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Shopware 6 Dropshipping: Automatisierung und Risiken meistern

Geschrieben von Tim Kelle | 24.01.2026

Es ist 22:47 Uhr. Du sitzt vor dem Rechner, scrollst durch die letzten 30 Bestellungen des Tages und klickst dich durch fünf verschiedene Excel-Tabellen. Drei Lieferanten warten auf ihre Versandaufträge – per E-Mail, per CSV, per Copy-Paste in ein Webformular. Bei Bestellung #1247 fehlt plötzlich die Variantenangabe, bei #1251 ist die Lieferadresse unvollständig, und bei #1253 fragst du dich, ob du die Mail wirklich abgeschickt hast. Der Support meldet sich am nächsten Morgen mit drei Eskalationen: „Wo bleibt meine Bestellung?" Die Frage, die sich stellt, ist nicht ob Dropshipping funktioniert – sondern wie du es so automatisierst, dass Lieferanten zuverlässig alle Daten bekommen, ohne dass du Kontrolle über Kundenerlebnis, Rechtspflichten und Marge verlierst – und wann es sinnvoll ist, dafür eine Shopware Agentur an Bord zu holen.

Dropshipping Shopware 6: So funktioniert Streckengeschäft in der Praxis

Dropshipping – oft auch Streckengeschäft genannt – bedeutet: Du verkaufst Produkte, ohne sie selbst auf Lager zu haben. Stattdessen übernimmt ein externer Lieferant oder Hersteller den Versand direkt an deine Endkund:innen. Du trittst als Händler auf, verantwortest Preis, Service, Rechtstexte und Kommunikation – auch wenn der Lieferant packt und verschickt. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber eine Orchestrierungsaufgabe: Wer bekommt welche Daten, wann, in welchem Format – und wie stellst du sicher, dass nichts schiefgeht?

Shopware 6 bietet dir als E-Commerce-Plattform eine solide Basis für Dropshipping-Setups. Das System ist flexibel, erweiterbar und bringt ein sauberes Datenmodell mit. Doch out-of-the-box deckt Shopware 6 nur die Standard-Bestellverwaltung ab – Produktpflege, Statusänderungen, Dokumente, Mails. Sobald du Bestellungen automatisiert an externe Lieferanten weiterleiten, Splits für Multi-Lieferanten-Warenkörbe abbilden oder Trigger nach Zahlstatus setzen willst, brauchst du Erweiterungen oder Integrationen.

Es gibt verschiedene Varianten, wie Dropshipping in der Praxis aussehen kann:

  • Teilweises Dropshipping: Ein Teil deines Sortiments wird klassisch aus eigenem Lager versendet, ein anderer Teil läuft über Lieferanten.
  • Vollständiges Dropshipping: Du hast kein eigenes Lager, alle Produkte kommen von externen Partnern.
  • Multi-Lieferanten-Setup: Eine Bestellung umfasst Artikel von mehreren Lieferanten – du musst Bestellpositionen splitten und koordinieren.
  • Print-on-Demand (PoD): Eine Sonderform mit Produktionszeit vor Versand, etwa bei bedruckten T-Shirts oder personalisierten Produkten.

Wichtig: Beim Dropshipping mit Shopware 6 bleibst du verantwortlich – rechtlich, kommunikativ, qualitativ. Der Lieferant ist dein Erfüllungsgehilfe, nicht dein Schutzschild. Das unterscheidet Dropshipping auch von Fulfillment/3PL (bei dem ein Dienstleister dein eigenes Lager verwaltet und versendet) und vom Marktplatzmodell (bei dem Third-Party Seller unter eigener Verantwortung verkaufen).

Warum Dropshipping mit Shopware 6 – und für wen passt das Modell?

Dropshipping bietet echte Vorteile, wenn du richtig damit umgehst. Die Startkosten sind gering, weil du kein eigenes Lager aufbauen musst. Du kannst dein Sortiment flexibel erweitern, Trends testen und schnell auf Marktveränderungen reagieren. Die Kapitalbindung sinkt, weil du keine Überbestände riskierst. Und du kannst skalieren, ohne Lagerflächen, Personal oder Versandlogistik selbst stemmen zu müssen – der Fokus liegt auf Marketing, Vertrieb und Kundenerlebnis.

Für wen passt Dropshipping mit Shopware 6 gut?

  • Du willst neue Sortimente risikoarm testen, bevor du in Lagerbestände investierst.
  • Du arbeitest mit mehreren Lieferanten und brauchst eine zentrale Plattform für Bestellverwaltung und Kommunikation.
  • Du betreibst Print-on-Demand oder Personalisierung – Produkte entstehen erst nach Bestellung.
  • Du planst Multi-Channel-Vertrieb (z. B. Online-Shop plus Marktplätze) und willst Prozesse zentral steuern.

Für wen ist Dropshipping eher nicht geeignet?

  • Dein USP sind extrem kurze Lieferzeiten (z. B. Same-Day) – das ist mit externen Lieferanten schwer kontrollierbar.
  • Deine Retourenquote ist hoch (z. B. Fashion), aber du hast keinen strukturierten Retourenprozess mit Lieferanten.
  • Deine Lieferanten liefern keine sauberen Produktdaten (Bilder, Beschreibungen, EAN/SKU, Varianten) – dann wird das Setup zur Dauerbaustelle.

Eine Faustregel: Wenn du mehr als fünf Bestellungen pro Tag hast oder mehr als einen Lieferanten einbindest, wird manuelle Weiterleitung schnell fehleranfällig und zeitfressend. Dann wird Automatisierung nicht „nice to have", sondern Pflicht.

Die realen Herausforderungen: Warum Dropshipping ohne System scheitert

Dropshipping klingt simpel – ist es aber nur, wenn Prozesse stimmen. In der Praxis stolperst du über eine ganze Reihe typischer Schmerzpunkte:

Lieferanten-Abhängigkeit: Qualität, Lieferzeit, Verfügbarkeit, Verpackungsqualität – all das liegt außerhalb deiner direkten Kontrolle. Wenn der Lieferant patzt, trägt dein Shop die schlechte Bewertung.

Uneinheitliche Produktdaten: Jeder Lieferant liefert Daten in einem anderen Format – mal CSV, mal XML, mal API, mal gar nichts. EAN/SKU, Varianten, Bilder, Texte, Attribute – alles muss gemappt, geprüft, standardisiert werden.

Prozessbruch bei manueller Weiterleitung: Wenn du Bestelldaten händisch per Mail weiterleitest, steigt die Fehlerquote mit jedem Klick. Adressfehler, fehlende Varianten, falsche Positionen, doppelte Mails – das kostet Zeit und Nerven.

Multi-Lieferanten-Bestellungen: Ein Kunde bestellt ein T-Shirt von Lieferant A und ein Accessoire von Lieferant B. Du musst die Bestellung splitten, jeder Lieferant bekommt nur „seine" Positionen, Tracking muss getrennt zurückgespielt werden, der Kunde erwartet trotzdem klare Kommunikation.

Kundenerlebnis trotz externer Zustellung: Versandstatus, Tracking, Lieferzeit, Teillieferungen – all das musst du kommunizieren, auch wenn du nicht selbst packst. Fehlt Transparenz, eskaliert der Support.

Recht und Transparenz: Lieferzeiten müssen realistisch sein, Teillieferungshinweise gehören in die AGB, Retourenadressen müssen klar sein. Der Shopbetreiber bleibt verantwortlich – auch wenn der Lieferant liefert.

Retouren: Viele Dropshipping-Tools decken Retouren nicht ab. Du brauchst einen separaten Prozess: Rücksendung zu dir, zum Lieferanten, RMA-Nummern, Fristen, Erstattungslogik.

Alle diese Punkte lassen sich lösen – aber nur, wenn du sie von Anfang an mitdenkst.

Shopware 6 als Systementscheidung: Wann Shopware – und wann nicht?

Shopware 6 ist eine leistungsstarke, flexible E-Commerce-Plattform. Für Dropshipping mit Shopware 6 eignet sie sich besonders, wenn:

  • du einen erweiterbaren Shop mit sauberem Datenmodell, Flow Builder, Rule Engine und Integrationen brauchst,
  • du mehrere Sales Channels (Web, App, Marktplätze) parallel betreibst,
  • du komplexe Preisregeln, dynamische Lieferzeiten, Variantenlogiken oder B2B-Optionen planst,
  • du langfristig in Richtung Automatisierung und ERP-Integration denkst.

Shopware 6 ist weniger geeignet, wenn:

  • du ein „Plug-and-Play"-Dropshipping-System ohne Setup-Aufwand suchst (dann wären spezialisierte SaaS-Lösungen einfacher),
  • dein Kernproblem nicht Shop-Prozesse, sondern Lieferantenkataloge oder Marktplatz-Listings sind.

Wichtig: Der Engpass ist selten die Shopsoftware selbst – sondern Datenqualität, Lieferantenprozesse und Integrationstiefe.

Shopware out-of-the-box vs. Plugin vs. ERP/Connector – die Entscheidungslogik

Shopware 6 bringt von Haus aus starke Bordmittel mit: Produkt- und Bestellverwaltung, Statuspflege, Dokumentengenerierung, E-Mail-Templates. Für einfaches Dropshipping reicht das theoretisch – du kannst Bestellungen manuell an Lieferanten weiterleiten, Lieferscheine erstellen, Status pflegen. Praktisch wird das aber schnell mühsam, fehleranfällig und nicht nachvollziehbar.

Plugin/Erweiterung macht Sinn, wenn du:

  • Lieferantenbenachrichtigung automatisieren willst (Trigger nach Bestellstatus, Zahlstatus, Freigabe),
  • Bestellungen nach Lieferanten splitten und separate Mails/Dokumente versenden willst,
  • CSV-Export, Anhänge, Logging, Re-Send-Funktionen brauchst,
  • 1–3 Lieferanten und überschaubares Volumen (z. B. bis 50 Bestellungen/Tag) hast.

ERP/Connector wird sinnvoll, wenn:

  • du viele Lieferanten und Artikel (z. B. 1.000+) verwaltest,
  • du häufige Preis-/Bestandsupdates, komplexe Kalkulationslogiken oder Multi-Channel-Synchronisierung brauchst,
  • du Einkauf, Rechnungswesen, Bestände, Retouren zentral in einem System steuern willst,
  • du stark skalierst und manuelle Pflege nicht mehr wirtschaftlich ist.

Faustregel: 1 Lieferant plus niedrige Bestellmenge: Plugin reicht oft. Multi-Lieferant plus viele Artikel plus regelmäßige Updates: Connector/ERP wird schnell wirtschaftlicher.

Bevor du automatisierst: Lieferanten, Lieferzeiten, Retouren und Verantwortung klären

Bevor du auch nur ein Plugin installierst, musst du die Grundlagen klären. Dropshipping steht und fällt mit der Lieferantenqualität und den Prozessvereinbarungen. Hier eine Checkliste, die du vor dem Setup abhaken solltest:

Lieferanten-Reifegrad prüfen

  • Bietet der Lieferant strukturierte Datenformate (CSV, XML, API)?
  • Gibt es klare SLAs (Service Level Agreements) zu Lieferzeiten, Cut-off-Zeiten, Feiertagen?
  • Wird Tracking automatisch zurückgespielt oder musst du manuell nachfragen?
  • Gibt es einen festen Ansprechpartner für Reklamationen, Retouren, Datenfragen?
  • Wie sieht der Retourenprozess aus? Rücksendung zu dir, zum Lieferanten, RMA-Nummern?
  • Legt der Lieferant eigene Packbeileger, Rechnungen oder Werbematerial bei – und kannst du das unterbinden?

Lieferzeiten realistisch definieren

Lieferzeiten sind rechtlich verpflichtend und müssen vor Kaufabschluss kommuniziert werden. Bei Dropshipping mit Shopware 6 musst du je Artikel/Lieferant unterschiedliche Lieferzeiten abbilden können – z. B. „3–5 Werktage" für Standardartikel, „7–10 Werktage" für Spezialprodukte, „10–14 Werktage inkl. Produktion" für Print-on-Demand. Damit das im Shop sauber funktioniert, lohnt sich ein Blick darauf, wie du die Lieferzeit in Shopware korrekt abbildest.

Tipp: Rechne immer mit Puffer. Lieber 5–7 Werktage kommunizieren und nach 4 Tagen liefern, als umgekehrt.

Retouren und Reklamationen

Retourenmanagement ist der blinde Fleck vieler Dropshipping-Setups. Kläre vorab:

  • Wohin sendet der Kunde zurück? (Deine Adresse oder Lieferantenadresse)
  • Wer prüft Ware, wer entscheidet über Erstattung/Austausch?
  • Wie läuft die Abwicklung bei Defekten (Garantie, Kulanz)?
  • Wer trägt Versandkosten bei Retouren?

Ohne klare Prozesse wird jede Retoure zur Eskalation.

DSGVO und Datenweitergabe

Wenn du Bestelldaten (Name, Adresse, Telefon, E-Mail) an Lieferanten weitergibst, ist das Datenweitergabe. In den meisten Fällen musst du mit dem Lieferanten einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen. Achte auf:

  • Datenminimierung: Nur notwendige Daten weitergeben (z. B. keine Zahlungsdaten, keine Geburtsdaten).
  • TOMs (Technisch-organisatorische Maßnahmen): Lieferant muss Daten sicher verarbeiten.
  • Dokumentation: AVV, Ansprechpartner, Verarbeitungszweck schriftlich festhalten.

Shopware 6 Setup: Artikelzuordnung, Splits, Dokumente und Kommunikation

Jetzt wird's konkret: Wie richtest du Dropshipping mit Shopware 6 technisch auf? Hier der Prozess-Blueprint, Schritt für Schritt.

Schritt 1: Lieferantenstrategie definieren

Liste alle Lieferanten auf, mit denen du zusammenarbeitest. Definiere pro Lieferant:

  • Sortiment (welche Produktgruppen/Kategorien)
  • Länder (versendet der Lieferant nur innerhalb Deutschlands, EU-weit, international?)
  • SLAs (Lieferzeiten, Cut-off-Zeiten, Bearbeitungszeiten)
  • Kontakt (Ansprechpartner, E-Mail, Telefon)

Schritt 2: Artikel in Shopware 6 strukturieren

Lege für jeden Artikel fest:

  • Dropshipping ja/nein: Wird dieser Artikel per Dropshipping versendet oder aus eigenem Lager?
  • Zugeordneter Lieferant/Hersteller (in Shopware 6 kannst du Hersteller als Zuordnungsfeld nutzen)
  • Lieferzeitlogik: Welche Lieferzeit gilt für diesen Artikel?
  • Versandprofil: Welche Versandart ist möglich (Standard, Express, etc.)?

Nutze Custom Fields oder Produktattribute, um Dropshipping-relevante Infos zu speichern.

Schritt 3: Trigger definieren – wann wird der Lieferant informiert?

Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen. Du hast mehrere Optionen:

Trigger Vorteil Nachteil
Sofort bei Bestelleingang Schnellste Abwicklung Risiko: Zahlung kommt nicht, Storno nötig
Nach Zahlungseingang Kein Risiko bei Zahlungsausfall Verzögerung bei Vorkasse
Nach manuellem Freigabestatus Maximale Kontrolle (z. B. bei Betrugsprüfung) Manueller Aufwand

Empfehlung: Für Standard-B2C-Shops mit Zahlungsdienstleistern (Stripe, PayPal, Klarna) eignet sich „nach Zahlungseingang" am besten.

Schritt 4: Split-Regeln für Multi-Lieferanten-Bestellungen

Wenn eine Bestellung Artikel von mehreren Lieferanten enthält, musst du sie splitten. Das bedeutet:

  • Jeder Lieferant bekommt nur „seine" Positionen.
  • Jeder Lieferant erhält ein separates Dokument (Lieferschein, Bestellübersicht).
  • Teillieferungen müssen im Shop und in der Kundenkommunikation abgebildet werden.

Ein gutes Plugin oder ERP übernimmt das automatisch. Wichtig: Teste Multi-Lieferanten-Warenkörbe vor Go-live gründlich.

Schritt 5: E-Mail-Templates und CSV-Inhalte

Definiere, welche Informationen der Lieferant benötigt:

  • Bestellnummer
  • Lieferadresse (Name, Straße, PLZ, Ort, Land, Telefon)
  • Bestellpositionen (Artikelnummer/SKU, Bezeichnung, Menge, Varianten/Optionen, Personalisierung)
  • Versandart (Standard, Express, etc.)
  • Hinweise (z. B. „Geschenkverpackung gewünscht")

Entscheide, ob du Preise mitschickst (oft nicht nötig, kann aber bei Abrechnung helfen). Viele Plugins bieten CSV-Export als Anhang – das erleichtert die Weiterverarbeitung beim Lieferanten.

Schritt 6: Dokumente pro Lieferant

Erstelle für jeden Lieferanten separate Lieferscheine oder Packlistings. Achte darauf:

  • Kein Branding des Lieferanten auf Dokumenten (außer du willst das)
  • Keine Preise, wenn der Lieferant diese nicht sehen soll
  • Korrekte rechtliche Angaben (deine Firma, nicht die des Lieferanten)

Schritt 7: Logging und Nachvollziehbarkeit

Du musst jederzeit wissen:

  • Welche Bestellung wurde wann an welchen Lieferanten gesendet?
  • Wurde die Mail erfolgreich zugestellt?
  • Kann ich die Mail erneut senden, ohne doppelte Aufträge auszulösen?

Ein gutes Plugin bietet eine Übersicht „Gesendete E-Mails" und Re-Send-Funktion mit Schutz vor Duplikaten.

Schritt 8: BCC/CC für interne Kontrolle

Setze dich selbst oder dein Team auf BCC, um Lieferantenmails mitzulesen. So hast du immer im Blick, was rausging – hilfreich bei Support-Anfragen oder Eskalationen.

Plugin vs. ERP/Connector: Welche Lösung passt zu deinem Volumen?

Hier eine kompakte Entscheidungstabelle:

Kriterium Plugin ERP/Connector
Volumen (Bestellungen/Tag) Bis ca. 50 50+
Anzahl Lieferanten 1–3 3+
Artikelanzahl Bis 500 500+
Datenupdates Manuell oder selten Täglich/automatisiert
Preiskalkulation Einfach, manuell Komplex, automatisiert, Margen/Regeln
Multi-Channel (Marktplätze etc.) Nein/eingeschränkt Ja
Kosten (Lizenz/Monat) € 20–100 € 100–500+
Setup-Aufwand Gering Hoch

Kosten, Aufwand und Risiken: Was dich Dropshipping realistisch kostet

Dropshipping ist nicht kostenlos – auch wenn du kein Lager brauchst. Hier die realistischen Kostenfaktoren:

Einmalaufwände

  • Lieferanten-Onboarding: Datenformat klären, Ansprechpartner finden, SLAs verhandeln, AVV abschließen (Zeit: 2–5 Tage pro Lieferant).
  • Datenimport und Mapping: Produkte importieren, Varianten mappen, Kategorien zuordnen, Attribute pflegen (Zeit: 1–3 Wochen bei 500+ Artikeln).
  • E-Mail-/CSV-Templates: Templates erstellen, Trigger konfigurieren, Dokumente anpassen (Zeit: 1–2 Tage).
  • Testphase: Multi-Lieferant-Szenarien, Storno, Adressänderung, Teillieferung durchspielen (Zeit: 3–5 Tage).

Laufende Kosten

  • Plugin/Connector/ERP-Lizenzen: € 20–500/Monat, je nach Umfang.
  • Datenfeeds/Updates: Manche Lieferanten verlangen Gebühren für API-Zugriff oder tägliche Feeds.
  • Supportaufwand: Lieferzeitfragen, Reklamationen, Tracking-Anfragen – rechne 10–20 % mehr Support als bei Eigenversand.
  • Retourenkosten: Label, Handling, Klärungsaufwand – Wiedereinlagerung entfällt oft, aber Kommunikationsaufwand steigt.

Typische Risiken

  • Marge zu knapp: Versand, Retouren, Zahlungsgebühren, Preiskampf – rechne alle Kosten ehrlich durch.
  • Lieferzeiten/Qualität: Schlechte Bewertungen durch verspätete Lieferungen oder Qualitätsmängel.
  • Datenfehler: Falsche Adressen, fehlende Varianten, doppelte Bestellungen.
  • Abhängigkeit: 1–2 Lieferanten ohne Backup – wenn einer ausfällt, steht dein Shop still.

Praxistipp: Rechne vor Go-live drei Worst-Case-Szenarien durch: Lieferverzug, Retourenpeak, Preisänderungen beim Lieferanten. Wie reagierst du?

Recht und Pflichtangaben: Lieferzeiten, Retouren, DSGVO, Nachweise

Beim Dropshipping mit Shopware 6 bleibst du rechtlich in der Pflicht. Hier die wichtigsten Punkte:

Lieferzeiten

Müssen vor Kaufabschluss klar kommuniziert werden. Bei Print-on-Demand Produktionszeit separat angeben (z. B. „3–5 Tage Produktion + 2–4 Tage Versand").

Teillieferungen

Wenn Multi-Lieferanten-Bestellungen in mehreren Paketen kommen, musst du das vorab transparent machen (z. B. in AGB oder Produkthinweisen).

Retourenprozess

  • Rücksendeadresse klar angeben (deine oder Lieferant)
  • Fristen (14 Tage Widerrufsrecht)
  • Kostenregelung (wer trägt Rücksendekosten?)
  • Reklamation/Defekt: Wer prüft, wer ersetzt?

DSGVO / Datenweitergabe

  • Bestelldaten an Lieferanten = Datenweitergabe → AVV nötig
  • Datenminimierung: Nur notwendige Daten weitergeben
  • Dokumentation: AVV, TOMs, Ansprechpartner schriftlich festhalten

Rechnungsstellung

Typischerweise stellst du die Rechnung an Endkund:innen, nicht der Lieferant. Achte darauf, dass der Lieferant keine eigenen Belege mit falschen Angaben beilegt.

Marken-/Produktrecht

Bei Print-on-Demand/bedruckten Produkten: Motive/Lizenzen klären. Du haftest bei Rechtsverletzungen, nicht der Lieferant.

Go-live Checkliste plus Testfälle (damit es nicht knallt)

Bevor du live gehst, arbeite diese Checkliste ab:

Vor Go-live

  • Lieferantenliste vollständig (Kontakt, SLA, AVV)
  • Artikel mit Dropshipping-Flag versehen, Lieferanten zugeordnet
  • Lieferzeiten je Artikel/Lieferant definiert
  • Trigger konfiguriert (Bestellstatus, Zahlstatus, Freigabe)
  • E-Mail-Templates getestet (Adresse, Positionen, Varianten, Personalisierung)
  • CSV-Export geprüft (Inhalte, Format, Anhang)
  • Dokumente (Lieferschein) pro Lieferant angepasst
  • BCC/CC eingerichtet, Logging aktiviert
  • Testmodus: Mind. 5 Testbestellungen (Single-Lieferant, Multi-Lieferant, Storno, Adressänderung, Teilmenge)

Testfälle (Must-do)

  • Single-Lieferant-Bestellung: Wird Mail korrekt versendet? Dokument korrekt? Varianten vollständig?
  • Multi-Lieferant-Bestellung: Split funktioniert? Jeder Lieferant bekommt nur seine Positionen? Teillieferungshinweis an Kunden?
  • Storno: Wird Lieferant informiert? Keine doppelte Mail?
  • Adressänderung nach Bestellung: Neue Adresse an Lieferanten?
  • Zahlungsabbruch: Keine Mail an Lieferanten bei „offen"?
  • Personalisierung/Varianten: Alle Custom-Daten vollständig übertragen?

Nach Go-live (erste 14 Tage)

  • Fehlerquote monitoren (Wieviel Prozent der Bestellungen haben Probleme?)
  • Lieferzeiten tracken (Halten Lieferanten ihre SLAs?)
  • Support-Tickets auswerten (Welche Fragen kommen gehäuft?)
  • Retourenquote beobachten (Steigt sie ungewöhnlich?)
  • Marge checken (Stimmen die kalkulierten Kosten mit der Realität überein?)

Use Cases: T-Shirt, Print-on-Demand, Multi-Lieferant

Use Case 1: T-Shirt Shop mit Varianten

Du verkaufst T-Shirts in verschiedenen Größen und Farben, Lieferant ist ein Textil-Großhändler. Herausforderungen:

  • Variantenhandling: Größe, Farbe, Schnitt müssen korrekt übertragen werden.
  • Hohe Retourenquote (Fashion): Klare Retoureadresse, schnelle Bearbeitung nötig.
  • Lieferzeiten: „2–4 Werktage" realistisch, Kunde erwartet schnelle Zustellung.

Lösung: Plugin mit Variantenübertragung, automatischer Trigger nach Zahlungseingang, klare Retourenkommunikation in AGB.

Use Case 2: Druckerei / Print-on-Demand

Du verkaufst bedruckte Produkte (Shirts, Poster, Tassen), die erst nach Bestellung produziert werden. Herausforderungen:

  • Produktionszeit vor Versand (z. B. 3–5 Tage + 2–4 Tage Versand).
  • Personalisierungsdaten (Texte, Motive, Uploads) müssen vollständig und fehlerfrei übertragen werden.
  • Motiv-/Lizenzklärung: Du haftest für Rechtsverletzungen.

Lösung: Plugin mit Custom-Field-Übertragung, Trigger nach Zahlung, separate Lieferzeit „inkl. Produktion" kommunizieren.

Use Case 3: Multi-Lieferant Warenkorb

Kunde bestellt T-Shirt (Lieferant A) + Accessoire (Lieferant B). Herausforderungen:

  • Bestellung muss gesplittet werden.
  • Zwei Lieferanten müssen jeweils nur ihre Positionen bekommen.
  • Kunde muss über Teillieferungen informiert werden.
  • Tracking muss separat zurückgespielt werden.

Lösung: Plugin mit Split-Funktion, separate Lieferscheine, Teillieferungshinweis in AGB, zwei Tracking-Nummern an Kunden kommunizieren.

Praxisbeispiel: Zeitersparnis durch Automatisierung

Ein mittelständischer Online-Shop mit 30 Bestellungen pro Tag und drei Lieferanten hat vor der Plugin-Nutzung Bestellungen manuell per E-Mail weitergeleitet. Fehlerquote: ca. 15 % (fehlende Varianten, falsche Adressen, doppelte Mails). Zeitaufwand: ca. 2 Stunden/Tag.

Nach Implementierung eines Dropshipping-Plugins für Shopware 6:

  • Trigger nach Zahlungseingang automatisch eingerichtet
  • Split-Logik für Multi-Lieferanten-Bestellungen aktiviert
  • CSV-Export als Anhang für Lieferanten eingerichtet
  • Logging plus Re-Send-Funktion für Übersicht

Ergebnis: Fehlerquote sank auf unter 3 %, Zeitaufwand reduzierte sich auf ca. 20 Minuten/Tag (nur noch Kontrolle, keine manuelle Weiterleitung). Zeitersparnis: ca. 1,5 Stunden/Tag = 30 % weniger Aufwand.

Worauf du bei einer Dropshipping-Erweiterung für Shopware 6 achten solltest

Wenn du ein Plugin oder eine Erweiterung für Dropshipping mit Shopware 6 auswählst, achte auf diese Funktionen:

Muss (Pflicht)

  • Lieferanten-/Herstellerverwaltung: Saubere Trennung, Zuordnung pro Artikel
  • Split pro Lieferant: Bestellpositionen trennen, separate Dokumente/Anhänge
  • Trigger: Bestell-/Zahlstatus und/oder manuelle Freigabe
  • CSV-Export/Anhang: Konfigurierbare Felder (ohne Preise, wenn gewünscht)
  • Testmodus plus Protokoll/Log: Sicheres Testen, Nachvollziehbarkeit

Sollte (empfohlen)

  • Einsicht in gesendete E-Mails: Übersicht, wann/was/an wen geschickt wurde
  • Re-Send mit Duplikatschutz: Erneut senden ohne doppelte Aufträge
  • BCC/CC plus Zustellberichte: Interne Kontrolle
  • Template pro Lieferant/Sales Channel: Flexibilität bei Multi-Channel

Optional (Nice-to-have)

  • Label-/Versandarten-Weitergabe: DHL, DPD, etc. direkt an Lieferanten
  • Tracking-Import / Status-Rückspielung: Automatisches Update von Sendungsnummern

Grenzen (was Plugins meist nicht abdecken)

  • Retouren: Meist kein automatischer Retourenprozess → separat planen
  • Produktdaten-Synchronisierung: Import/Update von Katalogen meist über andere Tools (z. B. Connector, ERP)

Statt nachts CSVs zu sortieren: Deine nächsten Schritte

Stell dir vor: Es ist 22:47 Uhr – aber diesmal sitzt du nicht vor Excel-Tabellen. Die Bestellungen sind längst raus, automatisiert, gesplittet, dokumentiert. Jeder Lieferant hat exakt die Daten bekommen, die er braucht. Du hast den Überblick, die Kontrolle und die Rechtssicherheit – ohne jeden Handgriff manuell zu erledigen.

So sieht Dropshipping mit Shopware 6 aus, wenn es funktioniert. Aber der Weg dorthin braucht Vorbereitung. Hier deine nächsten Schritte:

  • Schritt 1: Lieferanten-Reifegrad prüfen (SLAs, Datenformate, Ansprechpartner, Retouren)
  • Schritt 2: Recht/Retouren/DSGVO-Datenweitergabe sauber klären (AVV, Lieferzeiten, Teillieferungshinweis)
  • Schritt 3: Testfälle definieren (Single-/Multi-Lieferant, Storno, Adressänderung, Varianten)
  • Schritt 4: Plugin vs. ERP/Connector entscheiden (Volumen, Lieferanten, Artikel, Kosten abwägen)
  • Schritt 5: Testmodus durchspielen, Go-live, 14 Tage monitoren

Dropshipping ist kein Selbstläufer – aber mit der richtigen Vorbereitung, sauberen Prozessen und der passenden Technologie wird es zu einem skalierbaren, effizienten Geschäftsmodell. Shopware 6 bietet dir die Flexibilität, die du brauchst. Wenn du dabei die Shop-Basics einmal strukturiert abklopfen willst, hilft ein Shopware-Check, typische Stolpersteine vor dem „Automatisieren" zu finden.