Es ist 22:47 Uhr. Du sitzt vor dem Rechner, scrollst durch die letzten 30 Bestellungen des Tages und klickst dich durch fünf verschiedene Excel-Tabellen. Drei Lieferanten warten auf ihre Versandaufträge – per E-Mail, per CSV, per Copy-Paste in ein Webformular. Bei Bestellung #1247 fehlt plötzlich die Variantenangabe, bei #1251 ist die Lieferadresse unvollständig, und bei #1253 fragst du dich, ob du die Mail wirklich abgeschickt hast. Der Support meldet sich am nächsten Morgen mit drei Eskalationen: „Wo bleibt meine Bestellung?" Die Frage, die sich stellt, ist nicht ob Dropshipping funktioniert – sondern wie du es so automatisierst, dass Lieferanten zuverlässig alle Daten bekommen, ohne dass du Kontrolle über Kundenerlebnis, Rechtspflichten und Marge verlierst – und wann es sinnvoll ist, dafür eine Shopware Agentur an Bord zu holen.
Dropshipping – oft auch Streckengeschäft genannt – bedeutet: Du verkaufst Produkte, ohne sie selbst auf Lager zu haben. Stattdessen übernimmt ein externer Lieferant oder Hersteller den Versand direkt an deine Endkund:innen. Du trittst als Händler auf, verantwortest Preis, Service, Rechtstexte und Kommunikation – auch wenn der Lieferant packt und verschickt. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber eine Orchestrierungsaufgabe: Wer bekommt welche Daten, wann, in welchem Format – und wie stellst du sicher, dass nichts schiefgeht?
Shopware 6 bietet dir als E-Commerce-Plattform eine solide Basis für Dropshipping-Setups. Das System ist flexibel, erweiterbar und bringt ein sauberes Datenmodell mit. Doch out-of-the-box deckt Shopware 6 nur die Standard-Bestellverwaltung ab – Produktpflege, Statusänderungen, Dokumente, Mails. Sobald du Bestellungen automatisiert an externe Lieferanten weiterleiten, Splits für Multi-Lieferanten-Warenkörbe abbilden oder Trigger nach Zahlstatus setzen willst, brauchst du Erweiterungen oder Integrationen.
Es gibt verschiedene Varianten, wie Dropshipping in der Praxis aussehen kann:
Wichtig: Beim Dropshipping mit Shopware 6 bleibst du verantwortlich – rechtlich, kommunikativ, qualitativ. Der Lieferant ist dein Erfüllungsgehilfe, nicht dein Schutzschild. Das unterscheidet Dropshipping auch von Fulfillment/3PL (bei dem ein Dienstleister dein eigenes Lager verwaltet und versendet) und vom Marktplatzmodell (bei dem Third-Party Seller unter eigener Verantwortung verkaufen).
Dropshipping bietet echte Vorteile, wenn du richtig damit umgehst. Die Startkosten sind gering, weil du kein eigenes Lager aufbauen musst. Du kannst dein Sortiment flexibel erweitern, Trends testen und schnell auf Marktveränderungen reagieren. Die Kapitalbindung sinkt, weil du keine Überbestände riskierst. Und du kannst skalieren, ohne Lagerflächen, Personal oder Versandlogistik selbst stemmen zu müssen – der Fokus liegt auf Marketing, Vertrieb und Kundenerlebnis.
Für wen passt Dropshipping mit Shopware 6 gut?
Für wen ist Dropshipping eher nicht geeignet?
Eine Faustregel: Wenn du mehr als fünf Bestellungen pro Tag hast oder mehr als einen Lieferanten einbindest, wird manuelle Weiterleitung schnell fehleranfällig und zeitfressend. Dann wird Automatisierung nicht „nice to have", sondern Pflicht.
Dropshipping klingt simpel – ist es aber nur, wenn Prozesse stimmen. In der Praxis stolperst du über eine ganze Reihe typischer Schmerzpunkte:
Lieferanten-Abhängigkeit: Qualität, Lieferzeit, Verfügbarkeit, Verpackungsqualität – all das liegt außerhalb deiner direkten Kontrolle. Wenn der Lieferant patzt, trägt dein Shop die schlechte Bewertung.
Uneinheitliche Produktdaten: Jeder Lieferant liefert Daten in einem anderen Format – mal CSV, mal XML, mal API, mal gar nichts. EAN/SKU, Varianten, Bilder, Texte, Attribute – alles muss gemappt, geprüft, standardisiert werden.
Prozessbruch bei manueller Weiterleitung: Wenn du Bestelldaten händisch per Mail weiterleitest, steigt die Fehlerquote mit jedem Klick. Adressfehler, fehlende Varianten, falsche Positionen, doppelte Mails – das kostet Zeit und Nerven.
Multi-Lieferanten-Bestellungen: Ein Kunde bestellt ein T-Shirt von Lieferant A und ein Accessoire von Lieferant B. Du musst die Bestellung splitten, jeder Lieferant bekommt nur „seine" Positionen, Tracking muss getrennt zurückgespielt werden, der Kunde erwartet trotzdem klare Kommunikation.
Kundenerlebnis trotz externer Zustellung: Versandstatus, Tracking, Lieferzeit, Teillieferungen – all das musst du kommunizieren, auch wenn du nicht selbst packst. Fehlt Transparenz, eskaliert der Support.
Recht und Transparenz: Lieferzeiten müssen realistisch sein, Teillieferungshinweise gehören in die AGB, Retourenadressen müssen klar sein. Der Shopbetreiber bleibt verantwortlich – auch wenn der Lieferant liefert.
Retouren: Viele Dropshipping-Tools decken Retouren nicht ab. Du brauchst einen separaten Prozess: Rücksendung zu dir, zum Lieferanten, RMA-Nummern, Fristen, Erstattungslogik.
Alle diese Punkte lassen sich lösen – aber nur, wenn du sie von Anfang an mitdenkst.
Shopware 6 ist eine leistungsstarke, flexible E-Commerce-Plattform. Für Dropshipping mit Shopware 6 eignet sie sich besonders, wenn:
Shopware 6 ist weniger geeignet, wenn:
Wichtig: Der Engpass ist selten die Shopsoftware selbst – sondern Datenqualität, Lieferantenprozesse und Integrationstiefe.
Shopware 6 bringt von Haus aus starke Bordmittel mit: Produkt- und Bestellverwaltung, Statuspflege, Dokumentengenerierung, E-Mail-Templates. Für einfaches Dropshipping reicht das theoretisch – du kannst Bestellungen manuell an Lieferanten weiterleiten, Lieferscheine erstellen, Status pflegen. Praktisch wird das aber schnell mühsam, fehleranfällig und nicht nachvollziehbar.
Plugin/Erweiterung macht Sinn, wenn du:
ERP/Connector wird sinnvoll, wenn:
Faustregel: 1 Lieferant plus niedrige Bestellmenge: Plugin reicht oft. Multi-Lieferant plus viele Artikel plus regelmäßige Updates: Connector/ERP wird schnell wirtschaftlicher.
Bevor du auch nur ein Plugin installierst, musst du die Grundlagen klären. Dropshipping steht und fällt mit der Lieferantenqualität und den Prozessvereinbarungen. Hier eine Checkliste, die du vor dem Setup abhaken solltest:
Lieferzeiten sind rechtlich verpflichtend und müssen vor Kaufabschluss kommuniziert werden. Bei Dropshipping mit Shopware 6 musst du je Artikel/Lieferant unterschiedliche Lieferzeiten abbilden können – z. B. „3–5 Werktage" für Standardartikel, „7–10 Werktage" für Spezialprodukte, „10–14 Werktage inkl. Produktion" für Print-on-Demand. Damit das im Shop sauber funktioniert, lohnt sich ein Blick darauf, wie du die Lieferzeit in Shopware korrekt abbildest.
Tipp: Rechne immer mit Puffer. Lieber 5–7 Werktage kommunizieren und nach 4 Tagen liefern, als umgekehrt.
Retourenmanagement ist der blinde Fleck vieler Dropshipping-Setups. Kläre vorab:
Ohne klare Prozesse wird jede Retoure zur Eskalation.
Wenn du Bestelldaten (Name, Adresse, Telefon, E-Mail) an Lieferanten weitergibst, ist das Datenweitergabe. In den meisten Fällen musst du mit dem Lieferanten einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschließen. Achte auf:
Jetzt wird's konkret: Wie richtest du Dropshipping mit Shopware 6 technisch auf? Hier der Prozess-Blueprint, Schritt für Schritt.
Liste alle Lieferanten auf, mit denen du zusammenarbeitest. Definiere pro Lieferant:
Lege für jeden Artikel fest:
Nutze Custom Fields oder Produktattribute, um Dropshipping-relevante Infos zu speichern.
Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen. Du hast mehrere Optionen:
| Trigger | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Sofort bei Bestelleingang | Schnellste Abwicklung | Risiko: Zahlung kommt nicht, Storno nötig |
| Nach Zahlungseingang | Kein Risiko bei Zahlungsausfall | Verzögerung bei Vorkasse |
| Nach manuellem Freigabestatus | Maximale Kontrolle (z. B. bei Betrugsprüfung) | Manueller Aufwand |
Empfehlung: Für Standard-B2C-Shops mit Zahlungsdienstleistern (Stripe, PayPal, Klarna) eignet sich „nach Zahlungseingang" am besten.
Wenn eine Bestellung Artikel von mehreren Lieferanten enthält, musst du sie splitten. Das bedeutet:
Ein gutes Plugin oder ERP übernimmt das automatisch. Wichtig: Teste Multi-Lieferanten-Warenkörbe vor Go-live gründlich.
Definiere, welche Informationen der Lieferant benötigt:
Entscheide, ob du Preise mitschickst (oft nicht nötig, kann aber bei Abrechnung helfen). Viele Plugins bieten CSV-Export als Anhang – das erleichtert die Weiterverarbeitung beim Lieferanten.
Erstelle für jeden Lieferanten separate Lieferscheine oder Packlistings. Achte darauf:
Du musst jederzeit wissen:
Ein gutes Plugin bietet eine Übersicht „Gesendete E-Mails" und Re-Send-Funktion mit Schutz vor Duplikaten.
Setze dich selbst oder dein Team auf BCC, um Lieferantenmails mitzulesen. So hast du immer im Blick, was rausging – hilfreich bei Support-Anfragen oder Eskalationen.
Hier eine kompakte Entscheidungstabelle:
| Kriterium | Plugin | ERP/Connector |
|---|---|---|
| Volumen (Bestellungen/Tag) | Bis ca. 50 | 50+ |
| Anzahl Lieferanten | 1–3 | 3+ |
| Artikelanzahl | Bis 500 | 500+ |
| Datenupdates | Manuell oder selten | Täglich/automatisiert |
| Preiskalkulation | Einfach, manuell | Komplex, automatisiert, Margen/Regeln |
| Multi-Channel (Marktplätze etc.) | Nein/eingeschränkt | Ja |
| Kosten (Lizenz/Monat) | € 20–100 | € 100–500+ |
| Setup-Aufwand | Gering | Hoch |
Dropshipping ist nicht kostenlos – auch wenn du kein Lager brauchst. Hier die realistischen Kostenfaktoren:
Praxistipp: Rechne vor Go-live drei Worst-Case-Szenarien durch: Lieferverzug, Retourenpeak, Preisänderungen beim Lieferanten. Wie reagierst du?
Beim Dropshipping mit Shopware 6 bleibst du rechtlich in der Pflicht. Hier die wichtigsten Punkte:
Müssen vor Kaufabschluss klar kommuniziert werden. Bei Print-on-Demand Produktionszeit separat angeben (z. B. „3–5 Tage Produktion + 2–4 Tage Versand").
Wenn Multi-Lieferanten-Bestellungen in mehreren Paketen kommen, musst du das vorab transparent machen (z. B. in AGB oder Produkthinweisen).
Typischerweise stellst du die Rechnung an Endkund:innen, nicht der Lieferant. Achte darauf, dass der Lieferant keine eigenen Belege mit falschen Angaben beilegt.
Bei Print-on-Demand/bedruckten Produkten: Motive/Lizenzen klären. Du haftest bei Rechtsverletzungen, nicht der Lieferant.
Bevor du live gehst, arbeite diese Checkliste ab:
Du verkaufst T-Shirts in verschiedenen Größen und Farben, Lieferant ist ein Textil-Großhändler. Herausforderungen:
Lösung: Plugin mit Variantenübertragung, automatischer Trigger nach Zahlungseingang, klare Retourenkommunikation in AGB.
Du verkaufst bedruckte Produkte (Shirts, Poster, Tassen), die erst nach Bestellung produziert werden. Herausforderungen:
Lösung: Plugin mit Custom-Field-Übertragung, Trigger nach Zahlung, separate Lieferzeit „inkl. Produktion" kommunizieren.
Kunde bestellt T-Shirt (Lieferant A) + Accessoire (Lieferant B). Herausforderungen:
Lösung: Plugin mit Split-Funktion, separate Lieferscheine, Teillieferungshinweis in AGB, zwei Tracking-Nummern an Kunden kommunizieren.
Ein mittelständischer Online-Shop mit 30 Bestellungen pro Tag und drei Lieferanten hat vor der Plugin-Nutzung Bestellungen manuell per E-Mail weitergeleitet. Fehlerquote: ca. 15 % (fehlende Varianten, falsche Adressen, doppelte Mails). Zeitaufwand: ca. 2 Stunden/Tag.
Nach Implementierung eines Dropshipping-Plugins für Shopware 6:
Ergebnis: Fehlerquote sank auf unter 3 %, Zeitaufwand reduzierte sich auf ca. 20 Minuten/Tag (nur noch Kontrolle, keine manuelle Weiterleitung). Zeitersparnis: ca. 1,5 Stunden/Tag = 30 % weniger Aufwand.
Wenn du ein Plugin oder eine Erweiterung für Dropshipping mit Shopware 6 auswählst, achte auf diese Funktionen:
Stell dir vor: Es ist 22:47 Uhr – aber diesmal sitzt du nicht vor Excel-Tabellen. Die Bestellungen sind längst raus, automatisiert, gesplittet, dokumentiert. Jeder Lieferant hat exakt die Daten bekommen, die er braucht. Du hast den Überblick, die Kontrolle und die Rechtssicherheit – ohne jeden Handgriff manuell zu erledigen.
So sieht Dropshipping mit Shopware 6 aus, wenn es funktioniert. Aber der Weg dorthin braucht Vorbereitung. Hier deine nächsten Schritte:
Dropshipping ist kein Selbstläufer – aber mit der richtigen Vorbereitung, sauberen Prozessen und der passenden Technologie wird es zu einem skalierbaren, effizienten Geschäftsmodell. Shopware 6 bietet dir die Flexibilität, die du brauchst. Wenn du dabei die Shop-Basics einmal strukturiert abklopfen willst, hilft ein Shopware-Check, typische Stolpersteine vor dem „Automatisieren" zu finden.