willst, ist der Digital Sales Room eine sinnvolle Antwort auf moderne Kundenerwartungen – vorausgesetzt, du bist bereit, in Konzeption, Technik und Prozesse zu investieren.

Das Beste daran: Du musst nicht mit einem Mammutprojekt starten. Beginne mit einem klar definierten Use Case – einem wichtigen Key Account, einem Produktlaunch oder einem wiederkehrenden Beratungsszenario. Erstelle einen Pilot-Raum, teste ihn mit echten Kund:innen, sammle Feedback und optimiere. Aus diesem ersten Raum entsteht ein Template, das du wiederholbar machst. So baust du Schritt für Schritt eine digitale Verkaufsinfrastruktur auf, die Effizienz, Kundenerlebnis und Umsatz messbar verbessern kann.

Die Frage ist nicht, ob du digitale Verkaufsräume brauchst. Die Frage ist: Passt der Aufwand zu deinem Use Case, deinem Team und deinem Budget? Beantworte die Checkliste ehrlich – und triff dann eine informierte Entscheidung.